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Homo-Ehe : Schwule und Lesben kritisieren katholische Kirche

  • Aktualisiert am

Bischöfe: „Nein” zur Lebenspartnerschaft Bild: dpa

Die Kündigungsdrohung für Beschäftigte katholischer Einrichtungen, die eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, hat scharfe Proteste ausgelöst.

          Die strikte Ablehnung der Homo-Ehe durch die katholische Kirche sorgt für Wirbel. Die Grünen-Bundestagsfraktion sowie der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) äußerten am Donnerstag in Berlin massive Kritik an den katholischen Bischöfen. Diese hatten angekündigt, Beschäftigte im kirchlichen Dienst zu entlassen, wenn diese von der Möglichkeit einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft Gebrauch machen.

          Am Vortag hatten Medien eine entsprechende Erklärung des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz verbreitet. In der Erklärung vom 24. Juni stellen die Bischöfe fest, das neue Rechtsinstitut der Lebenspartnerschaft widerspreche der Auffassung der katholischen Kirche über Ehe und Familie. Mitarbeiter im kirchlichen Dienst, die eine Eingetragene Lebenspartnerschaft eingingen, begingen einen „schwerwiegenden Loyalitätsverstoß“.
          Die Bischöfe weisen weiter auf die Grundordnung des kirchlichen Dienstes. Demnach sei in einem solchen Fall grundsätzlich eine Kündigung gerechtfertigt.

          Grüne gegen „Berufsverbot“

          Volker Beck und Christa Nickels (Bündnis 90/Die Grünen) bezeichneten die Erklärung als „Dokument der Diskriminierung und Scheinheiligkeit“. Für Homosexuelle mit bestimmten sozialen Berufsausbildungen komme das Vorgehen der Bischöfe einem „faktischen Berufsverbot“ gleich, da kirchliche Arbeitgeber in diesem Bereich eine Monopolstellung hätten. Die beiden Grünen-Abgeordneten appellierten an die katholische Kirche, „Bürger, die ihre gesetzlich verbrieften Rechte wahrnehmen, nicht zu diskriminieren“. Gegebenenfalls müsse der so genannte Tendenzschutz im kirchlichen Arbeitsrecht eingeschränkt werden.

          LSVD-Sprecher Manfred Bruns kritisierte, mit ihrer Ankündigung zeigten die katholischen Bischöfe „ihr wahres Gesicht“. Zwar betonten sie immer, dass sie Lesben und Schwule nicht diskriminieren wollten, doch sei dies „nur leeres Geschwätz“. Die „den Kirchen eingeräumte Befugnis“, Beschäftigte bei Verstößen gegen kirchliche Glaubens- und Moralvorschriften zu entlassen, „mag berechtigt sein“, soweit es sich um Mitarbeiter im Verkündigungsdienst handele, fügte Bruns hinzu. Anders verhalte es sich bei den Beschäftigten in der kirchlichen Sozialarbeit. Schließlich finanzierten die Kirchen diese Sozialarbeit „nicht mit ihren Kirchensteuereinnahmen, sondern fast ausschließlich mit staatlichen Mitteln“.

          Ordinariat beharrt auf Arbeitsrecht

          Der Sprecher des Bistums Limburg, Michael Wittekind, sagte, die Erklärung sei auf der Linie dessen, was die Bischöfe immer gesagt habe. Es gebe nun mal ein eigenständiges Arbeitsrecht für die Kirche, und die Mitarbeiter wüssten, dass sie sich daran zu halten haben. Bereits im Juli habe das Bischöfliche Ordinariat Limburg in einem Schreiben alle Mitarbeiter ausdrücklich auf die Regelung hingewiesen. Ebenso werde aber auch in allen anderen deutschen Bistümern verfahren, da die Erklärung der Bischofskonferenz einstimmig und bindend sei.

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