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Hoeneß-Prozess : Die Ehrlichkeit kommt wohl zu spät

Steuersparer oder Straftäter? Da scheiden sich die Geister Bild: dpa

Viele Steuertrickser - auch Uli Hoeneß - sehen ihre Tricksereien eher als eine lässliche Sünde, ja eine Art Notwehr gegenüber dem gierigen Staat. Der Prozessausgang könnte sie abschrecken.

          Das ist kein Schau-Prozess, aber doch auch eine Schau. Das Steuerstrafverfahren gegen Uli Hoeneß ist eben nicht eins wie jedes andere. Wer im Rampenlicht steht, der muss – nach den Regeln der Medien, aber teils auch der Justiz – mehr erdulden als die im Schatten: Ermittlungen werden öffentlich geführt, das Steuergeheimnis ist keins mehr; es gilt dadurch in der öffentlichen Wahrnehmung eher eine Schuld- als eine Unschuldsvermutung. Der unausgesprochene Grund dafür ist: Wer in und von der Öffentlichkeit lebt, kann sich ihr auch in schlechten Tagen nicht entziehen.

          Deshalb wirkt der Prozess in München weit über den Fall Hoeneß hinaus. Wie schon jeder staatliche Ankauf von Steuersünder-Daten hat das Verfahren gegen den Präsidenten des FC Bayern München weitere Steuersparer zur vorsorglichen Selbstanzeige getrieben. Steuersparer? Straftäter ist für viele das treffendere Wort. Aber sowohl Hoeneß („Ich bin kein Sozialschmarotzer“) wie auch andere Prominente („Ich bin kein Uli Hoeneß“) wie auch die vielen unscheinbaren Steuertrickser sehen in der Verkürzung ihrer bürgerlichen Zahlungspflichten eher eine lässliche Sünde, ja eine Art Notwehr gegenüber dem gierigen Staat mit seinen ohnehin viel zu komplizierten Regeln. Wofür hat man so hart gearbeitet, wenn man mit seinem sauer verdienten Geld noch nicht einmal richtig zocken darf?

          Man darf ja. Aber richtig. Die vielkritisierte Selbstanzeige ist zudem eine seit Kaisers Zeiten bewährte goldene Brücke, die sowohl den Steuersündern als auch dem Staat dient. Sie ist auch nicht völlig systemfremd, denn tätige Reue, Wiedergutmachung und Geständnisse sorgen auch sonst für Strafmilderung. Uli Hoeneß hat nun in seinen Worten „ohne Wenn und Aber reinen Tisch“ gemacht. Diese Steuerehrlichkeit kommt wohl zu spät. Das Geständnis ist freilich ebenso zu berücksichtigen wie die bisher nicht gekannte Höhe der offenbar hinterzogenen Steuern; womöglich war Hoeneß bei seinen Devisengeschäften so unaufmerksam wie seine Berater bei seiner Selbstanzeige. Hoeneß droht jetzt Gefängnis. Das unterscheidet ihn vom gemeinen Steuersünder, der freilich auch nicht über seine Mittel verfügt. Abschreckend kann das Verfahren aber auf alle wirken. „Vater Teresa vom Tegernsee“ wurde der Bayern-Star einst von Karl-Heinz Rummenigge genannt. Auch das war ehrlich gemeint – aber aus einer anderen Welt.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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