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Bedford-Strohm im Gespräch : „Diesen Schwung wollen wir mitnehmen“

Heinrich Bedford-Strohm Bild: dpa

Der Vatikan sendet gerade gemischte Signale zur Ökumene. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland blickt im F.A.Z.-Interview dennoch optimistisch auf das Thema.

          Herr Ratsvorsitzender, am Montag hat Papst Franziskus im Vatikan eine Delegation von Lutheranern zu mutigen Schritten in der Ökumene ermuntert, und auch am Montag wurde ein Brief bekannt, in dem der Papst eine „Handreichung“ zugunsten des Kommunionsempfangs von nichtkatholischen Ehepartnern, die von drei Vierteln der deutschen Bischöfe gutgeheißen wurde, als „nicht veröffentlichungsfähig“ zurückgewiesen hat. Spricht der Papst mit gespaltener Zunge?

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Das glaube ich nicht, auch wenn ich zunächst mit einer gewissen Enttäuschung reagiert habe. Viel wichtiger ist, dass aus dem Brief des Präfekten der Glaubenskongregation nicht hervorgeht, dass das Anliegen in der Sache als illegitim zurückgewiesen wird. Daher ist jedes Triumphgeheul über das Ende der Ökumene gleich von welcher Seite auch immer vollkommen unangebracht. Wenn es ein Bremsen in der Ökumene gäbe, wäre das ein Grund zur Trauer, nicht zur Genugtuung.

          Allerdings hatte der Papst Anfang Mai eine Delegation der Deutschen Bischofskonferenz wissen lassen, sie sollten ihre Meinungsverschiedenheiten in dieser Frage unter sich regeln und eine „einmütige“ Entscheidung treffen. Jetzt heißt es, die deutschen Bischöfe könnten sich in der Frage des Kommunionempfangs nichtkatholischer Ehepartner nicht aus eigenem Recht äußern. Wie erklären Sie sich diese Kehrtwende um 180 Grad?

          Ich kann mir die Intervention des Papstes nur so erklären, dass einem zunächst nationalen Anliegen nun doch eine weltkirchliche Bedeutung zugemessen wird und mehr als vorher auch als relevant für die Ökumene mit anderen Kirchen gesehen wird. Diese Einsicht ist im Verlauf der Meinungsbildung offensichtlich erst spät erfolgt.

          Macht sich damit der Papst nicht die Argumente der deutschen Bischöfe zu eigen, die im Februar gegen die „Handreichung“ gestimmt haben?

          Das bleibt abzuwarten. Aber ich sehe in diesem Zwischenschritt auch eine Chance. Womöglich will man in Rom darüber nachdenken, wie das Anliegen der deutschen Bischöfe auf eine theologische und kirchenrechtliche Basis gestellt werden kann, die breiter und stärker ist als die, die bislang erarbeitet wurde. Vielleicht wird sich dieser Zwischenschritt eines Tages als richtig erweisen, indem er ein hohes Maß an Einmütigkeit für den ökumenischen Weg hergestellt hat.

          Nach dieser Lesart haben die deutschen Bischöfe mehrheitlich nicht sorgfältig genug gearbeitet, und der Vatikan ist erst nach wiederholten Interventionen aus Deutschland und womöglich aus anderen Regionen aufgewacht. Das wäre nicht wirklich professionell, sondern auf allen Ebenen dilettantisch.

          Natürlich geht die Grundfrage nach der Teilnahme von Nichtkatholiken an der Eucharistie weit über einen spezifisch nationalen wie einen spezifischen konfessionellen Kontext wie den in Deutschland mit etwa 40 Prozent gemischt-konfessionellen Ehen hinaus. Aber der Papst hat die Bischofskonferenzen weltweit ausdrücklich ermuntert, seelsorgliche Lösungen für ihren jeweiligen Kontext zu finden. Nichts anderes haben die Bischöfe in Deutschland getan. Wenn sich in einem solchen Prozess herausstellt, dass die Sehnsucht nach ökumenischen Schritten auch in anderen Ländern groß ist, dann könnte man die Verlagerung der Debatte auf die weltkirchliche Ebene auch als Fortschritt sehen.

          Wenn es aber nicht nur eine Sehnsucht gibt nach ökumenischen Schritten, sondern auch eine Furcht davor, und das vielleicht nicht nur im Vatikan? Sollen etwa Emotionen wichtiger sein als theologische Argumente?

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