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Bedford-Strohm im Gespräch : „Diesen Schwung wollen wir mitnehmen“

Lehre und Leben müssen in einem atmenden Zusammenhang stehen. In diesem Zusammenhang ist meine Dankbarkeit ungebrochen, dass drei Viertel der deutschen Bischöfe die Zeit für reif halten, dass sie Eheleuten und Seelsorgern Kriterien an die Hand geben können, wie der Wunsch nach dem Empfang der Eucharistie geprüft und auch erfüllt werden kann. Das darf keine Frage allein der Kirchenpolitik sein und auch keine Frage der beteiligten Personen. Im vergangenen Reformationsjahr haben wir uns wechselseitig versprochen, den Weg der Ökumene unbeirrt weiterzugehen. In dem Willen dazu sind und bleiben Kardinal Marx als Vorsitzender der Bischofskonferenz und ich als Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland uns absolut einig.

Es könnte aber zu denken geben, dass Marx in der Frage des Kommunionsempfangs knapp ein Drittel der Diözesanbischöfe nicht hinter sich weiß, darunter alle bayerischen.

Im Kern geht es bei dem Streit um den Weg der Ökumene doch um die Frage des Apostels Paulus im 1. Korintherbrief: „Ist Christus etwa zerteilt?“ Die Antwort darauf kennen wir. Das Ziel der Einheit der Kirche ist uns biblisch aufgegeben. Wer den Weg der Mehrheit der deutschen Bischöfe nicht mitgehen kann, der muss auf die Problemanzeige des Paulus eine bessere Antwort finden. Kardinal Marx jedenfalls wirbt unermüdlich für seine Überzeugung. Und darin unterstütze ich ihn mit allem Nachdruck.

Warum sollte sich Rom in dieser Frage bewegen, wenn in vielen evangelischen Kirchen Frauen ordiniert werden, der Ausschluss von Frauen vom Weiheamt aber nicht verhandelbar ist, wie der Papst selbst gesagt und der Präfekt der Glaubenskongregation in der vergangenen Woche nochmals bekräftigt hat?

So unverhandelbar wie die Ordination von Frauen bei uns! Deswegen geht es ja um eine bleibende Verschiedenheit, die versöhnt ist. Wir Evangelischen sind eine „Kirche eigenen Typs“, wie Kardinal Kasper einmal sagte. Und wir warten mit Spannung auf ein Dokument der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa und des Vatikans über das Thema Kirche und Amt. Für dieses Dokument hat der Vatikan zum ersten Mal überhaupt mit mehreren Kirchen auf reformatorischer Grundlage gleichzeitig gesprochen.

So viel scheint der Vatikan verstanden zu haben ...

Ich will aber auch unterstreichen, dass der Gradmesser für die Ökumene nicht Dokumente oder Disputationen sind, sondern dass die Ökumene am Ort wirklich gelebt wird. In dieser Hinsicht war das Reformationsjubiläum im vergangenen Jahr gemeinsam mit der katholischen Kirche in Deutschland und Europa eine ungemein bereichernde Erfahrung. Diesen Schwung wollen wir mitnehmen.

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Woher nehmen Sie diesen Optimismus?

Wir haben an so vielen Orten und auf unterschiedlichen Ebenen in den vergangenen Jahren erlebt, dass sich Katholiken erstmals oder wieder für die reformatorische Tradition interessieren. In diesem Geist wollen wir auch den Reformationstag 2018 gestalten.

Wenn an diesem und an anderen Tagen das Abendmahl gefeiert wird, sind Katholiken zur Teilnahme eingeladen?

Wer in seiner jeweiligen Kirche zum Tisch des Herrn zugelassen ist, ist auch bei uns willkommen. Und ich weiß, dass viele sich von Herzen eingeladen fühlen, nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt. Genauso, wie viele Nichtkatholiken weltweit bewusst die Eucharistie empfangen und manchmal auch bewusst dazu eingeladen werden. Die Praxis ist der Theorie oft voraus.

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