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Frankfurter Zeitung 08.05.1916 : Der Sanitätshund im Kriege

Französischer Sanitätshund spürt einen Verwundeten auf. Postkarte, 1914. Bild: Picture-Alliance

Seit 1893 ist man bemüht, den Hund zum Kriegsdienst zu dressieren. Inzwischen ist es gelungen 1600 Hunde an der Front einzusetzen. Über die Ausbildung der Sanitätshunde berichtet die Frankfurter Zeitung am 8. Mai 1916.

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          Die Tatsache, daß zu Beginn des Krieges acht Hunde mit ihren Führern ins Feld gingen, während jetzt 1600 an unserer Front arbeiten, rechtfertigt einige Angaben über diese erstaunliche Entwicklung.

          Der Sanitätshund hat sich erst in diesem Kriege bewährt; er ist im Grunde erst eine Schöpfung des Krieges, denn erst kurz vor Kriegsausbruch waren die Richtlinien für die Dressur nach vielfachen Versuchen klar herausgebildet. Die Samariterhunde, die nach der Art der Bernhardiner arbeiten sollten, erwiesen sich schon im Frieden als ebensowenig brauchbar wie die Kriegshunde der Jägerbataillone. Seit dem Jahre 1893 ist der „Deutsche Verein für Sanitätshunde“ bemüht, den Hund als Helfer im Kriege heranzuziehen. Im Jahre 1908 übernahm der Großherzog von Oldenburg den Ehrenvorsitz des Vereins, interessierte sich aber persönlich so lebhaft und tatkräftig für seine Bestrebungen, daß es dem Verein gelang, die Aufmerksamkeit der militärischen Behörden in steigendem Maße auf seine Arbeit zu lenken. Auch im Auslande fand die steigende Beachtung, Belgien, Frankreich, Rußland und Italien suchten sich die deutschen Erfahrungen im Frieden zunutze zu machen, und Frankreich suchte unter der Hand eine größere Zahl deutscher Schäferhunde für Sanitätszwecke zu erwerben. Von den deutschen Militärbehörden hat besonders der Chef des Feldsanitätswesens der neuen Sache frühzeitig seine Teilnahme zugewendet, und ihre Durchführung im Kriege organisiert, als er der überzeugenden praktischen Erfolge sicher war. Auch der Generalquartiermeister unterstützte die Bemühungen des Vereins wiederholt aufs beste.

          Die Kriegsarbeit des Sanitätshundes ist von derjenigen des Polizeihundes wesentlich verschieden: während diesem das Mißtrauen anerzogen wird, muß der andere das Zutrauen zum fremden verwundeten Menschen lernen. Die Ausbildung des Sanitätshundes vor dem Kriege erfolgte auf dreierlei Art: durch Verbellen, durch Verweisen mit Gegenstand und ohne Gegenstand. Das Verbellen erwies sich im Stellungskriege als unpraktisch und gefährlich, weil es das feindliche Feuer auf den Fundplatz lenkte. Das Verweisen mit Gegenstand verführte den Hund manchmal dazu, an den Verwundeten zu zerren, ihnen Sachen vom Körper abzureißen, den Gegenstand unterwegs zu verlieren. Verwundete von primitiver Intelligenz suchten sich zudem des Hundes zu erwehren, dessen Absichten sie nicht erkannten, und verdarben ihn dadurch. Das Verweisen ohne Gegenstand, an sich die richtigste Dressurmethode, ergab dennoch manche Falschmeldung, indem der Hund, des Suchens müde, zurückkehrte und so tat, als ob der Auftrag erledigt sei. Die jetzt übliche Methode ist ein Verweisen mit Gegenstand, aber dieses Fundzeichen trägt der Hund als „Bringsel“ am Halsband. Er schnappt danach, sobald er einen Verwundeten aufgestöbert hat und bringt es seinem Führer.

          Auf diese Art ist es gelungen, das Verhältnis des Führers zum Hunde ebenso zu vereinfachen wie dasjenige des Hundes zum Verwundeten. Es kommt bei dem Massenbedarf an Hunden sehr viel darauf an, daß jeder Krankenträger, der als Führer eines Hundes bestimmt wird, binnen kürzester Frist und mit dem kleinsten Aufwand an Dressurmitteln ein praktisches Ergebnis erzielen könne. Das ist auf Grund der „Bringsel“-Dressur durchschnittlich binnen 14 Tagen möglich. Jeder Division ist nun mit ihrer Sanitätskompanie auch eine Gruppe von 8 Hundeführern mit 8 Hunden zugeteilt. Die Führer bilden eine eigene Korporalschaft, rekrutieren sich meist aus Kriegsfreiwilligen die sich besonders zu diesem Sanitätsdienst gemeldet haben. Nach Ausbildung bei den Meldestellen des Vereins gelangen Führer und Hunde zum militärischen Ersatzhunde-Depot Fangschleuse. Von dort werden sie zu den Truppen im Südosten und Osten bei Bedarf unmittelbar gesandt. Die für den Westen bestimmten kommen zunächst zur Sanitätshunde-„Staffel West“ in Pocroi, wo in dem dafür besonders geeigneten Gelände auch solche Hunde neu dressiert werden, deren Leistungen im Felde nicht mehr genügen.

          Als besonders geeignete Rasse steht der deutsche Schäferhund obenan. Neben ihm werden benutzt Rottweiler, Dobermann-Pinscher und Airedale-Terrier. Trotz ihrer guten Leistungen soll man die Intelligenz der Tiere nicht überschätzen. Auf den Führer kommt es an. In unübersichtlichem Gelände, bei Nacht, in Sumpf und Gestrüpp bilden die Sinne des Hundes eine sehr gute Ergänzung derjenigen des Menschen. Im Stellungskrieg wird die Brauchbarkeit der Hunde weniger offenbar, aber in Rußland, Serbien und neuerdings vor Verdun haben sie wertvolle Hilfsarbeit geleistet. Auf der Kriegstagung des Vereins wurden Beispiele dafür gegeben, wie die Tiere auf der Nachsuche von Schlachtfeldern, die als geräumt bezeichnet werden konnten, noch wertvolle Meldungen brachten. So z. B. nach der Schlacht am San, wo sie acht Menschen, und nach den Kämpfen vor Ypern, wo sie im April 1915 sogar 67 Verwundete fanden.

          G. Kalkschmidt, Kriegsberichterstatter.

          Die nächste Ausgabe des historischen E-Papers erscheint am 12. Mai 2016.

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