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Hu Jintao in Washington : Der fremde Gast

Taktiker: Chinas Präsident Hu Jintao (l.) gesteht im Beisein Obamas Nachholbedarf ein Bild: picture alliance / dpa

Chinas Machtzuwachs stößt auf wachsendes Misstrauen. Das haben sich die kommunistischen Machthaber selbst zuzuschreiben. In Washington ist Hu Jintao als Repräsentant einer künftigen Weltmacht empfangen worden, von der erwartet wird, dass sie verantwortungsbewusst handelt.

          Das war taktisch gut gespielt: Vor seinem Treffen mit der Führung des Kongresses, welche die inneren Vorgänge und das äußere Gebaren Chinas mit größter Skepsis betrachtet, gesteht Präsident Hu Jintao im Beisein seines Gastgebers Obama offen Nachholbedarf in Sachen Menschenrechte ein. Er hat damit Pekings amerikanische Kritiker zumindest überrascht. Wenn er es zudem ernst gemeint haben sollte mit der besseren Einhaltung der Menschenrechte in der Zukunft, dann hätte das offenkundig enorme Auswirkungen auf die innenpolitischen Verhältnisse; überdies wäre ein Dauerstreitthema mit den Vereinigten Staaten entschärft. Und nicht nur die könnten Chinas Aufstieg mit mehr Gelassenheit und Zuversicht verfolgen.

          Dass dieser Machtzuwachs nicht überall bejubelt wird, sondern auf wachsendes Misstrauen stößt, das haben sich Chinas kommunistische Machthaber selbst zuzuschreiben. 2010 war für die chinesische Diplomatie kein strahlendes Jahr, und damit ist noch nicht einmal die lächerliche Reaktion auf die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Dissidenten LiuXiaobo gemeint.

          Die aggressive Interessenpolitik in der Region und darüber hinaus hat Amerika vor allem in Asien Länder in die Arme getrieben, welche die Vorstellung von einer chinesischen Hegemonie nicht gerade in Heiterkeit versetzt. Diese Länder wollen nicht, dass Amerika sicherheitspolitisch und militärisch das Feld räumt. Sie sehen in der Präsenz Amerikas eine Versicherung, die hoffentlich niemals fällig wird, die aber notwendig ist, damit sich der Aufstieg Chinas friedlich und möglichst konfliktfrei vollzieht.

          Präsident Obama hat die weltpolitische Bedeutung des amerikanisch-chinesischen Verhältnisses mehr als einmal bekräftigt. In Washington ist Hu Jintao als Repräsentant einer künftigen Weltmacht empfangen worden, der ihr Erfolg nicht missgönnt wird, von der aber erwartet wird, dass sie verantwortungsbewusst handelt und nicht auf anderer Länder Kosten wirtschaftlich nach vorne prescht.

          In der Vergangenheit sind diese Erwartungen, etwa in Bezug auf Nordkorea, enttäuscht worden; auch Obama hat diese Erfahrung kalt lächelnder Zurückweisung machen müssen. Wie China künftig von der Welt gesehen wird, hängt nicht allein von Wachstumszahlen und Großaufträgen ab, sondern auch davon, dass seine Politik für andere keine Bedrohung darstellt - und sich nicht in Großmachtsattitüden erschöpft.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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