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Sexismus im Internet : Geh doch zu Hause du alte Sch...

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Hemmungslos im Netz: Im Umgang mit attraktiven Politikerinnen, die im Internet auftreten, gibt es keine Grenzen der Vertraulichkeit. Bild: dpa

Politikerinnen werden im Internet sexistisch beleidigt. Mit steigendem Bekanntheitsgrad werden die Belästigungen schlimmer. Teilweise wird ihnen mit Mord gedroht. Sogar von verurteilten Gewalttätern. 

          Eine schöne Frau wie Dorothee Bär bekommt viele Komplimente. Sie muss nur ihr Porträt auf Facebook hochladen, schon setzt der Minnesang ein: „Eine Göttin wie in der griechischen Mythologie“, „Was für eine göttliche Ausstrahlung!“, „Eine schöne, tolle junge Frau“, „Sie sind ein Traum“, „Hübsch und g’scheit!“, „Unfassbar schön“, „Ich liebe Dich“.

          Dorothee Bär ist CSU-Staatssekretärin beim Bundesverkehrsministerium, verheiratet, drei Kinder. Sie beschäftigt sich zum Beispiel mit Bau, Betrieb und Instandhaltung von Busbahnhöfen und Fernbushaltestellen. Nicht viele Leute haben dazu eine Meinung. Trotzdem gibt es viele, die eine Meinung zu Dorothee Bär haben.

          Zum Beispiel zu ihrem letzten Auftritt im ZDF: „Warum hast Du diesen weinroten Sack angehabt? Dir stehen so viele Sachen, wer hat Dich denn da beraten?“, schreibt ein Mann auf ihre Internetseite. Andere beschäftigen sich mit ihrem Dialekt, wieder andere begutachten ihre Figur: „Diese Frau kann man sehr gut von oben bis unten fotografieren, das ist nicht immer bei anderen möglich. Die ziehen besser Hosen an.“

          17 Jährig und Rüschengardine: Wer schreibt diese Beleidigungen?

          Im Umgang mit attraktiven Politikerinnen, die im Internet auftreten, gibt es keine Grenzen der Vertraulichkeit. Man beurteilt ihre Schönheit, macht Heiratsanträge. Manche gehen noch weiter. Eine junge Bundestagsabgeordnete hat das erlebt, nachdem sie im Plenum gegen die Legalisierung von Cannabis gesprochen hatte. Auf der Facebookseite der Abgeordneten – sie will nicht mit Namen genannt werden – stand kurz darauf der Satz: „Du gehörst mal so richtig durchge... bis dir das A... reisst.“ Der Verfasser hatte die abgekürzten Worte ausgeschrieben.

          Unions-Politikerin Dorothee Bär in einer Talkshow: „Eine Göttin wie in der griechischen Mythologie“

          Wer schreibt so etwas? Die Abgeordnete klickte auf die Profilseite des Kommentators. Da stand nur ein ausgedachter Name. Aber der Kommentator hatte ein Foto hochgeladen, ein Selfie, das er, vielleicht 16 oder 17 Jahre alt, in einem Wohnzimmer vor einer Rüschengardine von sich gemacht hat.

          Die Abgeordnete löschte den Kommentar. Danach bereute sie es. Denn nun hat sie immer noch den Satz im Kopf, kann aber nicht rechtlich gegen ihn vorgehen. Andere Kommentatoren denken nicht einmal daran, sich hinter Phantasienamen zu verstecken. Einer äußerte sich auf ihrer Seite so: „Geh doch nach Hause, du alte Sch.....“ Diesmal stammen die Punkte vom Autor selbst. Dahinter setzte er ein zwinkerndes Smiley. Auf seiner Facebookseite erfährt man einiges über ihn: Er hat als Garten- und Landschaftsbauer gearbeitet, ist in Kassel geboren und wohnt in Frankfurt. Er ist jenseits der fünfzig, trägt dunkle, angegraute Locken und hat am 10. Juni eine Beziehung beendet.

          Anonymes Beleidigen ist nicht nur ein Internetphänomen

          Auch Zuschriften zu einer bestimmten politischen Debatte sind oft nicht sachlich. Die Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke von der Linksfraktion unterstützte vor zwei Jahren einen Gruppenantrag, der mehrheitlich von der Koalition getragen wurde und die Beschneidung von Jungen gesetzlich regelt. Kurze Zeit später bekam sie E-Mails wie diese: „Ich wünsche dir, dass du selber genitalverstümmelt wirst.“ Oder: „Ich hoffe, dass du und deine Tochter verschleiert herumlaufen müsst, wenn die Muslime die Macht übernehmen.“ Die meisten waren sexistisch oder rassistisch.

          Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl mit Grünen-Politkerin Claudia Roth: eher „frühere Miss Germany“ als Rechtanwältin

          Anonyme, hasserfüllte Nachrichten gegen Frauen gab es schon vor dem Internet. Sie kamen per Post, Fax oder Telefon. Als Dagmar Wöhrl vor zwanzig Jahren für die CSU in den Bundestag einzog, erhielt sie sehr viele Briefe. Auf die Aggression, die ihr daraus entgegenschlug, sei sie nicht vorbereitet gewesen, sagt sie. Damals war sie in Presse, Funk und Fernsehen sehr präsent, jedes Mal mit dem Zusatz „die frühere Miss Germany“, seltener mit der Bezeichnung „Rechtsanwältin“. Ein Mann rief wiederholt in ihrem Büro an und sagte, er werde sie töten, zerstückeln und in einem Sarg über die Grenze schmuggeln. Die Polizei fand den Anrufer, es war ein Freigänger, wegen Totschlags verurteilt.

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