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Hilmar Kopper : Traditionalist mit globalem Blick

  • -Aktualisiert am

Hilmar Kopper Bild: dpa

2007 ist Schluß. Dann endet die Amtszeit von Hilmar Kopper als Aufsichtsratsvorsitzender von Daimler-Chrysler und damit auch sein letztes offizielles Mandat. Im Jahr zuvor wird er die Kontrollmandate bei Unilever in den Niederlanden und Xerox in den Vereinigten Staaten niederlegen.

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          2007 ist Schluß. Dann endet die Amtszeit von Hilmar Kopper als Aufsichtsratsvorsitzender von Daimler-Chrysler und damit auch sein letztes offizielles Mandat. Im Jahr zuvor wird er die Kontrollmandate bei Unilever in den Niederlanden und Xerox in den Vereinigten Staaten niederlegen. In der Deutschen Bank hat Kopper schon jetzt keine offizielle Position mehr. Gleichwohl bleibt seine Meinung gefragt. Zwischen 1989 und 1997 hatte er das Amt des Vorstandssprechers in der Nachfolge von Alfred Herrhausen inne, danach stand er bis Mai 2002 an der Spitze des Aufsichtsrats. Die Machtfülle wirkt nach, auch wenn Kopper am 13. März 70 Jahre alt wird. Dies gilt zumal dann, wenn jemand immer noch so quicklebendig und angriffslustig ist wie der frühere Chef der Deutschen Bank.

          Kopper hatte Josef Ackermann an die Spitze der Bank gebracht. Mit Rolf Breuer, seinem Nachfolger im Sprecheramt und im Aufsichtsratsvorsitz, verbindet ihn ein nicht immer spannungsfreies Verhältnis. Der gebürtige Westpreuße und Sohn eines Landwirts pflegt weiterhin zahlreiche Kontakte in die Bank, gerade auch zu den Spitzenleuten der jüngeren Garde im Investmentbanking. "Anshu Jain (einer der beiden Leiter des Investmentbankings) schneit ab und zu herein", sagt Kopper mit der Lässigkeit dessen, der seine Stellung nicht mehr unter Beweis stellen muß. Mit derselben Nonchalance trägt Kopper die Bürde der "Peanuts", mit denen er im ganzen Land schlagartig bekannt wurde. In der Immobilienaffäre Schneider hatte er damit sagen wollen, daß sich die Handwerker keine Sorgen um ihre Forderungen machen sollten; für die Bank seien solche Beträge nur "Peanuts". Ausgelegt wurde ihm der gutgemeinte Hinweis als die Arroganz von Größe und Macht. Für Kopper sind dies öffentliche Verdrehungen, mit denen man in Spitzenpositionen leben müsse - er einst an der Spitze der Deutschen Bank und heute als Aufsichtsratsvorsitzender von Daimler-Chrysler. Weil beide Unternehmen so bedeutend für die Wirtschaft in Deutschland und als Aushängeschild in der Welt sind, würden sie eben auch besonders kritisch unter die Lupe genommen, räumt er ein. Daß er in der Doppelrolle als Vertreter des Großaktionärs sowie Kreditgebers und Daimler-Aufsichtsratschef der Inbegriff der alten Deutschland AG ist, findet er zu platt. Je länger, desto mehr sei Daimler ein persönliches Mandat - in seinem Fall allerdings schon seit fünfzehn Jahren.

          Kopper fühlt sich als Hochleistungssportler in der Phase des Abtrainierens. 61 Aufsichtsrats- und Verwaltungsratsmandate, darunter in 13 Dax-Unternehmen hat er im Laufe seiner Karriere bekleidet, die 1954 mit einer Banklehre begann. Daneben machte er sich als Beauftragter der Bundesregierung für Auslandsinvestitionen in Deutschland einen Namen. Was sieht Kopper als seinen größten Erfolg an? "Die Verwandlung der Bank in eine moderne Universalbank inklusive Investmentbanking, ein Konzept, das alle großen Institute heute verfolgen", sagt Kopper ohne großes Zögern in seinem Büro, in dem in früheren Zeiten der legendäre Hermann Josef Abs residierte.

          Stationen auf diesem Weg waren vor allem die Zukäufe der Investmentbank Morgan Grenfell in Großbritannien Ende der achtziger Jahre und Bankers Trust Ende der neunziger. Und die Gelüste der amerikanischen Citigroup auf die Deutsche Bank? Kopper will nicht in Einzelheiten gehen. Er spricht von "Hirngespinsten" im politischen Berlin und davon, daß er von Anfang an strikt dagegen gewesen sei. Ob die Wahrheit so klar zwischen Politik und Bank verläuft, ist damit allerdings noch nicht gesagt. In Europa werde es zur großen Bankenkonsolidierung kommen - davon ist Kopper überzeugt. Aber angesichts der Rückstände in Ertrag und Aktienkurs werde die Deutsche Bank wohl nicht von Beginn an dabeisein. Bei einer Fusion auf gleichberechtigter Basis werde die überwölbende Holding angesichts der steuerlichen Bedingungen hierzulande wohl in einem "neutralen" Land angesiedelt werden. Hier sind Kopper und sein Nachfolger Breuer einer Meinung.

          Nach der Sanierung von Chrysler hat der Aufsichtsratsvorsitzende von Daimler-Chrysler Oberwasser. Die Qualitätsprobleme der Marke Mercedes scheinen ihn nicht allzusehr zu belasten - zumindest nicht gegenüber Außenstehenden. Zu Koppers größten Enttäuschungen gehört wohl sein beruflicher "Ziehsohn" Ulrich Cartellieri, der sich zuerst von der Bank entfremdete und dann mit einem Eklat den Aufsichtsrat verließ. Privat ist der Banker eine zweite Ehe mit der Brandt-Witwe Brigitte Seebacher eingegangen. Der Geburtstag ist am Sonntag, gefeiert wird aber erst im Juni - ganz privat im Westerwald, mit Verwandten, engen Freunden und Gleichgesinnten wie Vertretern der Freiwilligen Feuerwehr und seiner Bürgerinitiative gegen Windräder.

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