https://www.faz.net/-gpf-s08e

Holocaust-Leugner : Irving zu drei Jahren Haft verurteilt

  • Aktualisiert am

Haftstrafe: Irving will Holocaust nicht mehr leugnen Bild: REUTERS

Ein Gericht in Wien hat den britischen Historiker David Irving wegen Leugnung des Holocausts schuldig gesprochen und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Irvings Anwalt hat Berufung gegen das Urteil eingelegt.

          2 Min.

          Wegen wiederholter Leugnung des Holocausts ist der rechtsgerichtete britische Historiker David Irving in Wien zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Der 67 Jahre alte Hitler-Biograf bekannte sich während des Prozesses am Montag schuldig im Sinne der Anklage und erklärte zugleich, er habe in letzter Zeit seine Meinung zu den NS-Verbrechen geändert. Nach österreichischem Recht hätte er mit einer Gefängnisstrafe bis zu zehn Jahren Haft belegt werden können. Irvings Anwalt legte umgehend Berufung gegen das Urteil ein.

          Irving stand unter Anklage, in zwei Reden 1989 die Vernichtung der sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs geleugnet zu haben. Unter anderem hatte er erklärt, die Pogrome der sogenannten Reichskristallnacht seien von als SA-Männern verkleideten Unbekannten verübt worden, und Hitler habe seine „schützenden Hände über die Juden gehalten.“

          „Diese Meinung war falsch“

          Während seiner zwei Stunden andauernden Vernehmung im Großen Schwurgerichtssaal
          des Wiener Straflandesgerichts gab sich Irving als um Faktentreue bemühter Historiker, der grundsätzlich nicht mehr an den Gaskammern und der Massenvernichtung der Juden während der nationalsozialistischen Herrschaft zweifle. Die Ansichten, die er bei den inkriminierten Vorträgen vertreten hatte, revidierte er: „Diese Meinung war falsch. Das habe ich in Etappen festgestellt über die letzten Jahre“, sagte er.

          Den Prozeß bezeichnete Irving als „lächerlich”
          Den Prozeß bezeichnete Irving als „lächerlich” : Bild: dpa/dpaweb

          Staatsanwalt Michael Klackl erklärte in seinem Eröffnungsplädoyer, Irvings Bestreben sei es, sich als geläutert zu präsentieren. Er verfüge jedoch über ein Geschichtsbild, „in dem es keine Gaskammern gibt“. Immer wieder habe der Brite von einem „Gaskammer-Märchen“ und einer „Gaskammer-Lüge“ gesprochen, und Adolf Hitler erscheine in seinen Ausführungen als glorifizierte Erscheinung.

          Anklage als lächerlich bezeichnet

          Irving selbst sagte schon beim Eintreffen im Landesgericht vor Journalisten, er erkenne inzwischen an, daß die Nazis während des Zweiten Weltkriegs systematisch Juden umgebracht hätten. Es sei lächerlich, daß er wegen Äußerungen von vor 17 Jahren vor Gericht stehe.

          Irvings Verteidiger Elmar Kresbach erklärte, der Engländer habe sich als historischer Autodidakt einen Namen machen müssen, „einer, der natürlich, um bekannt zu werden, auch provozieren mußte“. Sein Mandant sei jedoch „kein klassischer Massendemagoge“, sagte Kresbach. „Er ist ein in der Zwischenzeit etwas einsam gewordener älterer, durchaus talentierter Historiker“, der manche schlimme Sachen gesagt habe.

          Leugnung in dreißig Büchern

          Bereits zwei Wochen nach seiner Verhaftung am 11. November in der Steiermark ließ Irving über einen Anwalt mitteilen, dass er die Existenz der Gaskammern inzwischen anerkenne. Der Historiker hat rund 30 Bücher mit gegenteiligem Inhalt geschrieben. Er vertrat darin unter anderem die These, daß die meisten Menschen in Konzentrationslagern nicht umgebracht worden, sondern an Krankheiten wie Typhus gestorben seien.

          In einem britischen Gerichtsurteil wurde er als aktiver Holocaust-Leugner bezeichnet, der rechtsextremes Gedankengut verbreite. Im November war Irving in der Steiermark verhaftet worden. Nun mußte er sich für Äußerungen über den Holocaust verantworten, die er vor 1989 bei Vorträgen vor rechtsradikalen Organisationen in Österreich getätigt hatte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.