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Im Gespräch: Stephan Wehrhahn : „Adenauer war sehr warmherzig zu uns“

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Weltweit bekannt: Konrad Adenauer, Großvater Stephan Wehrhahns und erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, auf einer malischen Briefmarke Bild: INTERFOTO

Stephan Werhahn, Enkel von Konrad Adenauer, über seinen Großvater, sein Engagement für die Freien Wähler und sein Verhältnis zur CDU, die er nach 40 Jahren Mitgliedschaft verlassen hat.

          Herr Werhahn, was machen Sie am kommenden Freitag?
          Ich werde in Düsseldorf sein und mich als Direktkandidat der Freien Wähler für den Bundestag aufstellen lassen. Im Mai soll dann die Nominierung als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl folgen.

          Sie leben in München. Lassen Sie sich in Düsseldorf aufstellen, weil der Name Werhahn am Rhein besser zieht als an der Isar?
          Unsere Familie ist seit mehr als 150 Jahren tief im Rheinland verwurzelt, meine Eltern leben dort. Außerdem bin ich Gesellschafter des familiären Unternehmens in Neuss und zugelassener Rechtsanwalt in Düsseldorf. Meine Heimat ist Nordrhein-Westfalen. Außerdem sind die Freien Wähler in Bayern schon gut organisiert und erfolgreich. In Nordrhein-Westfalen bilden sie dagegen noch nicht so eine schlagkräftige Einheit. Da ist es wichtig, sie mit einem Gesicht zu verbinden. Ich will dazu beitragen, den schlafenden Riesen der Freien-Wähler-Vereinigungen mit 280000 Mitgliedern in ganz Deutschland zu wecken.

          Beim Namen Werhahn fällt einem aber zuerst die CDU ein.
          Das stimmt. Mein Vater hat 1950 Konrad Adenauers Tochter Libet geheiratet. In mir stecken fünfzig Prozent Adenauer und fünfzig Prozent Werhahn.

          Sie haben den „Alten“, wie Kanzler Adenauer genannt wurde, als Kind noch erlebt. Wie war er?
          Ich habe sehr deutliche Erinnerungen an meinen Großvater: Er war zu uns Kindern sehr warmherzig und konnte gut zuhören. Am zweiten Weihnachtsfeiertag ist mein Namenstag. Das ist im katholischen Rheinland ein wichtiger Tag. Jedes Enkelkind bekam vom Großvater ein Weihnachtsgeschenk und ich zusätzlich noch eines zum Namenstag.

          Was waren das für Geschenke?
          Einmal war er kurz vorher in Texas bei der Firma Hovercraft gewesen. Er hat mir ein kleines Plastikmodell von einem Luftkissenboot mitgebracht. Es hatte einen Schlauch, in den man hinein blasen konnte. Die Hovercraft erhob sich und glitt voran.

          Stephan Werhahn: „In mir stecken fünfzig Prozent Adenauer“

          Aha, ein früher Versuch, übers Wasser zu laufen.
          Na ja, gut funktioniert hat das nur auf der Schulbank oder auf dem Esstisch.

          Bevor Sie vor einem Jahr zu den Freien Wählern gingen, waren Sie 40 Jahre CDU-Mitglied. War das eine familiäre Pflicht?
          Pflicht war das eigenständige Denken, nicht eine bestimmte Parteimitgliedschaft. Ich war als Schüler in der Jungen Union. Da habe ich mit Annette Schavan die Wahlkampfzeitung der CDU in Neuss gemacht. Ich war auch als Student im RCDS-Vorstand und habe politisch die Marxisten bekämpft. Das geschah auf der Seite der Union, aber nicht ohne Distanz. Unser Gegenmittel gegen den Marxismus war Karl Popper mit seinem kritischen Rationalismus. Das ist der Ursprung meiner politischen Eigenständigkeit.

          Wann entstand der Gedanke, die CDU zu verlassen?
          In zwei Schritten. 2008 brach die Bankenkrise über uns herein. Das hat mich auch als Finanzberater getroffen. Frau Merkel und Herr Steinbrück haben sich zwar hingestellt und versichert, die Sparguthaben der Leute seien nicht in Gefahr. Gegen das Verhalten der Banken haben sie aber nichts getan. Die lässt die Regierung nach wie vor mit Hinweis auf ihre Größe nicht pleite gehen. Der zweite Anstoß kam 2010. Da wurde sehenden Auges Recht gebrochen und der Grundsatz aufgegeben, dass jedes EU-Land für seine Schulden einstehen muss. Gegen einmalige Hilfen für Mitgliedsländer in einer besonderen Situation habe ich nichts. Aber diese Hilfen wurden ja zum System erhoben. Da war für mich klar, dass ich mich politisch engagieren muss.

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