https://www.faz.net/-gpf-ol8g

Igor Setschin : Putins Schatten

Igor Setschin Bild: dpa

Seit vom Sieg der Geheimdienst-Fraktion im Kreml die Rede ist, taucht sein Name täglich in russischen Zeitungen auf. Igor Setschin, Putins Kanzleichef im Kreml, wird als Kopf der "Petersburger Tschekisten" beschrieben. Interviews gibt der Schattenmann nicht.

          2 Min.

          Seit vom Sieg der Geheimdienst-Fraktion im Kreml die Rede ist, taucht sein Name täglich in russischen Zeitungen auf. Igor Setschin, Putins Kanzleichef im Kreml, wird als Kopf der "Petersburger Tschekisten" beschrieben, die seit Jahren daran arbeiten, die verbliebenen Mitglieder der alten Jelzin-"Familie" aus Kreml und Regierung zu vertreiben, um selbst die neuen Aktionäre der "Rußland AG" zu werden. Die Verhaftung des Ölmilliardärs Chodorkowskij und der Rücktritt des alten Kreml-Stabschefs Woloschin gelten als wichtige Siege dieser Gruppe, manchen gar erst als endgültiges Ende der Jelzin-Epoche.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der 43 Jahre alte Vertraute Putins hat sich dazu nie geäußert. Er gibt keine Interviews. Er gehört zu den Schattenpolitikern, die in der Öffentlichkeit nicht auftreten. Als Büroleiter entscheidet er nicht nur, was auf Putins Schreibtisch kommt. Zusammen mit dem ehemaligen KGB-Obersten Viktor Iwanow, wie Setschin einer der Stellvertreter in der Präsidialadministration, macht der Kanzleichef für Putin Personalpolitik, hat in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, daß der Präsident neue, loyale Männer, meist aus Militär und Geheimdienst, eingesetzt hat.

          Setschin selbst gilt als Inbegriff der Loyalität. "Sagen wir Setschin, meinen wir Putin", heißt es über ihn. Mit dem Kremlherrscher arbeitet Setschin seit 1990 eng zusammen. Als Putin stellvertretender Bürgermeister in St. Petersburg, zuständig für Außenbeziehungen, wurde, suchte er Setschin als Büroleiter aus. Fleißig, höflich, kommunikativ, persönlich verschlossen und "ohne überflüssige Emotion" - so wird er beschrieben. Wo immer Putin arbeitete, ob in der Präsidialadministration, als Chef des Geheimdienstes FSB, als Ministerpräsident - Setschin nahm er mit.

          In Leningrad hat Setschin Romanistik studiert, Portugiesisch als erste Sprache. Für die Firma "Technoexport" arbeitete er in den achtziger Jahren als Militärübersetzer in Moçambique, nach einigen Quellen auch in Angola. In dieser Eigenschaft stand er in Diensten des KGB. Später war er in der Auslandsabteilung der Leningrader Universität tätig, auch die zu Sowjetzeiten eine feste Burg des Geheimdienstes. Von dort kam er zur Stadtverwaltung, weil man einen Mann für die Städtepartnerschaft mit Rio de Janeiro brauchte. Als Bürgermeister Sobtschak nach Brasilien fuhr, kam auch Setschin mit - und lernte auf der Reise Putin kennen.

          "Putin und Setschin arbeiteten so eng zusammen, zwischen die paßte kein Blatt", erinnert sich ein Diplomat an Petersburger Zeiten. Andere bestätigen, daß Setschin niemals etwas ohne die Billigung Putins tun würde. Daß der Präsident nicht ihn, sondern den Juristen Dmitrij Medwedjew als neuen Stabschef einsetzte, gilt als Beweis dafür, daß der russische Präsident sich weiter auf einen liberalen und einen autoritären Flügel stützen wolle. Doch andere haben Zweifel, daß man den ehemaligen KGB-Obersten Putin von den Getreuen aus dem Geheimdienst trennen kann. "Hinter Medwedjew steht niemand, er ist ein Manager, für den Westen berufen. Hinter Setschin steht aber ein ganzer Clan", sagt ein Moskauer Politologe. Setschin gehört sicher zur neuen Kreml-Familie. Was bisher fehlte, waren die Familienbande. Doch in der kommenden Woche, so berichtet die Zeitung "Moskowskij Komsomolez", soll Setschins Tochter den Sohn des Generalstaatsanwalts Wladimir Ustinow heiraten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Dem deutschen Volke: Die Kuppel des Reichstagsgebäudes an einem Novembertag des Jahres 2019.

          Besondere Abstimmung : Das Wahlrecht ist in Gefahr

          Die Regeln, die für die Wahl gelten, sind klar und eindeutig – wirklich? Es gibt Streit über Wahlalter und Parität. Manches richtige Ziel soll auf falschem Wege erreicht werden.

          Olaf Scholz : Ein Ungeliebter auf Erfolgskurs

          Jahrelang wollten die Parteilinken Olaf Scholz loswerden, die Kampagne lief planmäßig schlecht. Jetzt könnte er der SPD den Weg ins Kanzleramt ebnen. Und dann?
          Dach der Energie: Doch Vermieter mit Photovoltaikanlage müssen manches beachten – oder es lassen.

          Energiewende : Vermieter mit Solardach haben es schwer

          Die Photovoltaikanlage kommt leicht auf das Dach. Aber wie kann der Hausbesitzer Strom an seinen Mieter verkaufen? Das bleibt eine Hürde für den Klimaschutz.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.