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Frankfurter Zeitung 04.08.1930 : Studenten-Olympiade bringt 33 Nationen zusammen

  • Aktualisiert am

Denkmal der Kriegsfürsorge in Darmstadt: Das gemeinsame Gedenken an Kriegstote war bei den internationalen Studentenwettkämpfen 1930 eine bedeutende Geste. Bild: Picture-Alliance

Zwölf Jahre nach Kriegsende lädt Deutschland 33 Nationen zur Studenten-Meisterschaft nach Darmstadt ein. Die Frankfurter Zeitung blickt auf ihr Gedenken an die Kriegstoten – und fragt, was daraus für die Zukunft folgt.

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          Die internationalen Meisterschaften der Studenten wurden im Hoschschulstadion Darmstadt durch den Aufmarsch von 33 Nationen eröffnet. Vor der Kulisse eines gewitterschweren Himmels betraten im leichten, mühelosen Takt die Abordnungen der Länder das zärtliche Oval der Ringbahn, ein Fanfarenmarsch übertönte die ersten Donner, eine lange Zeile bunter Fahnen und bunter Männer schob sich durch das Marathontor.

          Vor ihnen wurde ein Kranz getragen – ein einfacher Kranz für die Toten des letzten Krieges, deren graues Denkmal zwischen den Föhren an der Peripherie des Stadions steht.

          Aegypter eröffneten den Zug, es folgten Australien, Belgien, Bulgarien, bald kam England, eine starke Gruppe fast gleich großer Männer, gekleidet in den zivilen blauen Rock mit weißen Hosen, gar nicht uniformiert, im vorletzten Glied Lome, englischer Weltmeister im 800-Meter-Lauf, ein schmaler gemmenhafter Kopf, dessen Disziplinierung manchen Politiker zu wünschen wäre.

          Eine Zeile führte über die Männer aus Estland, Finland zu der starken und auffallenden Gruppe der Franzosen. Taubengrau war ihre Farbe, ihr Schritt mehr ein amüsantes Schlendern als ein Marsch, und die blauen Baskenmützen auf ihren Köpfen schienen sie nach oben gegen jede Einzelbetonung abzurunden. Es war bestes bürgerliches Kollektiv, nach dessen Gesetz die Gruppe marschierte, bestes Westlertum in feiner unoffiziellen, rationalen Diesseitigkeit.

          Es folgten gesunde Holländer und nach einer kurzen Spanne die Italiener. Die Sympathie, die sich ihnen von den Tribünen, an denen die Menschen wie Schwalben hingen, entgegenwarf, war zu deutlich, als daß sie nicht festzustellen wäre. Eine Farbenpracht – dieses Italien – ein Bufett aus Gelb und Blau. Lachende Gesichter, optimistische Gesten, Freude am Waffenzuruf, naive Fröhlichkeit – nichts von der stillen Haltung der Franzosen – , sondern Freude und hübsche Oberfläche, die mit einer finsteren Luft am Deforativen unterbaut ist. Das waren „Junges“, und die Tüchtigkeit sprang aus ihren Augen wie frischgebackenes Brot - selbst als sie die Hände zum faschistischen Gruß erhoben, lachten sie, und die klatschenden Menschen auf den Tribühnen freuten sich, weil die Italiener so bunt waren und das Erheben der Hände sie von den anderen Nationen als eine Spezialität abhob.

          Vereint zu fairem Kampf

          Und immer wieder kamen Fahnen, und immer wieder Männer, die durch ein Schild sich zu einer Fahne bekannten – das babylonische Gewirr der Nationen, hier endlich einmal vereint zu fairem Kampf und in Achtung zueinander. Allerdings – der sechste Teil der Erde fehlte: Sowjetrußland. Da es jedoch ablehnt, eine Nation zu sein, sondern ein neuer menschlicher Zustand, geschah sein Fehlen zu Recht.

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