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Hintergrund : Mafiabosse wollen Pakt mit dem Staat schließen

  • -Aktualisiert am

Wichtige inhaftierte Mafiabosse wollen einen Pakt mit dem Staat.

          2 Min.

          Zehn Jahre nach der Ermordung der beiden Anti-Mafia-Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino sind einige der wichtigsten Bosse von „Cosa Nostra“ zu einem historischen Schritt bereit: Sie wollen, so berichten die italienischen Medien, einen Pakt mit dem Staat schließen.

          Wenn ihre Prozesse in eine Revision gehen und ihre Haftbedingungen erleichtert werden, dann könnten sie sich für immer von der Verbrecherorganisation abkehren (deren Existenz sie bisher immer geleugnet hatten) und sie sogar auflösen. Das schreibt der Boss Pietro Aglieri, der unter anderem wegen dem Attentat gegen Falcone zu lebenslänglich verurteilt wurde, in einem Brief an den Chef der italienischen Anti-Mafia-Struktur und an den Oberstaatsanwalt von Palermo.

          Die Reaktionen auf dieses Angebot sind im Land unterschiedlich. Die Regierung verweigert jeden Kommentar: Von einer Verhandlung sei ihr nichts bekannt. Die Mafiaexperten aber sind extrem beunruhigt: „Jegliche Verhandlung mit der Mafia würde unsere Demokratie in Gefahr bringen“, sagt zum Beispiel Giuseppe Lumia, ehemaliger Vorsitzender des Anti-Mafia-Ausschusses im Parlament. Und Luciano Violante, Fraktionsvorsitzender der Linksdemokraten und selbst lange Zeit Richter, spricht von einer „gefährlichen Falle“, die die Mafia dem Staat stellt.

          Bürgermeister von Palermo warnt

          Im Gespräch mit FAZ.NET zeigt sich auch der ehemalige Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando sehr besorgt. „Man bedenke, dass ein Minister der augenblicklichen Regierung, und zwar Bauminister Pietro Lunardi, kurz nach seinem Amtsantritt erklärt hat, man müsse lernen mit der Mafia zusammen zu leben. Und dann stelle man sich mal konkret solch einen Pakt mit der Mafia vor: Die Mafia hat doch keinen gewählten Chef. Wenn der Staat jetzt mit den inhaftierten Bossen ein Abkommen schließt, kann doch schon morgen einer kommen, der sagt, er sei der wirkliche Chef. Will man mit dem dann auch einen Pakt schließen. Und danach mit noch einem und noch einem? Und wenn jemand den Pakt nicht einhält, wer bestimmt die Sanktionen? Bei der Mafia herrscht die Todesstrafe. Soll es der Staat gutheißen, wenn jemand umgebracht wird, weil er einen Pakt nicht eingehalten hat, der zwischen dem Staat selbst und der Mafia geschlossen wurde?“.

          Bosse nutzen Grauzonen aus

          Doch warum wollen die Bosse überhaupt ein solches Abkommen? Orlando: „Innerhalb der Verbrecherorganisation hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Die neue Mafia will vor allem die Kontrolle über die verschiedensten Finanzgeschäfte. Da sind die alten Mafiosi, wie wir sie aus dem Kino kennen, doch nur hinderlich. Die Mafia hat gelernt, dass man besonders gute Geschäfte machen kann, wenn man sich möglichst wenig von der Legalität entfernt, wenn man alle Grauzonen ausnutzt. Und da ist es nur nützlich, wenn man sein altes Image verliert. Man muss die alte Mafia begraben, um eine neue - noch gefährlichere - aus der Taufe zu heben.“

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