https://www.faz.net/-gpf-sh12

„Im Auftrag des Gewissens“ : Begin war Drahtzieher des Adenauer-Attentats

  • Aktualisiert am

Menachem Begin mit Attentäter Elieser Sudit und dessen Frau Dror Bild:

Menachem Begin, der spätere israelische Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger, war Auftraggeber, Organisator und Geldbeschaffer eines Anschlags auf Bundeskanzler Konrad Adenauer im Jahr 1952. Dies hat einer der damaligen Attentäter nach F.A.Z.-Informationen preisgegeben.

          2 Min.

          Menachem Begin, der spätere israelische Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger des Jahres 1978, war Auftraggeber, Organisator und Geldbeschaffer eines Anschlags auf Bundeskanzler Konrad Adenauer im Jahr 1952. Das ergibt sich aus einem Bericht mit dem Titel „Im Auftrag des Gewissens“, den Elieser Sudit, einer der beiden Haupttäter, mehr als vierzig Jahre nach dem Anschlag niedergeschrieben hat.

          Die Umstände der damaligen Bombenattentate und den Gang der Ermittlungen beschrieb der Journalist Henning Sietz zunächst in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 4. Juli 2003 und später in dem Buch „Attentat auf Adenauer. Die geheime Geschichte eines politischen Anschlags“. Der Kreis der mutmaßlichen Täter konnte damals zwar eingegrenzt, aber nicht vollständig geklärt werden. Jetzt stehen die Namen der Attentäter fest - es handelt sich um ehemalige Aktivisten der 1948 aufgelösten jüdischen Terrororganisation „Irgun Zwai Leumi“, auch „Etzel“ genannt, die gegen die britische Mandatsmacht gekämpft hatte.

          Begin legte Protest ein

          Die Attentäter handelten im Auftrag prominenter Mitglieder von Begins Partei „Cheruth“, die aus dem „Irgun“ hervorgegangen war. Diese Erkenntnisse stammen aus dem Bericht des Attentäters Elieser Sudit. In stiller Verehrung nennt Sudit darin den Drahtzieher des Attentats: Menachem Begin.

          So berichtete die Pariser Zeitung „France Soir” am 5. April 1952
          So berichtete die Pariser Zeitung „France Soir” am 5. April 1952 :

          Anfang April 1952 waren in Paris fünf Israelis festgenommen wurden, von denen vier Mitglieder seiner „Cheruth“-Partei waren. Die französische Polizei warf ihnen vor, an dem Paketbomben-Attentat beteiligt zu sein, das kurz zuvor Adenauer gegolten hatte. Begin - so berichtete die Pariser Zeitung „France Soir“ am 5. April 1952 - verlangte von dem französischen Geschäftsträger in Israel nähere Informationen über die Vorkommnisse in Frankreich. Anschließend legte er Protest ein.

          Tod eines Sprengmeisters

          Am 27. März 1952 hatte ein unbekannter Mann am Münchner Hauptbahnhof zwei Buben ein Paket gegeben. Sie sollten es in Schwabing auf die Post bringen. Die Adresse der Sendung lautete: „An dem Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer, Bundeshaus, Bonn“. Am Abend explodierte das Paket im Keller des Polizeipräsidiums und tötete einen Sprengmeister.

          Kurz darauf trafen zwei kleinere Briefbomben in Wassenaar bei Den Haag ein, wo Deutschland und Israel über einen Vertrag verhandelten, der als „Wiedergutmachungsabkommen“ oder „Shilumim“ in die Geschichte eingehen sollte. Kurz darauf bezichtigte sich eine bis dahin unbekannte „Organisation Jüdischer Partisanen“ der Attentatsversuche. Das Ziel der Anschläge war nun klar: Sie sollten eine erste Verständigung zwischen Deutschland und Israel verhindern.

          Menachem Begin war 1978 zusammen mit dem ägyptischen Präsidenten Anwar Al Sadat mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden, weil beide den israelisch-ägyptischen Friedensvertrag zu Wege gebracht hatten.

          Weitere Themen

          Knappe Mehrheit will Verhüllungsverbot

          Erste Hochrechnung in Schweiz : Knappe Mehrheit will Verhüllungsverbot

          Laut einer ersten Hochrechnung haben sich 51 Prozent der Schweizer für ein landesweites Verhüllungsverbot im öffentlichen Raum ausgesprochen. Gegner warfen dem Verein, der die Volksabstimmung durchgesetzt hat, vor, er fördere antiislamischen Rassismus.

          „Es gibt keine Fairness in unserem Land!“ Video-Seite öffnen

          Proteste in Thailand : „Es gibt keine Fairness in unserem Land!“

          In Thailands Hauptstadt Bangkok sind erneut tausende Menschen auf die Straße gegangen. Zuvor waren mehrere Menschen verhaftet worden. Sie hatten auch den Rücktritt des ehemaligen Heereschefs und Ministerpräsidenten Prayut Chan-o-cha gefordert.

          Topmeldungen

          Carrie Symonds mit Großbritanniens Premierminister Boris Johnson im vergangenen November

          Carrie Symonds : Die Strippenzieherin

          Carrie Symonds will mehr sein als die Frau von Boris Johnson. Ihr Einfluss auf den Premier fängt bei dessen Frisur an und mag bis zu seinem Beraterstab gehen. Das passt vielen nicht.

          Meghan und Harry bei Oprah : Sie zünden die Bombe

          Meghan Markle und Prinz Harry setzen ihre Trennung vom britischen Königshaus groß in Szene. Das Interview mit Oprah Winfrey ist der Gipfel. Ein Royals-Experte befürchtet schon einen „Atomschlag“ gegen die Windsors.
          Eine Niqab-Trägerin auf dem Jungfraujoch im Berner Oberland

          Erste Hochrechnung in Schweiz : Knappe Mehrheit will Verhüllungsverbot

          Laut einer ersten Hochrechnung haben sich 51 Prozent der Schweizer für ein landesweites Verhüllungsverbot im öffentlichen Raum ausgesprochen. Gegner warfen dem Verein, der die Volksabstimmung durchgesetzt hat, vor, er fördere antiislamischen Rassismus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.