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Frankfurter Zeitung 02.04.1919 : Die Streikbewegung

  • Aktualisiert am

Gewerkschaft Deutscher Kaiser, Schacht ll Bild: Picture-Alliance

Im Ruhrgebiet und in weiten Teilen Deutschlands folgen Hunderttausende dem Streikaufruf sozialistischer und kommunistischer Arbeiterführer. Die Demonstranten treibt eine Hoffnung an.

          3 Min.

          Abordnungen bei der Regierung.

          Weimar, 1. April. Aus dem Ruhrgebiet sind heute zwei Abordnungen der streitenden Arbeiter bei dem Arbeitsminister Bauer in Weimar eingetroffen Der Minister Bauer hat heute mittag bereits mit ihnen Besprechungen abgehalten und wird heute abend mit ihnen gemeinsam nach Berlin reisen, um dort in enger Verbindung mit dem Gesamtkabinett die Aussprache fortzusetzen. Es kann aber nach der uns von zuständiger Seite gewordenen Mitteilungen keinerlei Zweifel darüber aufkommen, daß die streikenden Bergleute mit ihren kommunistischen Forderungen auf ein Entgegenkommen bei der Reichsregierung nicht werden zu rechnen haben.

          Die Reichsregierung bleibt bei dem in ihrer Kundgebung eingenommenen Standpunkt, daß die sechsstündige Arbeiterschicht zu einem völligen Erliegen des Bergbaus und zu einer schweren Schädigung unserer innen- und außenpolitischen Lage führen müßte. Die von den Bergleuten aufgestellten politischen Forderungen sind eine Regierung der Demokratie und würden die Diktatur einer Klasse bedeuten. Dieselben kommunistischen Forderungen wurden auch beim Streit im mitteldeutschen Braunkohlegebiet laut und sind mit Entschiedenheit von der Reichsregierung zurückgewiesen worden. Die Einrichtung von Betriebsräten ist den Bergleuten bereits zugesichert. Ein Uebergreifen dieses Rätesystems auf das rein politische Gebiet wird dagegen von der Regierung abgelehnt. Bleiben die Bergleute bei ihren unerfüllbaren Forderungen, so ist die Reichsregierung entschlossen ebenso wie seinerzeit im mitteldeutschen Braunkohlegebiet den Kampf durchzusetzen und den Bergleuten die Verantwortung für das Unglück zuzumessen, das sie damit in dieser kritischen Situation über Deutschland heraufbeschwören.

          Rhein-Ruhrgebiet

          Duisburg, 1. April. Auf das Rhein-Ruhrgebiet hat der Streikbeschluß im Bochum-Dortmunder Revier vorläufig seine einheitliche Wirkung hervorgerufen. Die Belegschaften der Thyssenzechen „Gewerkschaft Deutscher Kaiser“ und „Rhein I“ in Hamborn haben beschlossen, sich abwartend zu verhalten, um zu sehen, wie sich die Lage in Westfalen entwickelt. Nur die Schächte der Gewerkschaft „Lohberg“ die bekanntlich nur kommunistische Arbeiter und Angestellte dulden, sind sofort in einem Sympathiestreit eingetreten.

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          Auf allen vier Schächten der Gewerkschaft „Reumühl“ wird gearbeitet. In Oberhausen arbeiten noch alle Schachtanlagen der Gutehoffnungshütte. Doch droht man die 7 1/2-Stundenschicht dort auf 6 Stunden herabzusetzen. Zeche „Roland“ in Oberhausen vom Harpener Bergbau arbeitet ebenfalls regelmäßig. Auf sämtlichen Zechen der „Concordia“ Bergbau-Aktiengesellschaft wird, wenn auch unregelmäßig, eingefahren. Der Streit ist noch nicht erklärt.

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