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Hochschulen : Professoren sollen nach Leistung bezahlt werden

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Leistung soll sich lohnen - auch für Profs Bild: dpa

Bezahlung nach Leistung und eine Juniorprofessur, die dem Nachwuchs den Einstieg an den Unis erleichtern soll: Kernpunkte der heute beschlossenen Reform.

          Die Professoren in Deutschland sollen künftig rund ein Viertel ihrer Bezüge abhängig von ihren Leistungen in Lehre und Forschung erhalten. Zugleich sollen Nachwuchswissenschaftler viel früher eigenständig arbeiten und auf die bisher übliche zeitaufwendige Habilitationsschrift verzichten. Dazu hat die Bundesregierung am Mittwoch eine umfassende Reform des Hochschul- Dienstrechtes beschlossen.

          Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und Innen- Staatssekretärin Brigitte Zypries bezeichneten die Reform als „wichtigsten Baustein“ bei der Modernisierung der Hochschulen. Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) kündigte „massiven Widerstand“ im Bundesrat an. Die Union wolle eine „Nachbesserung in wesentlichen Punkten“ und vor allem die „faktische“ Abschaffung der Habilitation verhindern. Zehetmair ist Bildungssprecher der unionsgeführten Länder.

          Schluss mit der Habilitation

          Statt der zeitaufwendigen Habilitation sollen für den Professoren- Nachwuchs künftig sechsjährige Juniorprofessuren international ausgeschrieben werden, mit obligatorischer Zwischenprüfung. Für die Ausstattung der ersten 3000 Stellen will der Bund den Ländern mit 350 Millionen Mark aus UMTS-Zinserlösen unter die Arme greifen. Die Juniorprofessoren sollen eigenständig lehren und forschen, auch Doktorarbeiten betreuen können und an den Hochschulen zur Gruppe der Professoren gezählt werden.

          Grenze nach oben entfällt

          Dem angestrebten Leistungslohn-System für Professoren wird Modell- Charakter für die in der nächsten Legislaturperiode vorgesehene Reform der gesamten Beamtenbesoldung zugeschrieben. An Universitäten wie Fachhochschulen soll es künftig zwei Professoren-Gruppen geben. Die untere Gruppe W2 baut auf einem Grundgehalt von 7000 Mark auf, im Schnitt kommen 2000 Mark Zulagen hinzu. Die Gruppe W3 umfasst ein Grundgehalt von 8500 Mark - plus durchschnittlich 3100 Mark Zulagen. Eine Grenze nach oben entfällt. Damit können Spitzen-Wissenschaftler künftig mehr als ein Staatssekretär oder ein Minister verdienen.

          Über die Vergabekriterien der Zulagen in Lehre und Forschung und für den Einsatz als Dekan oder Rektor entscheiden die Länder. Eine Passage im Gesetz stellt sicher, dass die Umstellung auf das neue System nicht zur Gehaltskürzung missbraucht wird.

          Zehetmair bezeichnete die vorgesehenen Grundgehälter als zu gering. Streit droht Bulmahn auch wegen der vorgesehen Regelung, nach der die Länder ihr Personalbudget jährlich um bis zu zwei Prozent anheben können. Ärmere Länder befürchten ein immer größer werdendes Besoldungsgefälle.

          Niedersachsens Wissenschaftsminister Thomas Oppermann (SPD) unterstützte die Reform. Das Kabinett in Hannover bereits am Vortag die Juniorprofessur ins neue Landeshochschulgesetz eingefügt.

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