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Hass und Hetze im Netz : Die Filterblase zum Platzen bringen

Schilder bei einer Mahnwache anlässlich des Mordes an Walter Lübcke im hessischen Wolfhagen Bild: dpa

Die Bekämpfung von digitaler Hetze muss an Aufbau und Anreizsystem der sozialen Netzwerke ansetzen. Deswegen könnte etwa eine Pluralitäts(selbst)verpflichtung Filterblasen entgegenwirken.

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          Man habe wohl noch Verbesserungsbedarf im Kampf gegen Rechtsextremismus, sagte Horst Seehofer vergangenen Mittwoch. Wer wollte dem Innenminister da widersprechen? Von den regelmäßigen Angriffen auf Asylsuchende und Flüchtlingsheime über den Versand von Drohbriefen des „NSU 2.0“ bis zum Höchststand von 24 100 Rechtsextremen im jüngsten Verfassungsschutzbericht lässt sich eine lange Kette von Belegen knüpfen. Wer verfolgt hat, wie die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke in Teilen des Internets erst herbeigesehnt und dann bejubelt wurde, der hat schnell einen Sündenbock für diesen besorgniserregenden Trend zur Hand: Die sozialen Medien, in denen allzu oft das Asoziale gedeiht.

          Die Mechanismen, die dort zur Verrohung der Sprache und Radikalisierung des Denkens führen können, sind vielfach beschrieben worden: Das Fehlen eines Gegenübers, dem man in die Augen schauen müsste; der Beifall der Gleichgesinnten, die sich mit Likes und Retweets zu immer neuen Grenzüberschreitungen anstacheln; das Entstehen von Filterblasen durch Algorithmen, die Gegenstimmen unsichtbar machen und persönliche Verblendungen als allgemein anerkannte Wahrheiten erscheinen lassen.

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