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Heinz Schneppen : Alte Schule

  • -Aktualisiert am

Heinz Schneppen machte vor zwei Monaten darauf aufmerksam, daß das Auswärtige Amt seit Herbst 2003 heimlich die Tradition des Totengedenkens geändert hatte. Der ehemalige deutsche Botschafter in Paraguay und Tansania befindet sich im „Unruhestand“.

          Mit einem Brief an die Herausgeber dieser Zeitung machte der Botschafter im Unruhestand Ende Januar öffentlich, daß das Auswärtige Amt seit Herbst 2003 heimlich die Tradition des Totengedenkens geändert hatte: Wer Mitglied in der NSDAP gewesen war, dem wurde in der Hauszeitschrift „internAA“ der Nachruf verweigert - wobei die für den Auswärtigen Dienst seit 1951 erbrachten Leistungen keine Rolle mehr spielten.

          Heinz Schneppen gehörte Mitte Februar zu den Initiatoren einer Todesanzeige für den im vergangenen Oktober im Alter von 93 Jahren verstorbenen und hochangesehenen Diplomaten Franz Krapf. Mehr als hundert ehemalige Staatssekretäre, Ministerialdirektoren und Botschafter brachten so dem Kollegen jenes „ehrende Andenken“ entgegen, das Krapf nach Meinung Außenminister Fischers nicht verdient.

          Fischer macht die Rolle rückwärts

          Auch auf Grund dieser beiden diplomatisch feinen, aber unmißverständlichen Backpfeifen für den Außenamtschef wuchs der Unmut am Werderschen Markt derart, daß der wegen der Visa-Affäre stark an Ansehen verlierende Fischer die Gedenkpraxis-Front wenigstens dahin gehend begradigte, daß alle verstorbenen Amtsangehörigen fortan wieder im „internAA“ vermeldet werden, wenn auch nur durch einen „beruflichen Lebenslauf“ und unter allgemeinem Verzicht darauf, dem Verblichenen wie früher üblich ein „ehrendes Andenken“ zu wahren.

          Trotz dieser Kehrtwende des Grünen beim Totengedenken sollen bisher mehr als siebzig aktive Amtsangehörige ein Schreiben an Schneppen unterzeichnet haben, in dem sie ihm und allen Ehemaligen ihre „generationsübergreifende Verbundenheit... in Sachen Nachrufverweigerung“ ausdrücklich versichern: „Es ist in der Tat beschämend zu sehen, wie gerade diejenigen, die das Recht auf politischen Irrtum und die Fähigkeiten zum Lernen aus eigenen politischen Verirrungen mit nachfolgender Wandlung zum wahrhaften Demokraten für sich selbst nur zu bereitwillig in Anspruch nehmen, dieses Recht der älteren Generation verweigern und meinen, sich 60 Jahre nach Kriegsende zu postumen Richtern über Kollegen aufspielen zu müssen, die angeblich in der Zeit ihres Wirkens für unser Land viel zu nachsichtig behandelt worden sind“, heißt es in dem Brief.

          Quito, Paris und New York

          Der Schulterschluß zwischen pensioniert und im Dienst wird dem 1931 in Bocholt geborenen Schneppen gefallen. Hauptsächlich in Münster und Leyden studierte er Geschichte, Germanistik und Philosophie. Nach der Promotion über „Niederländische Universitäten und deutsches Geistesleben“ bei Franz Petri kam er auf dem Weg über das Bundespresseamt Ende 1967 als „Seiteneinsteiger“ in den Auswärtigen Dienst. Schneppen war in Quito, Paris und New York auf Posten, von 1984 bis 1989 Referatsleiter in der Zentrale, schließlich Botschafter in Paraguay und Tansania.

          Im Ruhestand kann sich der Vater von drei Töchtern in Berlin mit Leidenschaft geschichtlichen Themen widmen und ist mehrfach als Autor hervorgetreten, zuletzt mit „Sansibar und die Deutschen“. Zum „Fall Krapf“ hat er jüngst der Staatsministerin Müller eine quellenkritische Analyse zugeschickt und ihr wegen einer Äußerung im Bundestag empfohlen, sich bei den Verwandten des verstorbenen Diplomaten zu entschuldigen, obwohl ihm natürlich bewußt sei, daß sie nur vorgetragen habe, was ihr „das Auswärtige Amt aufgeschrieben hat“.

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