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Helikopter-Absturz : Hinweise auf technische Probleme als Absturzursache in Kabul

  • Aktualisiert am

Das Wrack nach dem Absturz Bild: AP

Ein technisches Problem im Antrieb des Hauptrotors nennt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums als Grund für den Hubschrauber-Absturz.

          2 Min.

          Die Bundeswehr hat erste konkrete Anhaltspunkte für technisches Versagen als Ursache für den tödlichen Hubschrauberabsturz in Kabul am Samstag. „Es verdichten sich Hinweise auf ein technisches Problem im Antrieb des Hauptrotors“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin am Montag. Bei dem Absturz waren sieben Bundeswehrsoldaten getötet worden. Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) hat einen Angriff als Ursache ausgeschlossen. Nach dem Absturz eines Bundeswehr-Hubschraubers nahe Kabul hielt die Bundeswehr die anderen Maschinen dieses Typs in Afghanistan vorerst am Boden.

          Der Sprecher des deutschen Kontingents der Schutztruppe in Afghanistan, Paul-Georg Weber, hatte nach dem tödlichen Hubschrauberabsturz in Kabul Kritik an der Ausrüstung zurückgewiesen. „Wir arbeiten nach den gleichen Bestimmungen, die auch für die Zivilluftfahrt in Deutschland gelten. Die Maschinen werden in den entsprechenden - hier in Afghanistan kürzeren - Intervallen gewartet“, sagte er am Montag. Der Unglücks-Hubschrauber sei „insofern in einem einwandfreien Zustand gewesen“.

          Derzeit keine Starts von deutschen Hubschraubern

          Ein 15-köpfiges Spezialistenteam aus Deutschland untersucht seit Sonntag in der afghanischen Hauptstadt die Unglücksursache. Die anderen Hubschrauber der Bundeswehr blieben vorerst am Boden. Nur wenn es absolut notwendig sei, etwa bei medizinischen Rettungseinsätzen, sollten die beiden verbliebenen Hubschrauber vom Typ Sikorsky CH-53 eingesetzt werden, sagte ein Bundeswehrsprecher am Montag in Kabul.

          Der Vizevorsitzende des Deutschen Bundeswehr-Verbandes, Wolfgang Ostermeier, sagte: „Wir fliegen mit veralteter Ausrüstung.“ Die Bundeswehr brauche neues Material. Die FDP-Bundestagsfraktion forderte am Wochenende eine Überprüfung der Ausrüstung der Deutschen in der internationalen Afghanistan- Schutztruppe. Unions-Verteidigungsexperte Christian Schmidt (CSU) sagte: „Wer meint, durch Strecken, Streichen, Kürzen die Sicherheit der Bundeswehr aufrecht zu erhalten, ist auf dem falschen Weg.“

          Stellungnahmen zum Absturz

          Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Volker Rühe (CDU), sagte, es sei nicht gerechtfertigt, pauschal veraltetes Gerät für den Absturz verantwortlich zu machen. „Im Augenblick sollten wir wirklich Gemeinsamkeit in der Trauer um die toten Soldaten finden und nicht pauschal den Eindruck erwecken, als ob altes Gerät hier die Ursache für den Absturz ist", sagte Rühe. Es gebe keinen Grund für den Vorwurf, die Sicherheit der Soldaten in Afghanistan sei vernachlässigt worden. Die militärische Führung der Bundeswehr habe deutlich gemacht, dass keiner ihrer Wünsche von der politischen Führung abgelehnt worden sei.

          Auch der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, sagte in mehreren Interviews, bei dem Hubschrauber aus US-Produktion handele es sich zwar um ein sehr altes Waffensystem, gleichwohl sei der 1973 bei der Bundeswehr eingeführte Hubschrauber sehr sicher. Aus dem Unglück einen generellen Vorwurf auf mangelnde Ausrüstung zu machen, sei verfehlt.

          Isaf-Mandat verlängert

          Erst am Freitag hatte der Bundestag das Mandat für die Beteiligung der Bundeswehr-Soldaten an der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf verlängert, außerdem wurde die Aufstockung des Kontingents auf 2500 von derzeit 1500 Bundeswehr-Soldaten beschlossen. Deutschland und die Niederlande sollen ab Februar 2003 für die Dauer von sechs Monaten das Kommando über die Isaf übernehmen.

          Die Leichen der sieben getöteten Soldaten sollten nicht vor Mittwoch nach Deutschland zurückgeflogen werden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Auch die Trümmer des Hubschraubers sollen Bundeswehrangaben zufolge zu weiteren Untersuchungen nach Deutschland gebracht werden.

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