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Hehlerei mit Kunstschätzen : Aus Ur oder aus Troja?

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Trojanisches Kleinod oder Raubgut aus Ur? Goldgefäß aus dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz Bild:

Ein Goldgefäß von nur sechs Zentimetern Höhe macht derzeit den Behörden Probleme: Das Artefakt soll von Raubgrabungen aus dem Irak stammen. Bagdad hat deshalb Strafanzeige gegen einen deutschen Händler gestellt.

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          Wenn das Zollfahndungsamt Stuttgart seine Ankündigung wahr macht, wird sich am Dienstag in der Schatzkammer des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz etwas Seltsames zutragen: Die Beamten des Zolls sollen den Tresor des Museums aufschweißen, um sich Zugriff auf ein unscheinbares, kaum sechs Zentimeter hohes Gefäß aus Goldblech zu verschaffen. Der zuständige Museumsmitarbeiter, der Archäologe Michael Müller-Karpe, weigert sich nämlich, das antike Artefakt herauszugeben.

          Nach Müller-Karpes eigenem Gutachten stammt das Goldgefäß aus dem Irak und ist die mutmaßliche Beute von Raubgräbern, die in den vergangenen Jahren den berühmten Königsfriedhof der mesopotamischen Stadt Ur geplündert haben - und zwar so gründlich, dass das Areal auf Satellitenbildern vollständig durchlöchert aussieht. Die Grabräuber sind im ganzen Land aktiv. Viele ihrer Beutestücke sind seit dem Sturz des Saddam-Hussein-Regimes im Jahr 2003 außer Landes geschafft worden und bei deutschen Kunstauktionen aufgetaucht. Das prominenteste in Deutschland sichergestellte Beutestück, die Bronzeaxt des Sumerer-Königs Schulgi, brachte Außenminister Steinmeier im Februar eigenhändig nach Bagdad zurück. Der Kölner Kunsthändler, bei dem das Diebesgut gefunden wurde, ging straffrei aus, laut Ermittlungsakte wegen „geringer Schuld“.

          Handel mit antiken Kulturgütern aus dem Irak verboten

          Die Republik Irak erhebt nun auch Anspruch auf die Herausgabe des Goldgefäßes und hat Müller-Karpe nachdrücklich gebeten, das Stück nicht aus dem sicheren Gewahrsam des Museumstresors zu entlassen. Dorthin war es vor drei Jahren zur Begutachtung gekommen. Als Mesopotamien-Archäologe will Müller-Karpe auch in Zukunft im Irak arbeiten. Bagdads Botschaft in Berlin hat ihn - in aller diplomatischen Höflichkeit - darauf hingewiesen, dass Beihilfe zur Antikenhehlerei von irakischen Gerichten mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werde.

          Schulgis Bronzeaxt - Außenminister  Frank-Walter Steinmeier (l.) im Februar in Bagdad

          Allerdings wollen die Zollbehörden das Artefakt nun ausgerechnet jenem Auktionshaus übergeben, das die Iraker der Hehlerei bezichtigen. 2005 hatte die Münzhandlung Hirsch Nachfolger am Münchener Promenadeplatz das Gefäß versteigert. Ein Kenner mesopotamischer Kunst, der auf den Auktionskatalog gestoßen war, zeigte den Fall an. Die zuständige Staatsanwaltschaft in München stellte die Ermittlung wegen Verdachts der Hehlerei wenig später ein. Ein wissenschaftliches Gutachten wurde nicht eingeholt. Zudem bestand der Verdacht eines Verstoßes gegen eine EU-Verordnung, die den Handel mit antiken Kulturgütern aus dem Irak verbietet. Die Zollbehörden brachten das Goldgefäß im Tresor des Mainzer Museums unter.

          Auf illegalem Weg nach Deutschland gekommen

          Die Gesetzeslage in Deutschland, das erst Anfang 2008 als einer der letzten Industriestaaten die Unesco-Konvention zum Kulturgüterschutz ratifiziert hat, gilt in Fachkreisen als ausgesprochen hehlerfreundlich: Besitzer und Verkäufer archäologischer Objekte aus dem Alten Orient müssen deren Herkunft in der Regel nicht durch Dokumente wie etwa Exportgenehmigungen nachweisen. Folglich fällt es schwer, ihnen schuldhaftes Verhalten nachzuweisen.

          Wenn die Schmuggelware durch die deutschen Zollgrenzen gelangt ist, ist sie nahezu frei handelbar. Nur schon katalogisierte Objekte, die etwa aus den Beständen des 2003 geplünderten Nationalmuseums in Bagdad gestohlen wurden, können von den deutschen Behörden identifiziert und beschlagnahmt werden. „Das gilt aber nicht für Beute aus Raubgrabungen“, klagt Amr Musawi, Kulturattaché der irakischen Botschaft in Berlin. „Die Existenz dieser Objekte ist uns ja noch nicht bekannt, auch wenn sie dem irakischen Staat gehören.“

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