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Frankfurter Zeitung 23.10.1930 : Welche Politik verfolgen die Briten in Palästina?

  • Aktualisiert am

Palästina um 1930: Weite Teile der Bevölkerung lebte in typischen Lehmhütten. Bild: Picture-Alliance

Eine „nationale Heimstätte für das jüdische Volk“ in Palästina versprach die Balfour-Erklärung 1917 den Zionisten. Doch welche Ziele verfolgen die Briten in ihrem Mandatsgebiet wirklich? Für die Frankfurter Zeitung ist klar: ihre eigenen.

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          Im Mai dieses Jahres hat sich ein Vorgang abgespielt, der im Kerne bereits das enthielt, was jetzt als Krise des Zionismus zutage tritt. Am 12. Mai teilte die britische Behörde in Palästina offiziell mit, daß sie ermächtigt worden sei, 3300 Zertifikate für jüdische Einwanderer zu gewähren. Am folgenden Tage wurden Verhandlungen, die die englische Regierung mit einer Delegation der Araber in London gepflogen hatte, erfolglos abgebrochen. Wiederum am nächsten Tage, am 14. Mai, wurde der Exekutive der Jewish Agency mitgeteilt, daß der High Commissioner auf Anweisung des Staatssekretärs für die Kolonien die Zertifikate suspendiert habe, bis Sir John Hope-Simpson die Ergebnisse seiner Untersuchung vorgelegt habe. Es war ohne weiteres deutlich, daß dies eine politische Maßregel gewesen ist, eine Maßregel, die offenbar im Zusammengang stand mit dem, was die arabische Delegation in London vorgebracht hatte. Sie forderte insbesondere dreierlei: Erstens daß die Einwanderung nach Palästina eingestellt werde, zweites daß der Boden, der sich im Besitze der Araber in Palästina befinde, angesichts seiner Knappheit als unveräußerlich erklärt werde, und drittes, daß eine demokratische Regierung in Palästina eingesetzt werden solle, an der alle Bewohner des Landes entsprechen ihrer Zahl Anteil hätten.

          Die englische Regierung erklärte, daß sie diese Forderungen ablehnen müsse, weil sie im Widerspruch zu dem Mandat stünden. In der Tat, die englische Regierung könnte diesen Forderungen nicht einfach zustimmen, ohne einen Wortbruch zu begehen, der allzu deutlich wäre. Sie hat aber sicherlich schon damals die Absicht gefaßt, den Arabern sehr weit entgegenzukommen. Das Ergebnis liegt nun vor. Die Erklärungen, die die britische Regierung in dem Weißbuche abgeben hat, das in diesen Tagen herausgekommen ist, bedeuten: von den Forderungen der Araber werden etliche Prozente abgezogen, im übrigen aber sind sie erfüllt.

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