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Höcke und die AfD : Keine Wand am rechten Rand

Björn Höcke spricht Anfang März in Arnstadt bei einer Veranstaltung der AfD zum politischen Aschermittwoch. Bild: dpa

Eine Distanzierung von Björn Höckes Gedankengut im Sinne der vorgeblichen Ideale der AfD hätte längst durchgesetzt werden müssen – wenn es diese Ideale in der AfD denn tatsächlich gäbe.

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          Ist es nur ein taktisches Manöver, oder geht es wieder einmal um die Richtung der Partei? Reichlich spät wollen etliche „bürgerliche“ Funktionäre der AfD erkannt haben, dass Björn Höcke, der Landesvorsitzende in Thüringen, nicht zu ihrer Partei passt. Sie begründen ihre Kampfansage mit dem Personenkult, den Höcke betreibt, und mit seinem Angriff auf den Bundesvorstand. Höcke hatte auf dem „Kyffhäuser-Treffen“ zum Sturz der Parteiführung nach den Landtagswahlen aufgerufen. Vorbereitungen dafür finden allerorten schon statt. In den Landesverbänden rumort es kräftig, weil Höckes „Flügel“ dort die Oberhand gewinnen will. Das erinnert an frühere Häutungen der Partei.

          Nach dem Sturz von Bernd Lucke und Frauke Petry hatte sich die AfD jeweils aber schon so radikalisiert, dass rechts von ihr nur noch die Wand zu sein schien. Kann es sein, dass die „Bürgerlichen“ der AfD erst jetzt entgeistert sehen, dass da schon lange keine Wand mehr war, dass sie längst eingerissen wurde? Höckes Gedankengut entstammt so offensichtlich den Traditionen einer nationalistischen und rassistischen Erweckungsbewegung, dass eine Distanzierung im Sinne der vorgeblichen Ideale der AfD längst hätte durchgesetzt werden müssen – wenn es diese Ideale von Freiheit, Rechtsstaat und Demokratie in der AfD denn tatsächlich gäbe. Sie werden regelmäßig geopfert in dem Rausch, in den sich auch die Verfechter einer „rechten CDU“ gerne reden, als die sich die Unterzeichner des Höcke-Appells verstehen. Es ist ein Irrtum zu glauben, dieses Schwelgen in starken Sprüchen lasse sich durch eine „bürgerliche“ Fassade vom rechtsradikalen Gedankengut eines Höcke trennen.

          Wie ein Fähnchen im Wind sucht die Parteiführung um Alexander Gauland nun nach Orientierung. Dessen Höcke-kritischer Satz, die AfD sei nicht gegründet worden, um „einen Raum zu schaffen, in dem jeder alles sagen darf“, klingt wie das Eingeständnis, dass die AfD den Extremismus salonfähig gemacht hat. Aber auch das ist nur Taktik, denn Gauland schiebt nach, man müsse sich „auf die Lippen beißen“. Mit anderen Worten: Wie Höcke reden, ist Silber, wie Höcke denken, ist Gold. Aus Sicht der AfD mag das in den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen ein Erfolgsrezept sein. Es wird aber ein Erfolg der Höcke-AfD sein, der Geister, die man rief.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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