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Hitler-Stalin-Pakt : Einwandfreies Menschenmaterial

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Der Hitler-Stalin-Pakt holte die Bessarabien-Deutschen „heim ins Reich“. Jubelnd machten sie sich auf - es folgten Enttäuschung und Leid.

          Infolge des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages vom 23. August 1939 und seines geheimen Zusatzprotokolls wurden zwischen 1939 und 1941 mehr als eine halbe Million Deutsche aus dem Baltikum, aus Wolhynien, Galizien, Bessarabien und der Bukowina ausgesiedelt. Die staatlich organisierte Umsiedlung war eine Vorform der Vertreibungen und ist zu den Zwangswanderungen des 20. Jahrhunderts zu rechnen.

          Die Deutschen aus Bessarabien waren, aus Württemberg und Preußen stammend, nach 1812 als deutsche Kolonisten vom russischen Zaren Alexander I. in Südrussland angesiedelt worden. Nach 1918 gehörte das Gebiet zu Rumänien. Am 26. Juni 1940 forderte die UdSSR Rumänien ultimativ auf, Bessarabien und die Nordbukowina zu räumen. Zwei Tage später marschierte die Rote Armee ein. Aufgrund der deutsch-sowjetischen Vereinbarung vom 5. September 1940 wurden bis Ende Oktober 93 500 Personen aus Bessarabien ausgesiedelt.

          Die Umsiedlung der Deutschen aus dem sowjetischen Machtbereich wurde von der NS-Propaganda als historisches Großereignis inszeniert. Sie sollte als epochales Geschehen in die triumphale Geschichte des „Dritten Reiches“ eingehen, das in seinen gewaltigen Dimensionen erst von späteren Generationen gewürdigt werden könne.

          „Es war, als wenn ein Heerwurm durch die Gegend ströme, eine kleine Armee im Anmarsch wäre. Wie die ersten LKW ein paar Meter vor uns waren, da hörte man Lieder aufklingen, gesungen von Kindern, Frauen und Mädchen. Dies lachende, rufende Volk rann an uns vorbei - es war beinahe wie ein gelöster Strom, der dem mütterlichen Meer zudrängt.“ Ein solch euphorisches Bild vom Auszug der Deutschen aus Bessarabien vermittelt der Wiener Volkskundler Alfred Karasek, der als deutscher Gebietsbevollmächtigter für die Aussiedlung aus dem Abschnitt Beresina tätig war. Für die Umsiedler sah die Wirklichkeit der „Heim ins Reich“-Politik freilich anders aus. Denn sie bedeutete den erzwungenen und endgültigen Abschied von ihrer Heimat. Viele erlebten die damit verbundenen Verluste und Enttäuschungen als persönliche Katastrophe.

          Die Aussiedlung der Deutschen wurde von einer paritätisch besetzten deutsch-sowjetischen Kommission durchgeführt. Sie registrierte die deutschen Umsiedlungswilligen, taxierte ihr Vermögen und fertigte Listen an, die zur Berechnung der Entschädigungsleistungen der UdSSR an Deutschland dienen sollten. Im Hauptquartier der Umsiedlungskommission im bessarabischen Tarutino arbeiteten die Mitglieder des deutschen Kommandos - sie trugen SS-Uniformen ohne Rangabzeichen - und ihre sowjetischen Kollegen wochenlang unter einem Dach. Die Kommissionäre kannten sich, denn sie hatten bereits die Umsiedlung der Deutschen aus Wolhynien und Galizien bewerkstelligt. Sie verstanden sich als „politische Soldaten“ und „alte Hasen“, die einander nicht als Feinde betrachteten, sondern als „Gegenspieler“ respektierten. Trotzdem kam es in der alltäglichen Praxis immer wieder zu Streitigkeiten, vor allem bei der Vermögensbewertung.

          Pro Haushaltsvorstand durften die Umsiedler 50 Kilogramm Gepäck mitnehmen, jedes weitere Familienmitglied 25 Kilo. Bauernfamilien war die Mitnahme ihrer persönlichen Habe im Umfang einer zweispännigen Fuhre je Wirtschaft gestattet. Als besondere Schikane empfanden die Bessarabien-Deutschen das Verbot, ihre deutschen Kirchenbücher mitzunehmen. Die Register wurden daher noch vor der Aussiedlung heimlich abgeschrieben.

          Nur etwa 2000 Deutsche blieben zurück, meist aus familiären Gründen. Die Umsiedler wurden per Bahn, Lkw oder Omnibus sowie auf Trecks in die Verschiffungshäfen Reni, Kilia und Galatz und, donauaufwärts, in die Zwischenlager Semlin und Prachowo bei Belgrad gebracht. Die Hauptverantwortung für die Umsiedlung lag bei der „Volksdeutschen Mittelstelle“. Nach der Errichtung des „Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums“ (RKF) am 7. Oktober 1939 war sie in Himmlers Herrschaftsapparat integriert. In dessen Auftrag beschlagnahmte sie jetzt Schulen, Gasthäuser, Theater, Kurhäuser, Barackenlager, Schlösser, Klöster, Kranken- und Waisenhäuser sowie Heil- und Pflegeanstalten im „Altreich“, in Österreich und im Sudetenland.

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