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Frankfurter Zeitung 05.11.1918 : Unruhen in Kiel

  • Aktualisiert am

Novemberrevolution 1918: Gustav Noske spricht als Beauftragter der Reichsregierung am 5. November zu den U-Boot-Mannschaften. Bild: Picture-Alliance

In Kiel kommt es zu chaotischen Szenen: Ein wütender Mob zieht durch die Stadt und verlangt die Freilassung von Soldaten, die wegen Gehorsamsverweigerung festgesetzt wurden. Die Behörden betreiben Schadensbegrenzung.

          H Kiel, 4. Novbr. (Priv.-Tel.) Am Sonntag fanden in Kiel Unruhen statt, an denen sich Marinemannschaften und Arbeiter beteiligten, nachdem ein Führer der Unabhängigen Sozialdemokraten in einer Versammlung eine Ansprache gehalten hatte. Die Demonstranten beabsichtigten, zahlreiche, wegen schwerer Gehorsamsverweigerung in der Militär-Arrestanstalt festgesetzte Mannschaften des dritten Geschwaders gewaltsam zu befreien. Dabei kam es zu Zusammenstößen, wobei es 8 Tote und 29 Verwundete gab. Die Demonstranten schlugen auf ihrem Zug durch die Stadt die Scheiben ein, forderten in den Lokalen sitzende Kameraden auf, sich ihnen anzuschließen, und entwaffneten alle Patrouillen. Später trat Ruhe ein.

          H Kiel, 4. Novbr. (Priv.-Tel.) Der Gouverneur hat die Wünsche der Marinetruppen entgegengenommen, um neues Blutvergießen zu vermeiden. Die ganze Garnison unternahm nachmittags anläßlich der Freilassung der Gefangenen des dritten Geschwaders einen großen Umzug durch die Stadt. Im Zuge wurden rote Fahnen getragen. Die Demonstranten zogen nach dem Bahnhof, um den Staatssekretär Haußmann und den Reichstagsabgeordneten Noske abzuholen, die von der Regierung nach Kiel gesandt worden sind.

          Die nächste Ausgabe des historischen E-Paper erscheint am 6. November 2018.

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