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Umstrittener Waffenhersteller : Unruhe bei Heckler & Koch

Sturmgewehre in einer Vitrine des Firmenmuseums von Heckler & Koch am Stammsitz in Oberndorf am Neckar Bild: Lorenz Hemicker

Die Firma ist für viele Deutsche eine Inkarnation des Bösen. Nach der Kritik am Sturmgewehr G36 kämpft der Waffenhersteller Heckler & Koch um seinen Ruf – und seine Zukunft. Ein Besuch hinter sonst verschlossenen Türen.

          Die Gefahr lauert im Müll. „Bitte keine Zigarettenkippen in die Spänekübel werfen“, warnt ein Schild in der Dreherei von Heckler & Koch. Das Rauchen hatten sich die Werkzeugmacher am Stammsitz des schwäbischen Waffenherstellers in Oberndorf am Neckar über Jahrzehnte nicht nehmen lassen. Seit der Sommerpause aber ist es damit vorbei. Der Gesundheit und der Sicherheit wegen.

          Nun droht eine größere Gefahr. Das Sturmgewehr G36, Vorzeigeprodukt des Hauses, ist in Verruf geraten und zur politischen Waffe geworden. Die Opposition versucht, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit dem G36 vor sich herzutreiben. Sie, die sich Transparenz im undurchsichtigen Rüstungswesen ihres Hauses auf die Fahnen geschrieben hat. Politische Opfer gab es dabei noch nicht. Dafür aber bangt der Waffenbauer jetzt um seine Zukunft.

          Heckler & Koch ist für viele Deutsche so etwas wie die Inkarnation des Bösen. Das Unternehmen stellt sogenannte „Kleinwaffen“ her. Für manchen mag das harmlos klingen. Aber in den brasilianischen Favelas, den umkämpften Städten der Ostukraine und auf den Schlachtfeldern des Iraks werden mehr Menschen durch Schusswaffen getötet als mit Panzern oder Kampfflugzeugen weltweit.

          Auf Kritik reagierte Heckler & Koch lange wie ein Igel

          Heckler & Koch baut sie alle: Pistolen, Maschinenpistolen, Sturmgewehre wie das G36, Scharfschützengewehre, Maschinengewehre und Granatmaschinenwerfer. 75 Prozent der Produkte gehen an die Bundeswehr, deren Hoflieferant die Waffenschmiede ist, an die deutsche Polizei und an Alliierte aus EU, Nato und gleichgestellten Staaten wie Australien. Den Rest kaufen sogenannte „befreundete Nationen“. Staaten also, für die die Bundesregierung eine Exportgenehmigung erteilt hat.

          Das Problem dabei: Immer wieder tauchen Produkte des Unternehmens auch in Händen auf, die sie nicht tragen sollten, und an Orten, wo sie nicht sein dürften. Auf Kritik daran hat die Firma gegenüber den Medien lange Zeit wie ein Igel reagiert – sich zusammengerollt und die Stacheln gezeigt. Doch die anschwellende Unruhe rund um die Einsatztauglichkeit des G36 hat den verschwiegenen Mittelständler dazu veranlasst, seine sonst verschlossenen Tore zu öffnen. Volle Transparenz, so lautet die Devise.

          Im Stammwerk hoch über dem Neckar präsentiert sich der Waffenbauer als schwäbischer Musterbetrieb. Die Fabrikhallen im Oberndorfer Stadtteil Lindenhof durchflutet Tageslicht, die Hallenböden wirken selbst dort sauber, wo ein leichter Ölfilm von der Produktion zeugt. Auch die Mitarbeiter zwischen den Maschinen sind ausgesprochen freundlich. Fragen beantworten sie gerne, nur zitiert werden dürfen sie nicht.

          In den Hallen geht es um Ingenieurskunst

          Durch die Werkshallen führt an diesem Tag Martin Lemperle. Der Mittsechziger ist einer der beiden Geschäftsführer von Heckler & Koch und verkörpert einen selten gewordenen Unternehmertypus: Lemperle fing als Lehrling bei Heckler & Koch an, weil er Werkzeugmacher werden wollte und die Firma der größte Arbeitgeber am Ort war. Mit Waffen habe seine Entscheidung nichts zu tun gehabt. „In einem Schützenverein bin ich bis heute nicht. Ich bin kein Sportschütze und habe auch kein Gewehr im Haus.“

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