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Frankfurter Zeitung 01.02.1939 : „Kraftvoll und friedlich“: Hitlers Rede vom 30. Januar 1939

  • Aktualisiert am

30. Januar 1939: Anlässlich des sechsten Jahrestages der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten, gibt Adolf Hitler eine Regierungserklärung ab. Bild: Picture-Alliance

Im Reichstag droht Adolf Hitler unverhohlen mit der „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“. Den Zeitgenossen erscheinen bei der Einordnung der berüchtigten Rede andere Aspekte wichtiger.

          6 Min.

          Nb Berlin, 31. Januar. Adolf Hitlers Rede am sechsten Jahrestage der Machtergreifung war Rechenschaftsbericht und Programmrede zugleich: denn aus den Erfahrungen, die in der abgelaufenen Zeit gemacht wurden, und aus der Klarstellung der Ursachen des Erfolges ergeben sich die Schlüsse für die weitere Arbeit, die am deutschen Volk und für das deutsche Volk zu leisten ist.

          Gerade weil er zugleich ein Blick in die Zukunft ist, ist dieser Blick in die Vergangenheit auch eine Besinnung darauf, welch ungeheures Gewicht das Jahr 1938 in der deutschen Geschichte hat. „Sechs Jahre genügten, die Träume von Jahrhunderten zu erfüllen; ein Jahr, unser Volk in den Genuß jener Einheit zu bringen, die die vergeblich angestrebte Sehnsucht zahlreicher Generationen war.“ Wir alle oder die meisten von uns haben uns oft nicht ausreichend klargemacht, was Ereignisse wie der Anschluß Oesterreichs und des Sudentenlands im Zuge der großen deutschen Geschichte bedeuten. Das liegt daran, daß das Große, wenn man in seiner nächsten Nähe steht und dadurch den Sinn für Verhältnisse verliert, weniger gewaltig erscheint, als es ist; das liegt an der Schnelligkeit, in der sich die Ereignisse abspielten, an der Nervenspannung, die sie mit sich brachten und die eine gewisse Reaktion auslöste; das liegt an der Vorstellung einer Dynamik der deutschen Politik, die an sich berechtigt ist, sich jedoch zu sehr von der Vorstellung eines gradlinig vorwartstürmenden Dranges leiten läßt. In welcher Weise sich auch die politische Zukunft entwickelt, die Schaffung des Großdeutschen Reiches stellt einen Abschnitt und für sich selbst eine Erfüllung dar. Nur weil er so tief von der Idee einer solchen Erfüllung durchdrungen war, konnte der Führer mit solcher Sicherheit auf dieses Ziel hinarbeiten, das sich rascher verwirklicht hat, als er selbst es hoffen konnte und das gerade mit dieser raschen Erfüllung seine Berechtigung vor der ganzen Welt erwies.

          Das Großdeutsche Reich steht fest gegründet da, es ist durch Zahl und Tüchtigkeit seiner Einwohner und durch ihre wirksame Organisation eine Macht allerersten Ranges, die sich ihren Platz in der Welt unter allen Umständen – so oder so – sichern wird. Das deutsche Volk hat dadurch, daß es nun in einem geschlossenen Reiche zusammenlebt – soweit nicht deutsche Volksgruppen ohne räumliche Verbindung mit dem Reichsgebiet siedeln –, nicht eigentlich an Raum gewonnen. Es ist nach wie vor, ja mehr noch als früher ein „Volk ohne Raum“. Adolf Hitler hat in der gestrigen Rede mit aller Deutlichkeit die Folgerungen ausgesprochen, die sich aus dieser Tatsache ergeben; diese Tatsache ist zugleich eine Grundvoraussetzung der deutschen Außenpolitik. Es ist ein „Kunststück“, 135 Menschen pro Quadratkilometer zu ernähren, zu kleiden und mit allem zu versehen, was zu einem gehobenen Lebensstandard gehört – und dazu gehört, nebenbei bemerkt, auch die Rüstung, die zur Abwehr fremder Einflüsse und zur Sicherheit notwendig ist.

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