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Frankfurter Zeitung 07.08.1918 : Propaganda! So beeinflusst die Entente das Volk

  • -Aktualisiert am

Szene aus dem amerikanischen Propaganda-Film „The Kaiser, the Beast of Berlin“ aus 1918. Bild: Picture-Alliance

Gerade während des Krieges ist die öffentliche Meinung ein Gut, das jede Regierung kontrollieren möchte. Ein Essay über verschiedene Strategien.

          8 Min.

          Ueber die Propaganda der Entente ist in Deutschland schon viel geschrieben und gesprochen worden, trotzdem wird sie als Macht und als Erscheinung noch nicht richtig erkannt. Für die Allgemeinheit ist es allerdings nicht leicht, die vielen Einzelheiten, die der Zeitungsleser durch die Presse erfährt, zu einem einheitlichen Bild zu gestalten. Dazu kommt als weitere Schwierigkeit die zwar nicht unerschöpfliche, doch durch den jeweiligen Zweck bestimmte Verschiedenheit der Propaganda, je nachdem sie im neutralen Land gegen die Mittelmächte streitet, oder aber als Inlandspropaganda zu Hause, oder als Binnenpropaganda den Verbündeten die Sonderbedürfnisse vertritt, die die Kriegsziele und die Kriegsnot in jedem Staat und einzelnen Zeitabschnitt entwickelt haben.

          Das Studium der Ententenpropaganda enthüllt daher den politischen, militärischen und wirtschaftlichen Willen der einzelnen Staaten. Denn in Propaganda verwandelt sich bei der Entente heute alles. Die Propaganda gibt der öffentlichen Meinung den der Strategie des Augenblicks wünschenswerten Inhalt, sie macht Ziele des Widerstandes oder des Angriffs zum Gegenstand schrankenloser Opferbereitschaft, sie desavouiert eine überwundene politische Phase und bereitet die nächste vor, sie sucht den Feind im Bewußtsein des Volkes zu schwächen usw.

          Die staatliche Organisation der Propaganda ist auch in den Ländern der Entente erst im Laufe des Kriegs, zum Teil erst vor kurzem ins Werk gesetzt worden. Heute ist die Propaganda bei den vier Ententengroßmächten zentralisiert und dem Auswärtigen Amt eines jeden Staates unterstellt. Diese Zentralisierung entwickelte sich ganz natürlich. Man begann, gewöhnlich sehr bald, beim amtlichen Pressedienst, fügte eine Propagandaabteilung hinzu, unterstellte sie einer rührigen Persönlichkeit, die das Amt, der Fülle privater Mitwirkung, dem Durcheinander der Propaganda mehrerer Ministerien nicht mehr gewachsen, eine ministerielle Behörde wurde. Ueberall ist aber dafür gesorgt, daß die Propaganda nicht bürokratisiert wird, sondern eine Auswirkung der gesamten Volks- und Staatskräfte zuläßt. Die Zentralstelle entscheidet über den politischen Inhalt.

          In England leitete die Propaganda zuerst ein Oberst Buchan, heraus Carson, bis Lloyd George im Januar – Februar 1918 die neue Organisation schuf. Mit dem Titel des Ministers wurde zum Chef des Propagandadepartements Lord Beaverbrook ernannt, ein extremer Imperialist und Schutzzöllner, der 1915 den unionistischen „Daily Expreß“ kaufte. Northcliffe wurde Direktor der Propaganda in feindlichen Ländern, Robert Donald, der Chefredakteur des liberalen „Daily Chronicle“, Direktor der Propaganda in den neutralen Ländern, Sir Roderich Jones, ein Ritter des Reuter-bureaus, Direktor der Propaganda in den alliierten Ländern. Also alles die besten Kräfte der englischen Journalistik. Donald ist bald ganz zurückgetreten, während Northcliffe mit Demissionsabsichten spielt und merkwürdigerweise trotz seines Amtes leugnet, zur Regierung zu gehören. Der Propagandaminister untersteht dem Ministerpräsidenten, ist aber auch dem Parlament direkt verantwortlich.

          Die französische Propaganda wurde anfangs 1916 von Philippe Berthelot, dem Kabinettschef Briands, organisiert. Nach seinen Ideen wurde im Ministerium des Aeußern die „Maison de la Presse“ geschaffen und der Propaganda dienstbar gemacht. Unter Painlevé leitete Franklin Bouillon mit einem Ministertitel die Propaganda. Unter Clemenceau wurde die Stelle aufgehoben und im Ministerium des Aeußern ein Propagandadepartement geschaffen, das sämtliche amtlichen Propagandagesellschaften mit dem „Diplomatischen Informationsdienst“ vereinigt. Eine Ausnahme macht nur die französisch-amerikanische Propaganda, die vom „Generalkommissär der französisch-amerikanischen Kooperation für den Krieg“ (André Tardieu) selbstständig geleitet werden darf, da ihm mehrere Ministerfunktionen übertragen wurden.

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