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Frankfurter Zeitung 16.05.1919 : Mörder von Luxemburg und Liebknecht verurteilt

  • Aktualisiert am

Die sozialistischen Politiker Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden am 15.01.1919 in Berlin ermordet. Bild: Picture-Alliance

Den Angeklagten im Fall der getöteten sozialistischen Politiker wird der Prozess gemacht. Das Urteil wird von vielen Seiten als zu milde kritisiert. Eine Einschätzung.

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          Zweierlei Art von Politik muß bei der Beurteilung der Gerichtsverhandlung über den Fall Liebknecht-Luxemburg festgehalten werden: zunächst die Neigung, die Tat als ein rein politisches, in revolutionären Zeiten entschuldbares, wenn nicht gar lobenswertes Unternehmen aufzufassen, das der normalen tatsächlichen Behandlung sich entziehe. Die Vertuschungstendenz der Leute, die so die an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg berührte Lynchjustiz mit mehr oder weniger bewußter Sympathie begleitet haben, tritt natürlich außerhalb der engen Zirkel nicht offen hervor; sie hat sich aber in zahlreichen Briefen an das Kriegsgericht Luft gemacht, die die gebührende Zurückweisung durch den Verhandlungsleiter erfuhren. Von ganz entgegengesetzter Auffassung geht die Gefühlspolitik der Extrem-Radikalen oder der von diesem angesteckten Elemente aus, die unter allen Umständen ein „scharfes“ Urteil verlangen, das dem schweren Verbrechen eine ebenso schwere Sühne folgen ließe – ganz gleich, wie die Ergebnisse der Beweisaufnahme sich gestalteten.

          Die „Freiheit“ ist es, die diesen rein agitatorischen Standpunkt von Anfang an mit größerer Vehemenz vertreten und sich durch die absolute Einseitigkeit ihrer Kritik von vornherein um jede fruchtbare Wirkung gebracht hat. Sie schreibt auch heute in den allerstärksten Tönen vom „Triumph des Eden-Hotels“, der vom Proletariat der ganzen Welt mit einem Aufschrei der Entrüstung werde aufgenommen werden – und es sekundiert ihr dabei. Seltsamerweise der „Berliner Börsenkurier“ in einer von keinerlei Sachkunde angekränkelten Betrachtung. Für die oberflächliche Denkweise gewisser Literatenkreise ist diese Betrachtung typisch. Sie ist hoffnungslos über das Mißverständnis zwischen der Bestialität des Mordes und dem Strafmaß. Dieses Mißverständnis besteht in der Tat, aber mit deklamatorischen Klagen hierüber ist zunächst noch nichts gegen das Gericht bewiesen; sonst müßte auch den unzurechnungsfähigsten Täter die volle Strenge des Gesetztes treffen, nur damit die Harmonie zwischen Tat und Strafe hergestellt wird. Daß aber der Hauptangeklagte Runge ein Halbidiot ist, stellt auch der „Berliner Börsenkurier“ fest.

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          Vermeidet man die unsachliche Betrachtungsweise dieser beiden politischen Extreme, so bleiben gewiß eine Reihe von Vorbehalten, die sich dem Beobachter des Prozesses aufdrängen. Unter den Zuhörer der Verhandlung scheint eine weitgehende Uebereinstimmung darüber zu bestehen, daß das Verfahren gegen die Angeklagten, am Maßstab normaler Gerichtsprozeduren gemessen, bemerkenswert milde war, und daß weder die Angeklagten noch die Entlastungszeugen bei jeder Gelegenheit so scharf inquiriert wurden, wie es in anderen Strafprozessen Brauch – und vielfach schlechter Brauch – ist. Und dazu kommt dann die schwächste Stelle des Urteils: die völlige Freisprechung der Offiziere, die den verhafteten Liebknecht über den Haufen schossen, als er im Tiergarten zu entfliehen suchte. Diese Freisprechung nennt auch der sonst sehr ruhige urteilende „Vorwärts“ in dem schon erwähnten Artikel einen bedauerlichen Fehlspruch. Wenn indes dieser Teil des Urteils benutzt wird, um das ganze Verfahren als eine Komödie hinzustellen, so muß demgegenüber doch festgestellt werden, daß von allen Kritikern der Untersuchungsbehörde und des Gerichts niemand, soviel wir sehen, eine konkrete Unterlage für die Anzweiflung des guten Glaubens der Richter hat beibringen können, und daß ein so kluger und unbefangener Beobachter wie Stefan Großmann, der der ganzen Verhandlung beigewohnt hat. Seinen Eindruck in der „Vossichen Zeitung“ dahin zusammengefaßt, keiner der Richter habe auch nur einen Moment lang eine Rechtsbeugung zu Gunsten der Angeklagten im Sinne gehabt. Und von der Tätigkeit des Untersuchungsrichter sagt Großmann:

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