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Frankfurter Zeitung 17.01.1919 : Liebknecht und Luxemburg ermordet

  • Aktualisiert am

Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden am 15. Januar 1919 von Freikorpsoffizieren ermordet. Bild: Picture-Alliance

Nachdem die Kämpfe in Berlin abgeebbt sind, werden zwei der Gründer des Spartakusbundes festgenommen. Es sollen die letzten Stunden für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht werden.

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          Liebknecht auf der Flucht erschossen. – Rosa Luxemburg mißhandelt und später von einem Unbekannten erschossen.

          N Berlin, 16. Jan. (Priv.-Tel.) Am gestrigen Mittwoch Abend hatten sich Liebknecht und Rosa Luxemburg in einen ihrer Schlupfwinkel im Haus Mannheimerstraße 43 begeben, wo sie schon öfter in der Familie des Wilmersdorfer Genossen Marcusson Unterkunft gefunden hatten. Offenbar war eine Zusammenkunft der Spartakusführer dort geplant, denn Sicherheitsbeamte, die die Hausmieter der kommunistischen Partei überwachten, hatten ein Gespräch aufgefangen, in dem es hieß: Treffpunkt heute Abend bei Marcusson. Das ganze Haus wurde von Kriminal- und Sicherheitsbeamten umstellt. Um 8 Uhr drangen die Beamten in die Wohnung des Marcusson ein und nahmen ihn, seine Frau, Liebknecht und Rosa Luxemburg gefangen. Liebknecht wurde ebenso wie seine Genossen in das nächste Standquartier der Bürgerwehr nach dem Nikolsburger Platz gebracht, der sofort nach allen Seiten abgesperrt wurde, da man einen Ueberfall der Spartakisten vermutete. Gegen 9 Uhr wurde Liebknecht in einem Kraftwagen nach dem Stabsquartier der Gardekavallerie-Schützendivision am Kurfürstendamm in das Edenhotel gebracht, wo er sofort verhört wurde.

          Anfänglich leugnete Liebknecht und behauptete, Marcusson zu heißen. Eine Gegenüberstellung mit der Frau Marcusson ergab jedoch, daß man den richtigen Mann gefaßt hatte. Später gab dann Liebknecht zu, der Gesuchte zu sein. Der diensttuende Offizier teilte ihm noch mit, daß er nach dem Untersuchungsgefängnis Moabit gebracht werden würde. Zu diesem Zwecke ließ man einen stark bewachten offenen Militärkraftwagen an die Seitenpforte des Hotels kommen, da sich auf das Gerücht von der Verhaftung eine große Menschenmenge am Kurfürstendamm eingefunden hatte. Liebknecht wurde zum Kraftwagen gebracht, die Menge hatte jedoch den Vorgang beobachtet, und im nächsten Augenblick war der Verhaftete von einem schreienden Menschenhaufen umgeben, die unter den Rufen: „Nieder mit Liebknecht!“, „Schlagt den Mörder tot!“ auf ihn eindrangen. Irgend jemand versetzte dem Gefangenen mit einem Stock einen so schweren Schlag über den Kopf, daß er eine stark blutende Wunde davontrug. Die hinzueilende Wache brachte Liebknecht nun in das Auto, das schnellstens davonfuhr, um den Gefangenen vor weiteren Mißhandlungen zu schützen.

          Der Transportführer hatte den Befehl erhalten, durch den Tiergarten nach dem Untersuchungsgefängnis in Moabit zu fahren. An der Charlottenburger Chaussee in der Höhe des Neuen Sees erlitt der Kraftwagen eine Panne, und der Chauffeur erklärte, daß die Reparatur längere Zeit in Anspruch nehmen werde. Darauf beschloß man, Liebknecht in einen anderen Wagen zu bringen. Der Führer des Transports fragte den Verhafteten, ob seine Wunde ihm erlaube, bis zur Hofjägerallee zu Fuß zu gehen. Von dort wollte man den Festgenommenen in dem nächstbesten Wagen weiterbefördern. Liebknecht erklärt, daß er gehen könne, und verließ den Kraftwagen.

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