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Frankfurter Zeitung 13.06.1930 : Max Schmeling wird Weltmeister im Boxen

  • Aktualisiert am

2. Runde: Heftige Schlagwechsel zeichnen diese Runde aus. Schmeling brachte einmal einen harten rechten Haken am Kinn Sharkeys an, mußte aber seinerseits einen schweren Uppercut auf das Herz einstecken.

Kurz vor dem Kampf: Favorit Jack Sharkey (rechts) und Außenseiter Schmeling präsentieren sich dem Publikum.
Kurz vor dem Kampf: Favorit Jack Sharkey (rechts) und Außenseiter Schmeling präsentieren sich dem Publikum. : Bild: Picture-Alliance

3. Runde: Die folgende Runde steht ganz im Zeichen der Angriffe Sharkeys, der den Deutschen mit schweren Kopf- und gesichtshaken an die Seile treibt. Schmelings Gegenangriff wird abgeschlagen; er muß wieder bis an die Seile zurückweichen. Sharkey sucht nun mit aller Gewalt eine schnelle Entscheidung zu erzwingen. Mit ganzen Serien wuchtiger Kopf- und Körperhaken greift er den Deutschen immer wieder an, der sich aber mit großer Ruhe sehr gut deckt. Auch diese Runde gewinnt Sharkey.

4. Runde: Schmeling ist endgültig in die Defensive gedrängt. Immer wieder trifft ihn Sharkey genau und hart. Der Amerikaner greift jetzt wie ein Wahnsinniger an und landet im Uebereifer einen Schlag unter dem Gürtel auf die Leistengegend. Schmeling geht mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden, aber bei „6“ ertönt der Gong. Der Deutsche ist nach Ablauf der Pause noch immer kampfunfähig.

Tiefschlag oder kein Tiefschlag?

Nachdem ihn seine Sekundanten in seine Ecke getragen haben, reklamiert er Tiefschlag. Der Ringrichter, dem im Moment des Fouls die Aussicht durch den Rücken Sharkeys verdeckt war, erkundigt sich bei den Punktrichtern, und da einer der Punktrichter einen einwandfreien Tiefschlag beobachtet hat, verkündigt er, nachdem er lebhaft mit den Managern der beiden Kämpfer debattiert hat, die Disqualifikation Sharkeys und damit den Sieg Schmelings. Der Deutsche war von dem Tiefschlag noch so mitgenommen, daß er der Aufforderung, am Mikrophon einige Worte zu sprechen, nicht folgen konnte.

Die Feststellung des Kampfgerichts wurde erhärtet durch die Untersuchung des Arztes, der einen einwandfreien Tiefschlag feststellte. Auch Gene Tunney, der frühere Weltmeister, will einen Tiefschlag beobachtet haben.

Die endgültige Bestätigung werden wohl die Filme bringen, die von diesem Kampf von mehreren Stellen aus aufgenommen wurden.

Sharkey nahm die Entscheidung des Ringrichter mit erstaunlicher Ruhe entgegen. Schmeling erklärte sich bereit, sich so bald wie möglich für einen Revanchekampf zur Verfügung zu stellen.

Als Schmeling sich in seiner Garderobe erholt hatte, erklärte er den umstehenden Pressevertretern: „Ich fühle mich wieder ganz wohl; aber ich bin verletzt worden“, wobei er mit den Augen auf seine Leistengegend wies.

Sharkey schien recht schlechter Stimmung zu sein und protestierte gegen die Beschuldigung, seinem Gegner einen Tiefschlag beigebracht zu haben. „Ich hatte Schmeling an die Seile gedrängt“, erzählte er. „Er verschob seine Deckung, und ich landete einen rechten Haken gegen seinen Magen. Der Schlag traf keine Knochen, das konnte ich fühlen.“

Sharkeys Manager Buckley war über die Entscheidung des Schiedsrichters außerordentlich empört, und hatte für den Deutschen sehr harte Worte. „Schmeling hat sich wie ein feiger Hund benommen“, rief er. „Von einem Tiefschlag kann gar keine Rede sein.“ Sharkey sei bereit, fuhr er fort, den Deutschen zu jeder zeit und an jedem Ort von neuem entgegenzutreten und ihm zu beweisen, daß er ihn mit Leichtigkeit schlagen könne.

Das Gerücht, daß Schmeling an den Folgen des Tiefschlages gestorben sei, hat sich nach unseren Informationen nicht bestätigt.

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