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Ibiza-Skandal der FPÖ : Geblendet von der Schönheit des Lockvogels

  • -Aktualisiert am

Die ehemalige russische Agentin Anna Chapman ist jetzt als Model tätig. Bild: dpa

Eine vermeintliche russische Oligarchen-Nichte entlockte zwei FPÖ-Politikern auf Ibiza Ungeheuerliches. Die Geschichte kennt viele Beispiele, in denen Frauen mächtige Männer um den Finger wickeln – und ihre Zunge lockern.

          Als Heinz-Christian Strache in einem kurzen Moment des mittlerweile legendären Abends auf Ibiza eine Falle witterte, entgegnete ihm sein Vertrauter Johann Gudenus: „Bist du deppert, die is schoaf.“ Geblendet von der Schönheit der angeblichen russischen Oligarchen-Nichte Aljona Makarow erzählten die beiden FPÖ-Politiker ganz offen, zu was sie alles bereit wären. Und die Falle schnappte zu.

          Der echte russische Milliardär Igor Makarow hat mittlerweile bestätigt, was längst allen klar war: Er hat gar keine Nichte, die Identität von Aljona Makarow ist erfunden. Die angebliche Russin ist der jüngste Fall einer Reihe von weiblichen Lockvögeln, die Männer um den Finger wickeln, ihnen Geheimnisse entlocken, und sie nach getaner Arbeit wieder fallen lassen.

          Da war etwa Margaretha Geertruida Zelle, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Mata Hari. Die Niederländerin hatte sich vor dem Ersten Weltkrieg einen Namen als exzentrische Tänzerin gemacht. In den Kriegswirren soll sie als deutsch-französische Doppelagentin Politikern und ranghohen Militärs Geheimnisse entlockt haben. Die teilweise widersprüchliche Quellenlage deutet aber darauf hin, dass Mata Hari keine herausragende Spionin war.

          „Agentin Null Null Sex“

          Der Mythos um ihre Person gründet vor allem auf deutscher Kriegspropaganda. Auf einer Ansichtskarte wird sie als „Opfer des französischen Kriegswahns“ bezeichnet. Umgekehrt war die Doppelagentin für die Franzosen ein guter Sündenbock für Niederlagen. Trotzdem wurde sie schnell zur Ikone, ihre Geschichte 1931 erstmals in den Vereinigten Staaten verfilmt. Seitdem hatte die Figur immer wieder Auftritte in Filmen, Videospielen und Büchern.

          Als moderne Mata Hari wurde die Russin Anna Chapman porträtiert. Mit ihren „rätselhaften Augen“ lasse sie Männer den Verstand verlieren, war in russischen Zeitungen zu lesen. Chapman spionierte in den Vereinigten Staaten. Im Sommer 2010 wurde sie mit neun weiteren Kollegen vom FBI verhaftet und wenig später im Rahmen eines Agententauschs zurück nach Russland gebracht. Dort moderierte Chapman eine Zeitlang eine Fernseh-Show, heute arbeitet sie als Model und pflegt ihr Image sorgfältig. Die Boulevardmedien sind begeistert, sie nennen sie „Agentin Null Null Sex“ oder – als Anspielung auf ihre Körpermaße – „Agentin 90 60 90“.

           „Fragen deine Verehrer schon nach Autogrammen?“

          Auf der Liste russischer Agentinnen in den Vereinigten Staaten steht auch Maria Butina. Ihr wurde im vergangenen Jahr vorgeworfen, an einer russischen Verschwörung beteiligt gewesen zu sein. Sie lebte in Washington mit ihrem Liebhaber zusammen, einem Politiker der Republikaner. Allerdings nur für ihre Agententätigkeit, wie beschlagnahmte Berichte nahelegen, in denen sie sich abfällig über den Mann äußerte. Butina muss eine große Anziehungskraft auf Männer gehabt haben. Ein russischer Funktionär, der sie steuerte, schrieb in einem Protokoll: „Fragen deine Verehrer schon nach Autogrammen?“

          Mata Hari machte sich zunächst als Tänzerin einen Namen, dann als Spionin.

          Auch Hilde Krüger fiel durch ihre Schönheit auf. Die Deutsche arbeitete als Schauspielerin, als Propagandaminister Joseph Goebbels in den Dreißigerjahren auf sie aufmerksam wurde und sie förderte. 1939 zog sie nach Hollywood und lernte dort Jean Paul Getty kennen, einen der reichsten Menschen der Welt. Dadurch erhielt sie die Möglichkeit, nach Mexiko einzureisen und dort für den deutschen Nachrichtendienst zu spionieren. Eine Affäre mit dem mexikanischen Innenminister brachte den Deutschen zahlreiche Vorteile. 1942 wurde Hilde Krüger verhaftet, aber bald von ihrem mexikanischen Liebhaber aus dem Gefängnis befreit.

          Belle Boyd und Elizabeth van Lew waren zwei Spioninnen im amerikanischen Bürgerkrieg. Van Lew, geboren in den Südstaaten, spionierte für die Nordstaaten. Sie schaffte es, eine afroamerikanische Bedienstete in den Haushalt des Südstaatenpräsidenten einzuschleusen. Bei ihren Aktionen war sie professionell und kreativ, obwohl sie nie eine Agentenausbildung erhalten hatte.

          Boyd hingegen arbeitete für die Südstaaten. Sie flirtete mit Soldaten der Union und konnte so Informationen zu Truppenbewegungen gewinnen. Der Erfolg hielt aber nicht lange an, sie wurde enttarnt. Zunächst konnte sie sich ahnungslos stellen, wurde aber später denunziert und nochmals verhaftet. Als „La Belle Rebelle“, die schöne Rebellin, wurde sie berühmt.

          Für die vermeintliche Oligarchen-Nichte Aljona Makarow war ihr Einsatz auf Ibiza wohl der letzte Fall. Aber Bekanntheit hat sie jetzt schon erlangt.

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