https://www.faz.net/-gpf-6rxun

: Im Land der ungedeckten Möglichkeiten

  • Aktualisiert am

John McCain braucht jetzt alle Hilfe, die er kriegen kann, und an diesem Sonntag zumindest bekommt er sie. Gerade hat er ein paar tausend Anhängern in der Sporthalle des kleinen privaten Otterbein College versprochen, er werde kämpfen, kämpfen, kämpfen, in der oft so verknappten Redeweise, die ihm eigen ist.

          7 Min.

          John McCain braucht jetzt alle Hilfe, die er kriegen kann, und an diesem Sonntag zumindest bekommt er sie. Gerade hat er ein paar tausend Anhängern in der Sporthalle des kleinen privaten Otterbein College versprochen, er werde kämpfen, kämpfen, kämpfen, in der oft so verknappten Redeweise, die ihm eigen ist. "Noch 16 Tage, und sechs Punkte hinten!", hat er gerufen. Die Schlaumeier in den Medien hätten ihn abgeschrieben, Barack Obama messe schon die Gardinen fürs Oval Office ab - "aber sie haben vergessen, euch zu fragen!" Als Amerikaner sei er gewohnt, niemals aufzugeben und zu kämpfen: für eine neue Richtung, gegen die Selbstsucht von Washington, für den Aufschwung, gegen Amerikas Feinde - und wofür und wogegen noch, das ertränkt der aufschwellende Applaus.

          Zehn Minuten später sind der Jubel und die letzten Klänge des Songs aus dem Boxerfilm "Rocky" lange verklungen, und draußen, auf dem beinahe wieder leeren Parkplatz vor dem Auditorium, steht der Reverend Williams W. Millsaps. Er ist ein nachdenklicher Mann Mitte sechzig mit schütterem blond-weißem Haar und Bart. "Ich schätze McCains Integrität." Millsaps stammt aus Tennessee, er ist viel unterwegs, war in der Nähe, also kam er zur Kundgebung, um McCain zu segnen. Ganz nah sind er und seine Frau Martha an den Kandidaten herangekommen. "Er hat blass ausgesehen", sagt die Gattin des Reverend. Na ja, meint der Geistliche, McCain habe Hautkrebs gehabt und dürfe eben nicht in die Sonne. Aber, wirklich, er habe nicht gut ausgesehen. "Deswegen denke ich", erwidert seine Frau, "dass es gut war, dass mein Mann hier war. Das war kein Zufall."

          Für Amerika will John McCain kämpfen, aber im Augenblick kämpft er erst mal für sich - dafür, dass Amerika ihn lässt. Denn im Moment deuten alle Umfragen, so sehr sie sich auch im genauen Ausmaß unterscheiden mögen, auf eines: Er spielt auf einem Spielfeld, das seinem Gegner gehört. Das amerikanische Wahlsystem belohnt ja nicht notwendigerweise jenen Bewerber, der von der West- bis zur Ostküste die meisten Stimmen einsammelt - sondern jenen, dem das jeweils in den einzelnen Bundesstaaten gelingt. Siegt einer in einem Staat, bekommt er dessen gesamte "Wahlmännerstimmen" zugeschlagen; wer 270 Wahlmänner oder mehr erreicht, hat gesiegt.

          McCain nun muss sich ganz schön anstrengen, um nur jene Bundesstaaten zu halten, die George W. Bush vor vier Jahren gewann, Florida, North Carolina oder Missouri etwa; ihm bleibt sehr wenig Raum für Irrtümer. Obama derweil liegt in vielen Staaten vorne; ihm stehen mehrere Wege zur magischen Zahl von 270 offen. Siegt er in den 19 Staaten, die Parteifreund John Kerry 2004 auf seiner Seite hatte - und die Umfragen zeigen das derzeit -, braucht er nur noch beispielsweise Florida.

          Besonders heftig tobt der Kampf wieder um Ohio, das mit 20 Wahlmännerstimmen winkt - und ohne das noch kein Republikaner Präsident geworden ist. In den letzten 11 Präsidentenwahlen war Ohio stets auf der Seite des Siegers. "Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir diesen Staat gewinnen", sagt McCain bei seiner Kundgebung im Otterbein College am vergangenen Sonntag. Ohio ist ein echter "swing state"; Bill Clinton gewann ihn zweimal, wenn auch knapp, Al Gore und Kerry verloren hier. Seit kurzem tun sich die Demokraten wieder leichter; sie stellen den Gouverneur. Die Umfragen geben Obama inzwischen einen leichten Vorsprung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In Verl im Kreis Gütersloh wurde ein Wohnblock abgesperrt und Tests durchgeführt.

          Cluster bei Tönnies : Was wurde aus dem Corona-Ausbruch in Gütersloh?

          Gütersloh war der erste Kreis, in dem wegen eines lokalen Corona-Ausbruchs eine regionale Einschränkung verhängt wurde. Über die Krankheitsverläufe gibt es nun eine Studie. Entwarnung gibt es noch immer nicht.
          In der Kritik: Der neue Awo-Vorstand Steffen Krollmann liegt über Kreuz mit seinem alten Arbeitgeber.

          F.A.Z. exklusiv : Awo-Dienstwagen für den Ehepartner

          Die Staatsanwaltschaft weitet die Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt aus. Der neue Awo-Chef muss sich derweil gegen Vorwürfe seines ehemaligen Arbeitgebers zur Wehr setzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.