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Frankfurter Zeitung 01.08.1918 : Generalfeldmarschall von Eichhorn in Kiew ermordet

  • Aktualisiert am

Hermann von Eichhorn (mitte), deutscher Offizier und Heerführer 1918 in Minsk. Bild: Picture-Alliance

Generalfeldmarschall von Eichhorn wird ermordet. Er ist der zweite deutsche Gesandte in kurzer Zeit, der einem russischen Attentat zum Opfer fällt.

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          N Berlin, 31. Juli. (Priv.-Tel.) Nach dem Grafen Mirbach ist jetzt der Generalfeldmarschall von Eichhorn dem Fanatismus russischer Bombenwerfer erlegen. Das deutsche Volk verliert in Herrn v. Eichhorn einen siegreichen Heerführer und einen vortrefflichen Menschen, und die Trauer über diesen Verlust wird nicht eingeengt durch Parteigrenzen. Bei Kriegsausbruch hinderte ein schweres Leiden den Generalobersten von Eichhorn, den ihm als Generalinspekteur zugedachten Führerposten zu übernehmen. Aber kaum war er gesundet, so trieb es ihn an die Front. Er nahm an der Winterschlacht bei Soissons in den Reihen seines alten Frankfurter Leibregiments teil und bewies damit, daß er den Strapazen des Feldzuges wieder gewachsen war.

          Bald darauf wurde er zum Führer der neugebildeten 10. Armee nach dem Osten berufen und hatte als solcher hervorragenden Anteil an der Winterschlacht an den masurischen Seen. An dem Nordflügel der Hindenburgischen Ostfront hat er im Angriff und in der Verteidigung bereits geschichtlich gewordene Erfolge zu verzeichnen, zuletzt noch, als er den Durchbruch der Armee des Diktators Kerenskij, der mit Brussilowschen Mitteln die Truppen in den Tod trieb, zum Scheitern brachte. Im Jahre 1918 wurde der zum Generalfeldmarschall Ernannte Führer der deutschen Okkupationsarmee in der Ukraine und Militärgouverneur in diesem besetzten Gebiet.

          In dem Schmerz um den Verlust dieses hochverdienten Mannes, um den nicht nur die deutsche Armee als um einen ihrer Besten trauert, sondern das ganze deutsche Volk, mischt sich die Entrüstung über die verbrecherische Tat. Der politische Mord hat von jeher in Rußland eine Stätte gehabt, und die Sozialrevolutionäre haben in den letzten Wochen erneut den Terrorismus zu ihrem Kampfmittel gewählt. Das Ziel, das die Mordtaten gegen den Grafen Mirbach und den Feldmarschall von Eichhorn verfolgen, ist der Bruch des Brester Friedensvertrages. In ihrem Organ „Snamja Borby“ wurde es kürzlich mit aller Deutlichkeit ausgesprochen.

          Wir hoffen in allernächster Zeit, dem arbeitenden Volk Europas erklären zu können, daß die überwiegende Zahl der Arbeiter und Bauern Rußlands die diplomatische Komödie der Brester Mondsüchtigen nicht weiter fortspinnen will. Und an einer anderen Stelle hieß es: Indem wir mit dem Brester Frieden brechen, treiben wir Deutschland und Österreich in die Revolution. Auf diese Weise bringen wir die Weltrevolution und den Völkerfrieden näher.

          Fort mit den Deutschen, das ist der Kampfruf, und die Bomben der Mörder sollen das Signal sein zu einer gewaltsamen Erhebung. Hinter ihnen steht die Entente, die die linken Sozialrevolutionäre einem verblendeten Fanatismus zuzutreiben sich bemüht und die den Brester Frieden ungeschehen machen möchte, um sich durch eine neue Ostfront Erleichterung im Westen zu schaffen. Zwei um Deutschlands Sache verdiente Männer sind den willfährigen Fanatikern zum Opfer gefallen. Das Ziel, das sie sich gesteckt haben: Deutschland der Revolution zu überliefern und der Weltrevolution die Bahn zu bereiten, werden sie mit ihrem Terrorismus nicht erreichen. Sie stürzen nur ihr eigenes Land immer tiefer in den Abgrund. Deutschland hat durch die Verhandlungen, die zur Zeit über die Auslegung des Brester Friedens geführt werden, zu erkennen gegeben, daß es einen friedlichen Ausgleich mit dem neuen Rußland sucht.

          Eigene wirtschaftliche Interessen lassen es uns erwünscht erscheinen, daß sich das schwergeprüfte Land erhole und festige, damit der Austausch der in friedlicher Arbeit erzeugten Güter wieder beginnen kann. Die verabscheuungswürdigen Verbrechen können Deutschland nicht von dem Bestreben abbringen, mitzuhelfen, daß in den Gebieten des neuen Rußlands bald wieder Ruhe und Ordnung einkehrt. Graf Mitte, der sein Land liebte, sah den Niedergang voraus, wenn der der wirtschaftlichen Kraft beider Länder dienende friedliche Warenaustausch durch kriegerische Konflikte unterbrochen würde. Er hat das Unglück nicht verhindern können.

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