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Frankfurter Zeitung 24.10.1918 : „In diesem Fall muss Deutschland sich ergeben“

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Der Präsident fühlt, daß er nicht völlig aufrichtig wäre, wenn er nicht betonen würde, und zwar in möglichst klarer Form, warum außerordentliche Sicherungen verlangt werden müssen. So bedeutungsvoll und wichtig die Verfassungsänderungen zu sein scheinen, von denen der deutsche Staatssekretär des Aeußern in seiner Note vom 20. Okt. Spricht, scheint es doch nicht, daß die Prinzipien einer Regierung, welche dem deutschen Volke verantwortlich ist, jetzt bereits völlig ausgesprochen worden sind, oder daß irgend eine Garantie existiert oder erwogen wird, dafür, daß die Abänderung der Grundsätze oder ihre Durchführung, über die jetzt teilweise eine Einstimmigkeit erzielt worden ist, dauernd sein wird. Außerdem tritt nicht klar in die Erscheinung, ob der Kern der gegenwärtigen Schwierigkeiten getroffen worden ist.

Es ist möglich, daß künftige Kriege jetzt unter Kontrolle gesetzt worden sind, aber der gegenwärtige Krieg war das nicht, und es handelt sich um den gegenwärtigen Krieg, mit dem wir es jetzt zu tun haben. Es ist klar, daß das deutsche Volk kein Mittel besitzt, um zu befehlen, daß die deutschen Militärbehörden sich dem Volkswillen zu unterstellen habe, daß die Macht des Königs von Preußen, die Politik des Reiches unter seiner Kontrolle zu halten, noch unzerstört ist und daß die entscheidende Initiative noch immer bei denen liegt, die bis jetzt die Herren von Deutschland waren.

In dem Gefühle, daß der ganze Weltfrieden jetzt davon abhängt, daß klar gesprochen werde, und daß er auch von aufrechten geraden Handlungen abhängt, betrachtet es der Präsident, ohne irgend einen Versuch zu machen, etwas davon zu mildern, was als schroffe Sprache erscheinen könnte, als seine Pflicht, zu sagen, daß die Nationen der Welt kein Vertrauen hegen könnten zu den Worten derjenigen, welche bis jetzt die Herren der deutschen Politik gewesen sind und abermals zu betonen, daß beim Friedensschluß und bei dem Versuche, die endlosen Beleidigungen und Ungerechtigkeiten dieses Krieges ungeschehen zu machen, die Regierung der Vereinigten Staaten mit keinem andern als mit den Vertretern des deutschen Volkes verhandeln kann, welche andere Sicherheiten für eine echte verfassungsmäßige Haltung bieten als die bisherigen Beherrscher von Deutschland.

Wenn mit den militärischen Beherrschern und monarchischen Autokraten von Deutschland jetzt verhandelt werden muß, so entsteht dadurch für uns die Aussicht, daß wir mit jenen später zu tun haben würden bei den internationalen Verpflichtungen des deutschen Reiches. In diesem Falle muß Deutschland keine Friedensverhandlungen führen, sondern dann muß es sich ergeben. Es kann dabei nicht unerwähnt bleiben, daß diese wesentlichen Dinge unausgesprochen bleiben.

Genehmigen Sie den Ausdruck meiner besonders Hochachtung.

Robert Lansing.

Die nächste Ausgabe des historischen E-Papers erscheint am 27. Oktober 2018.

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