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Frankfurter Zeitung 07.08.1918 : Propaganda! So beeinflusst die Entente das Volk

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Das Propagandaamt des Ministeriums des Aeußern erhält für besondere Fälle zur Beratung noch eine übergeordnete „interministerielle Kommission“, in der die Hauptministerien vertreten sind. Auch Italien steht nicht zurück in der staatlichen Organisation; es besitzt für die Propaganda ein Unterstaatssekretariat. Am straffsten ist die Propaganda in Amerika zentralisiert, und zwar in dem schon 1914 gegründeten „Komitee für öffentliche Information“, das eine Anzahl Journalisten, Redner, Zeichner, Agenten, Photographen, Professoren und Arbeiterführer beschäftigt. Schon der Jahresbericht 1917 weist eine gewaltige Tätigkeit aus; 1918 hat sie phantastische Dimensionen angenommen. Für den Radiodienst von Tukkerton wurden täglich an 1000 Worte stilisiert; zur Information der Presse aller Länder und aller Entente Amtsstellen erschient eine Tageszeitung in 100 000 Exemplaren.

16 000 Provinzblätter werden durch besonders gefärbte Artikel und Nachrichten im Umfang von täglich zwei bis drei Spalten beeinflusst. Flugschriften erscheinen in Millionen Exemplaren. Plakatierungsflächen im Wert von 6 Millionen Pfund Sterling stehen zur Verfügung. Eigene Abteilungen organisieren die Kriegsreklame durch männliche und weibliche Vierminutenredner, durch Grammophone, Inserate, Bilder, Filme und fremdsprachige Publikationen. Und außerdem liegt dem Komitee noch die ganze Zensur, auch der Bilder, Filme und Bücher ob, so daß eine vollständige Durchdringung der Oeffentlichkeit mit den Wilson allein passenden Meinungen erreicht ist.

Zensur als Propaganda hat nur Amerika. Georg Creel, vor dem Kriege Redakteur eines, wie es heißt, auffällig gut geleiteten kleinen Provinzblattes, ist der Präsident des gewaltigen Amtes, dessen Propagandaabteilungen der frühere New Yorker Polizeipräsident Arthur Wood leitet. Die Funktionen der amerikanischen Propaganda sind infolge der präzisierten Politik von Wilson klar zu erkennen: Kampf gegen die deutsche Regierung; Schonung des deutschen Volkes. (Mit dieser Formulierung sind allerdings die den deutschen Charakter verunglimpfenden Verleumdungen, von denen wir in der letzten Zeit mehrere Proben mitgeteilt haben, ebensowenig zu vereinbaren wie die in Amerika selber betriebene Hetze gegen die Mitbürger deutscher Herkunft. D. Red.) Dieser Gedanke, in mehr oder weniger pöbelhafter Art ausgedrückt, wird ins Unendliche verbreitet, während gleichzeitig große Stiftungen für das Schweizer Rote Kreuz und für die Erziehung belgischer Kinder auf Kosten Amerikas die Ideologie seiner Propaganda auf vornehmere Weise zu erhärten suchen.

Jedenfalls will die amerikanische Propaganda nur dem weltlichen Willen des Präsidenten mit aller Gewalt Bahn brechen und verfolgen keinen Sonderzweck. Einen besonderen Raum nimmt neben ihr nur die Binnenpropaganda ein, die rührig und splendid für Aktionen der Verbrüderung zwischen den Verbündeten für den Austausch jener Kundgebungen und Ehrungen sorgt die in jedem Gliede des Bundes das moralische Bewußtsein der Mitarbeit zu einer dauernden Größe erheben. Auch darin leisten Amerika und England gleichviel.

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