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Hizbullah : Nachschub aus Syrien

  • -Aktualisiert am

Syriens Präsident Bashar Assad gefällt sich in der Opferrolle Bild: picture-alliance/ dpa

Die Hizbullah nutzt die Waffenruhe, um sich mit Syriens Hilfe weiter zu bewaffnen. Verhindern kann Israel das nicht, ohne den Waffenstillstand zu durchbrechen. Aber die Aktion israelischer Spezialeinheiten in Budai sollte eigentlich streng geheim bleiben.

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          Eigentlich sollte die Mission der israelischen Spezialeinheit tief im Libanon „streng geheim“ und ohne Medienecho bleiben. Doch die schiitische Hizbullah spürte in der Nacht zum Sonntag die von ihrer Mission zu den Helikoptern zurückkehrenden Soldaten auf, verwickelte sie in einen erbitterten Kampf, töteten einen ihrer Kommandeure und machten so die Welt auf ein Dilemma aufmerksam, in dem Israel steckt: Entweder es läßt die stillschweigende Wiederbewaffnung der schiitischen Miliz zu und hält sich strikt an eine oberflächliche und kurzfristige Waffenruhe, oder es legt die Transportwege der Waffen für die Hizbullah offen und riskiert neue Gewalt.

          Am Freitag entschied sich der israelische Generalstab für den zweiten Weg. Die Operation habe ihre Mission erfüllt, hieß es hinterher. Jerusalem hoffe, daß die israelische Armee nicht noch einmal auf diese Art von ihrem „Recht auf Verteidigung“ Gebrauch machen müsse. Am Freitag abend waren israelische Soldaten in das Dorf Budai 22 Kilometer westlich von Baalbek eingedrungen. Kampfjets sorgten derweilen an anderer Stelle für Krach und Ablenkung.

          Budai gilt als Hochburg der Hizbullah, weil dort Scheich Mohammed Yazbek lebt, der zum siebenköpfigen Rat von Hizbullah-Chef Nasrallah gehört. Er ist für religiöse Fragen zuständig. Die Operation sollte still verlaufen, aber in Budai schläft Hizbullah nicht, und so gerieten die Soldaten beim Rückzug auf offenem Feld in einen Hinterhalt. Der israelische Kommandeur wurde getötet, zwei weitere Soldaten wurden verletzt.

          Russische Waffen über Syrien in den Libanon

          Hizbullah nannte bisher ihre Opfer. Angeforderte Kampfhubschrauber schossen den Soldaten den Weg zu den beiden Transporthubschraubern wieder frei. Verbandszeug, Blutspuren und einige Landkarten seien das einzige, was von der Operation am Boden zurückgeblieben sei, heißt es in Israel.

          Die militärische Operation hat ihr diplomatisches Spiegelbild. Der Krieg zeigte Israel, daß Hizbullah nur zu schlagen ist, wenn die Nachschubwege gekappt werden. Die Waffen kommen meist aus Iran, sind aber auch russischer Herkunft. Sie werden über syrischen Flughäfen und auf syrischen Lastwagen transportiert. Obwohl es offiziell einen Waffenstillstand gibt, hörte die Nachlieferung von Waffen bis jetzt nicht auf.

          General Kupperwasser, der bisherige Chef der israelischen Militäraufklärung, legte dieser Zeitung dar, wie russische Raketen der modernsten Bauart für Syrien in Damaskus noch eingepackt und mit Lieferschein vom Flughafen weiter zur Hizbullah nach Libanon geschickt werden. Moskau habe dies lange nicht wahrhaben wollen. Die jüngste Operation lieferte neue Belege dafür, wie Syrien nun auch noch nach dem UN-Waffenstillstand die UN-Resolution 1701 bricht.

          „Opferrolle ohne Verantwortung“

          Gleichzeitig ist Israel daran interessiert, Syrien eine Chance zu bieten, von der Anklagebank herunterzukommen. Außenministerin Livni setzte jetzt mit dem Diplomaten Yaakov Dajan einen „Projektmanager“ ein, der sich bei Wissenschaft und Politik über die Chancen kundig machen soll, wie man Syrien für neue Friedensverhandlungen gewinnen könnte. Zunächst besuchte Dajan den Präsidenten der Universität Tel Aviv, Rabinowich, der Mitte der neunziger Jahre unter Premier Rabin die israelische Delegation bei den Friedensgesprächen mit Vater Assad leitete. Die jüngste Militäroperation zeigt indes nach israelischer Darstellung, daß Syrien derzeit zumindest nichts für den Frieden tut.

          Schon vergangene Woche schlug Verteidigungsminister Peretz vor, „Bedingungen zu schaffen, die Syrien einen Eintritt in den Dialog lohnend erscheinen lassen“. Frau Livni denkt offenbar ähnlich. Ministerpräsident Olmert will hingegen so lange Syrien boykottieren, wie das Land auf der amerikanischen Terrorliste steht. Im Militär macht man sich in bezug auf eine positive Rolle Syriens für den Frieden wenig Hoffnung. Kupperwasser sagt, Syrien habe kein besonderes Interesse an der Rückgabe des von israelisch kontrollierten Golan. Das Gefährlichste für Damaskus sei es vielmehr, den Einfluß im Libanon zu verlieren. Die Stärkung der Hizbullah sei daher wichtiger als der Golan.

          Der syrische Präsident Assad habe auch nicht die Furcht, sich als säkulärer Staatschef in die Hände der Islamisten aus Iran und Hizbullah zu begeben: „In der Machtpolitik des Terrors gibt es diese Unterschiede zwischen religiös und säkular kaum“, sagt Kupperwasser. Assad habe es sich angewöhnt, zugleich über Frieden zu sprechen und für Krieg zu sorgen. Er habe Syrien stets als Opfer des Westens dargestellt und gefalle sich in dieser „Opferrolle ohne Verantwortung“.

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