https://www.faz.net/-gpf-2ufo

Hintergrund : Die Strömungen des Islam

  • Aktualisiert am

Islam ist nicht gleich Islam Bild: AP

Der Islam hat seit seiner Entstehung vor knapp 1400 Jahren eine Vielzahl von Strömungen hervorgebracht. Diese haben mit dem pauschalen Bild des „einen Islam“, das im Westen häufig anzutreffen ist, nur wenig gemeinsam.

          Der Islam hat seit seiner Entstehung vor knapp 1400 Jahren eine Vielzahl von Strömungen hervorgebracht. Diese haben mit dem pauschalen Bild des „einen Islam“, das im Westen häufig anzutreffen ist, nur wenig gemeinsam.

          Ihren Anfang nahm die jüngste der drei großen monotheistischen Religionen mit den Offenbarungen Gottes an den Propheten Mohammed zu Beginn des siebten Jahrhunderts. Die Moslems sehen in ihrer Religion die Vervollständigung der älteren jüdischen und christlichen Religionen.

          Die „Umma“ spaltete sich schon früh

          Die „Hidschra“ (Auswanderung) des Propheten und seiner Gefährten von Mekka nach Medina (im heutigen Saudi-Arabien) im Jahre 622 markiert den Beginn der islamischen Zeitrechnung. Schon wenige Jahrzehnte nach dem Tod Mohammeds im Jahre 632 kam es zur ersten Spaltung der Gemeinschaft der Moslems (Umma) in Sunniten und Schiiten. Auslöser dafür war die Frage, wer als rechtmäßiger Nachfolger Mohammeds und religiöses Oberhaupt der Gemeinschaft anzusehen sei. Die Sunniten machen seither die Mehrheit der Moslems aus, während die Schiiten die zweitgrößte Gruppe bilden, die heute hauptsächlich im Iran vertreten ist.

          Sunniten und Schiiten

          Im sunnitischen Islam hatte über Jahrhunderte hinweg der Kalif („Stellvertreter“ Mohammeds) die geistliche und weltliche Macht. Sie wurde mit der Zeit immer geringer, und 1924 wurde das Kalifat endgültig abgeschafft. Seither gibt es im sunnitischen Islam keine von allen Gläubigen anerkannte religiöse Autorität mehr.

          Anders als das Christentum kennt der sunnitische Islam keine ausgeprägte klerikale Hierarchie, sondern praktiziert eine Art von religiösem Pluralismus. Einige unter den religiösen Gelehrten (Ulama) besitzen allerdings traditionell eine höhere Autorität, so etwa der Scheich der ägyptischen Al-Azhar-Moschee, dessen Urteile in der gesamten sunnitisch-islamischen Welt Beachtung finden. Bei den Schiiten leitete ein als unfehlbar geltender Imam („Vorbeter“) die Gemeinde aller Gläubigen; da der letzte Imam dem Glauben nach in verborgener Entrückung lebt, nimmt im Gottesstaat Iran ein Stellvertreter seine Funktionen wahr.

          Re-Islamisierung und Fundamentalismus

          Die Erfahrungen von Machtlosigkeit, Fremdherrschaft und Identitätsverlust als Folge des europäischen Kolonialismus und die heutige wirtschaftliche und politische Übermacht des Westens haben viele Moslems dazu gebracht, ihr Heil in einer Rückbesinnung auf die Ursprünge des Islam zu suchen. Die daraus entsprungenen politischen Richtungen fasst man unter den Bezeichnungen Re-Islamismus oder Fundamentalismus zusammen.

          Die Anhänger dieser religiös-politischen Strömung kritisieren die Verwestlichung vieler islamischer Länder. Sie propagieren eine Rückkehr zum „reinen Islam“. Doch auch unter diesen Gruppen gibt es große ideologische Unterschiede. Das Spektrum reicht von der Moslembruderschaft in Ägypten, die den Staat nach eigenen Angaben mit legalen politischen Mitteln „islamisieren“ will, bis zu den afghanischen Taliban, die ihr Land mit Gewalt zurück ins Mittelalter katapultiert haben. Eine Minderheit der Moslems tritt für die gewaltsame Bekämpfung der westlichen Länder ein, so etwa die Organisation Osama Bin Ladens.

          Extreme Minderheit will den Dschihad

          Diese Extremisten rufen zum Dschihad gegen die „Ungläubigen“ auf. „Dschihad“ wird oft mit „Heiliger Krieg“ übersetzt, bedeutet aber eigentlich „Sich abmühen für die Sache Gottes“. Das kann eine militärische Pflicht zur Verteidigung und Ausbreitung des islamischen Herrschaftsgebietes sein, aber genauso ein wohltätiger Dienst oder das Streben nach einem aufrichtigeren Glauben.

          Weitere Themen

          Migranten verlassen Rettungsschiff  Video-Seite öffnen

          „Open Arms“ : Migranten verlassen Rettungsschiff

          Knapp drei Wochen blockierten europäische Häfen das Anlegen, nun durfte das Rettungsschiff „Open Arms“ auf Lampedusa an Land gehen. Zuvor war die Lage an Bord „außer Kontrolle“ geraten, weshalb Italiens Staatsanwaltschaft die Beschlagnahmung des Bootes anordnete.

          Topmeldungen

          Johnson besucht Berlin : Warten auf ein erstes Blinzeln

          Der britische Premierminister Boris Johnson droht der EU mit einem harten Brexit und lockt mit vagen Zugeständnissen – doch in Brüssel und Berlin wächst nur das Unverständnis.
          CSU-Politiker Markus Söder

          Gesetzesvorstoß : Söder will Negativzinsen verbieten

          Bayerns Ministerpräsident will ein Gesetz in den Bundesrat einbringen, um Bankeinlagen von Normalsparern bis 100.000 Euro vor Strafzinsen zu schützen. Allerdings haben Gerichte bereits juristische Grenzen für Minuszinsen auf Kontoguthaben gezogen.

          Luxusbauten in New York : Ästhetische Abschottung

          Ein Penthouse für 239 Millionen Dollar: Die Wohlhabendsten schauen von immer größeren Höhen auf das Stadtvolk hinab. New York baut jetzt superdünn.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.