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Demonstranten in Hongkong : Wie eine Sozialarbeiterin Spenden für Demonstranten sammelt

Mit Helme und Masken gegen Gummigeschosse und Tränengas: Junge Hongkonger statten sich für die Demonstrationen aus. Bild: AFP

Seit Wochen demonstrieren Hongkonger gegen die Regierung in Peking. Dabei sind die meist jungen „Frontkämpfer“ auf Spenden für Essen, U-Bahn-Tickets, Gasmasken und Flugtickets für die Flucht angewiesen.

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          Chinas Parteimedien munkeln gern, dass die Hongkonger Aktivisten von Amerika bezahlt würden. Wie sonst, so fragen sie rhetorisch, sollten die jungen Leute sich die teuren Gasmasken und Helme leisten? Und all den Nachschub, mit dem sie versorgt werden, während sie stundenlang hinter ihren Barrikaden ausharren. Eine Antwort auf diese Frage heißt Fermi. Sie ist 49 Jahre alt, gelernte Sozialarbeiterin, studierte Theologin und wohnt in einer kleinen Wohnung in einem Neubaugebiet weit ab vom Hongkonger Zentrum. Fermi hat innerhalb von nur zwei Wochen umgerechnet mehr als 17.000 Euro an Spenden für die Aktivisten gesammelt.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Einen Teil davon hat sie in Flüge für elf Aktivisten investiert, die sich nach Taiwan abgesetzt haben. Sie fürchteten, festgenommen zu werden, weil sie an der Erstürmung des Hongkonger Parlaments am 1. Juli beteiligt waren. Fermi hat ihnen außerdem Geld für den Unterhalt zukommen lassen, damit sie Zeit haben, darüber nachzudenken, wie es weitergehen soll. „Sie sind noch so jung“, sagt Fermi. Zwischen 18 und 21 Jahren. Eine Freundin der Sozialarbeiterin hat Kontakte nach Deutschland und Kanada geknüpft, um die Chancen eines politischen Asyls für die jungen Aktivisten auszuloten. Nach unterschiedlichen Schätzungen haben 30 bis 60 Aktivisten aus Angst vor einer Festnahme in Taiwan Unterschlupf gefunden. Sie sind mit Touristenvisa eingereist, und die Regierung dort hat sie unbürokratisch verlängert. Doch auf Dauer werden sie wohl nicht bleiben können.

          Außerdem unterstützt Fermi vier Gruppen von Aktivisten „an der Front“, wie sie es nennt. Mit U-Bahn-Karten, Essensgutscheinen, Gasmasken und neuen Filtern. Am Montag hat sie eine neue Anfrage bekommen, für Nachschub im Wert von rund tausend Euro.

          „Das Gesetz als Instrument der Unterdrückung“

          Die energische Sozialarbeiterin ist in Hongkong keine Unbekannte. Sie hat eine Nichtregierungsorganisation gegründet, die sich für die Rechte von Minderheiten einsetzt, deren Vorfahren während der britischen Kolonialzeit aus Nepal, Indien und Pakistan nach Hongkong gekommen waren. Aus der Zeit hat sie ein breites Netzwerk von Spendern und reichlich Erfahrung mit dem Einwerben von Spenden. Doch alle Firmen, die sie nun ansprach, winkten ab. Sie alle fürchten, den Zorn Pekings auf sich zu ziehen und damit ihr China-Geschäft zu gefährden. Also blieben nur Fermis Freunde.

          Die meisten Spender trifft sie persönlich, denn niemand will Spuren in Form von Banküberweisungen hinterlassen. „Ich will meine Freunde nicht in Gefahr bringen“, sagt Fermi. Sie ist sich nicht sicher, ob das, was sie tut, illegal ist.

          Bis vor kurzem galt Hongkong noch als vorbildlicher Rechtsstaat. Doch Recht und Gesetz haben hier in den vergangenen Monaten einen neuen Klang bekommen. „Das Gesetz ist zu einem Instrument der Unterdrückung geworden“, sagt die gläubige Katholikin und meint damit die hohen Haftstrafen, die gegen Demokratieaktivisten verhängt wurden. Gesetzestreue, engagierte Bürger wie Fermi und ihre Freundinnen sehen sich auf einmal als potentielle Kriminelle.

          Um möglichst viel Angst zu schüren, hat die Kommunistische Partei am Samstagabend ein martialisches Video veröffentlicht, in dem Tausende Polizisten und Soldaten gemeinsam die Niederschlagung eines Aufstands üben. Davon haben sich die Demonstranten aber nicht abschrecken lassen. Bilderstrecke

          Auch andere Fragen nagen an ihrem Gewissen. „Wenn ich den jungen Leuten Geld gebe, heißt das dann, dass ich sie dazu ermutige, sich in Gefahr zu begeben?“ Viele der jungen „Frontkämpfer“ sind bereit, alles zu riskieren: lange Haftstrafen und sogar ihr Leben. Das sagen sie jedenfalls. Viele tragen in ihren Rucksäcken einen Brief an ihre Familien mit ihrem Letzten Willen. Fermi fühlt sich als „Feigling“, wenn sie sich mit den Aktivisten vergleicht. „Es beschämt mich, dass ich nicht bereit bin, alles aufzugeben wie sie.“

          Viele in Fermis Alter, die wie sie die Bewegung mit Geld unterstützen, treibt auch das schlechte Gewissen. „Ich habe von den guten Zeiten Hongkongs profitiert“, sagt sie. Doch die heutige Jugend hat wenig zu erwarten. Die Mieten sind unbezahlbar, die Löhne im Vergleich mager. Viele der Aktivisten stammten aus Familien, die politisches Engagement ablehnten. Deshalb könnten sie von ihnen keine Unterstützung erwarten.

          Die Unterstützung der Demokratiebewegung mit Essens- und Sachspenden hat in Hongkong eine lange Tradition. Vor fünf Jahren, während der Regenschirmbewegung, war Fermi für eine der Logistikstationen zuständig, bei denen Bürger ihre Spenden abgeben konnten. Damals kamen Banker in der Mittagspause vorbei, um ihren Beitrag zu leisten. Und Frauen kamen mit großen Töpfen, um die Aktivisten zu bekochen. Fermi gehörte damals zum Lager des Occupy-Central-Gründers Benny Tai, der gewaltsame Methoden strikt ablehnte. Dass sie nun die radikaleren Kräfte an der „Front“ unterstützt, zeigt, wie sehr sich die Lage in Hongkong verändert hat. „Ich glaube noch immer an friedlichen Protest, aber wir haben alle friedlichen Mittel erschöpft.“

          Fermi ist nur eine von vielen. Ein „Frontkämpfer“ berichtet, dass jede Woche mehrere Kartons mit Gasmasken geliefert würden. Die Spendenbereitschaft sei mit jedem gewaltsamen Polizeieinsatz gewachsen. Viele spenden auch Geld an den „612“-Fonds, aus dem Arzt- und Anwaltskosten bezahlt werden. Der Name bezieht sich auf den 12. Juni, als es erstmals zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei kam. Seit vergangener Woche gehen vor allem Spenden in Höhe von 2000 Hongkong-Dollar ein. Es ist die Summe des Stromzuschusses, den die Regierung jedem Haushalt zugesagt hat – in der Hoffnung, die Bevölkerung zu besänftigen.

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