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Frankfurter Zeitung 15.04.1919 : Wieso der 1. Mai ein Feiertag werden sollte

  • Aktualisiert am

Ein Jahr später, am 1. Mai 1920, sprechen Politiker der KPD auf einer Veranstaltung der Maifeier. Bild: Picture-Alliance

Dem Wunsch des Volkes nach einem Maifeiertag soll nachgekommen werden. Der 1. Mai soll symbolisch für das Ende der langen Qual und Sorge des Menschen stehen – und die Idee eines Weltfriedens demonstrieren. Die Begründung des Gesetzentwurfs.

          12. April. Zu den Gesetzentwurf über die Festlegung des 1. Mai als nationalen Festtag wird folgende beachtenswerte Begründung gegeben:

          Seit langen Jahren war die Feier des 1. Mai als eines Weltfeiertages der Arbeit von weiten Volkskreisen gefordert worden. Diese Feier war ursprünglich gedacht als eine große internationale Kundgebung für den achtstündigen Arbeitstag. Später wurde die in immer wachsenden Maße als eine Demonstration für die Idee des Weltfriedens, der Abrüstung und der Verständigung unter den Völkern betrachtet. Es ist jetzt die Zeit gekommen, den Wünschen der Volksmassen, einmal im Jahre einen Tag feiern zu dürfen zu Ehren der großen Gedanken der Arbeiterwohlfahrt und des Völkerfriedens, gerecht zu werden. Die Hindernisse, die sich der Bewährung eines Feiertages der Arbeit früher entgegenstellten, sind beseitigt.

          Das Mitbestimmungsrecht des Volkes in politischer und wirtschaftlicher Beziehung ist festgelegt. In einer solchen Zeit wird sich der langjährige Wunsch des Volkes nach einem allgemeinen Feiertag am 1. Mai als einem Tage, der mit dem Wiedererwachen der Natur symbolisch die Auferstehung des Menschen aus den Banden langer Qual und Sorge andeutet, mit elementarer Kraft geltend machen. Die Forderung, um deren Willen die Maifeier ursprünglich beschlossen war, die Einführung des Achtstundentags, ist durch den Aufruf des Rates der Volksbeauftragten an das deutsche Volk vom 12. November 1918 innerhalb des Deutschen Reiches mit dem 1. Januar 1919 erreicht worden. Von jetzt an wird die Maifeier vor allen Dingen gelten als eine machtvolle Demonstration aller Kreise der Bevölkerung für die Ideen des Weltfriedens, der Abrüstung und des Bundes gleichberechtigter Völker. Geboren aus den Nöten und aus der stürmischen Wünschen dieser schweren Zeit. Soll der von der Republik Deutsches Reich jetzt einzuführende Weltfeiertag der Arbeit ein Signal sein für alle Völker, ihre Aufwärtsbewegung lediglich zu suchen auf den Bahnen fortschreitender Kultur und Gesittung.

          Weimar, 14. April. In der heute morgen abgehaltenen interfraktionellen Besprechung wurde im wesentlichen eine Verständigung über die Maifeiertage erzielt, und zwar dahingegend, daß der 1. Mai in diesem Jahre als Weltfeiertag für einen gerechten Frieden festgelegt werden soll. 

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