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Frankfurter Zeitung 23.08.1930 : Seit 1897 im Eis: Leichen von Arktisforschern gefunden

  • Aktualisiert am

Polarexpedition im 19. Jahrhundert: Auf ihren Reisen jagten die europäischen Forscher auch Eisbären. Bild: Picture-Alliance

Ein milder Sommer macht einen außergewöhnlichen Leichenfund auf einer Nordpol-Insel möglich: Die Körper des Arktis-Forschers Andrée und seiner zwei Assistenten werden nach 33 Jahren im Eis gefunden.

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          Auf der Insel Spitzbergen hatte der Ingenieur und arktische Forscher Salomon August Andrée in wochenlanger Arbeit sorgfältige Vorbereitungen für einen Ballonflug nach dem Nordpol getroffen. Obwohl von verschiedenen Seiten sehr eindringlich von dem tollkühnen Unternehmen abgeraten worden war, ließ sich Andrée nicht davon abhalten, am 11. Juli 1897 nachmittags 2 ½ Uhr unter günstigen Windverhältnissen den Flug anzutreten.

          Sein Ballon hatte eine Fassung von 4.800 Kbm. Wasserstoffgas und trug eine gute Ausrüstung mit Proviant für mehrere Wochen und nautischen Instrumenten. Als Begleiter nahm Andrée zwei erfahrene Polarfahrer, Fränkel und Strindberg, mit. Bei Beginn der Fahrt flog der Ballon in Richtung Nord-Nord-Ost, und Andrée hoffte in zwei bis drei Tagen sein Ziel zu erreichen. Der Ballon stieg bald in höhere Luftschichten und blieb seitdem verschollen.

          Die letzte Positionsangabe ist im Ballon auf ungefähr 83 Grad nördlicher Breite und 33 Grad östlicher Länge gemacht worden. Es ist als sicher anzunehmen, daß der Ballon nicht auf der Weißen Insel, wo man die Leichen der drei Verschollenen fand, landete. Der Ballon scheint vielmehr in der Nähe der letzten Standortmeldung, also zirka 400 Kilometer nördlich der Weißen Insel niedergegangen zu sein. Die drei Forscher haben dann wohl den Weg bis zur Stätte, wo ihre Leichen aufgefunden wurden, zu Fuß zurückgelegt, indem sie das Boot des Ballons, in welchem der eine Körper entdeckt wurde, auf einem Schlitten hinter sich herzogen.

          Auch die Gewehre, die man auffand, zeigten, daß sie während des Winters stark benutzt worden sind. In der Nähe des Lagers entdeckte man auch Überreste eines Eisbären. Dieser ist sicher von einem der drei Expeditionsmitglieder geschossen worden, um als Nahrung zu dienen. Aus den verschiedenen Einzelheiten des Lagers von André und seinen Gefährten ergibt sich der Schluß, daß sie nur noch wenige Monate nach ihrer Landung gelebt haben können.

          Meldung der Agentur „United Preß“

          Die Nachricht von der Auffindung der Leiche des schwedischen Nordpolforsches Andrée auf der Viktoria-Insel in der Nähe von Franz-Josefs-Land wurde durch ein Fischerboot überbracht. Die Leiche von Andrée wurde von dem norwegischen Expeditionsschiff „Brattvaag“ auf der Viktoria-Insel bei Franz-Josefs-Land gefunden.

          Zwei Leichen sind bereits auf dem Expeditionsschiff geborgen. Eine Identifizierung des zweiten Fundes war jedoch noch nicht möglich. Inzwischen hat man eine dritte Leiche, die sich in vollkommen gefrorenen Zustand in einem kleinen, im Eise festgefrorenen Boot befindet, entdeckt. Als das Fischerboot das Expeditionsschiff verließ, war die Mannschaft des Expeditionsschiffes gerade im Begriff, diese Leiche aus dem festgefrorenen Eise herauszubekommen. Neben den drei Leichen hat man Instrumenten und Ausrüstungsgegenstände wie Kochgeschirr eingefroren im Eise gefunden, ferner an Andrées Leiche ein Tagebuch, das tägliche Aufzeichnungen und Einzelheiten über die Expedition sowie seinen Namen enthielt.

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          Meldung der Agentur „Wolffs Telegraphisches Bureau“

          Oslo, 23. Aug. (Wolff.) Es wird angenommen, daß die Leichen der Andreé-Expedition gefunden werden konnten, weil das in diesem Sommer milde Wetter das Eis besonders stark geschmolzen hat. Die Leichen und die Ausrüstung wurden an Bord des Seglers „Bratvaag“ genommen.

          Die Ausrüstung besteht aus zwei Schlitten, einem Boot, einer Harpune, einem Kochherd und zwei Kisten mit Instrumenten, einem Tagebuch und einem Logbuch. Beide Bücher waren so vereist, daß sie nicht geöffnet werden konnten. Man konnte jedoch auf der letzte Seite des Logbuches folgende Eintragung vom 18. Juli 1897 erkennen: 83 Grad nördliche Breite, 32 Grad östliche Länge. Die Expedition auf dem Eise landen mußte und daß die Mitglieder dann den Ballon getragen haben und südlicher Richtung auf White Island über Treibeis vorgedrungen sind.

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