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Im Gespräch: Ban Ki-moon : „Karzai muss aggressiver für Versöhnung sorgen“

  • Aktualisiert am

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon Bild: Fricke, Helmut

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat Afghanistans Präsidenten Karzai zu mehr Engagement aufgefordert. Syriens Präsident Assad sprach er im Gespräch mit der F.A.Z. die Legitimität ab.

          4 Min.

          Herr Generalsekretär, was taugt eine Afghanistan-Konferenz ohne Pakistan?

          Ich hätte Pakistan wirklich gern in Bonn gesehen. Dieses Schlüsselland könnte viel bewirken. Aber ich bin sicher, dass sich Pakistan einer engeren Kooperation verpflichtet fühlt.

          Dann war der Bonn-Boykott pure Symbolik?

          Ich verstehe, dass die Gefühle in Pakistan in Zeiten wie diesen hochkochen. Aber das ist etwas Vorübergehendes, denn beide Länder haben ein Interesse an gutnachbarschaftlichen Beziehungen.

          Man sagt, die Nato hat die Uhren, die Taliban haben Zeit. Ist die Gefahr gebannt, dass die radikalen Islamisten wieder die Macht übernehmen?

          Es ist sehr wichtig, dass die Taliban im Zuge des Versöhnungsprozesses aufhören, den internationalen Terrorismus zu unterstützen und dass sie echter Teil der afghanischen Gesellschaft werden. Ich habe Präsident Karzai aufgefordert, den Versöhnungsprozess aggressiver voranzutreiben.

          Was ist denn seit der Ermordung des früheren Präsidenten Rabbani, der den Friedensrat leitete, von den Taliban-Verhandlungen noch übrig?

          Rabbanis Tod war ein tragischer Rückschlag. Aber man kann nicht einfach dasitzen und bedauern, was passiert ist. Das habe ich Präsident Karzai klar gemacht. Abwarten hilft doch niemandem. Karzai muss jemanden finden, der Rabbanis Rolle übernimmt, er muss sich energischer für die Versöhnung einsetzen. Die UN stehen bereit, das zu unterstützen.

          Welche Rolle können Sie als Außenstehende denn dabei spielen?

          Wir sind ja schon lange vor 2001, als der Bonn-Prozess begann, in Afghanistan gewesen, und wir werden auch lange nach 2014 noch da sein, wenn die Nato ihre Kampftruppen abgezogen haben will.

          Sind die UN wirklich in der Lage, versöhnungsbereite Taliban von Kräften zu unterscheiden, die ihren Kampf gegen eine Demokratie nie aufgeben werden?

          Wir können mit allen Gruppen reden. Unsere Rolle ist es, die afghanische Regierung zu unterstützen. Wir haben Kontakte zu den Taliban und wir sind unparteiisch.

          Muss sich jeder Talib zu Mädchenschulen bekennen, bevor er sich in irgendeiner Form am politischen Prozess beteiligen kann?

          Es gibt rote Linien. Wer mitmachen will, muss ein treuer Bürger seines Staates sein und seine Waffen niederlegen.

          Wird die Arbeit der UN leichter oder schwieriger, wenn sich die Nato zurückzieht?

          Der Weg zur Demokratie und zu sozioökonomischer Stabilität bleibt beschwerlich. Jetzt erleben wir einen Schlüsselmoment. In der Praxis hat ja bisher die Nato -unter amerikanischer Führung - die Führung in Afghanistan übernommen. Jetzt müssen wir die Übergangszeit bis zum Abzug 2014 nutzen, um uns auf die nichtmilitärischen Fragen zu konzentrieren. Wir müssen den Zusammenhang zwischen Entwicklung und Sicherheit erkennen. Gute Regierungsführung, Entwicklung, Versöhnung, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte - darum müssen die UN sich jetzt kümmern.

          Alle wollen den UN die Führung überlassen, nur die Afghanen nicht. Was können Sie ohne die volle Unterstützung der Regierung erreichen?

          In Bonn haben mich meine Gespräche mit den Vertretern der Zivilgesellschaft sehr ermutigt. Sie fordern die UN ohne Vorbehalte auf, eine wichtigere Rolle zu übernehmen.

          Die Regierung aber hat Sie unlängst per Brief aufgefordert, die UN-Präsenz im Land zu verringern und die Regierung das Geld der ausländischen Geber selbst ausgeben zu lassen.

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