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Wozu Betreuungsgeld? : Die marktkonforme Familie

Bild: Kunsthandlung Julius Giessen, Frankfurt

Das Betreuungsgeld ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, und es ist zu befürchten, dass der heiße auch noch der falsche Stein ist.

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          Wer noch gedacht hatte, es gehe beim Betreuungsgeld um Wahlfreiheit, Selbstbestimmung, um die Emanzipation der Mütter und Väter von staatlicher Bevormundung, wer gar gemeint hatte, es gehe um Kinder, der kennt die Arbeitgeber schlecht. Sie schrieben der Koalition am Dienstag ins Stammbuch, was die außerfamiliäre Kinderbetreuung eigentlich zu leisten hat: den Eltern gefälligst Anreize geben, zu arbeiten.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Das Betreuungsgeld sei deshalb „grundverkehrt“, sagte Arbeitgeberpräsident Hundt, weil es, umgekehrt, Anreize setze, nicht zu arbeiten. Wo kommen wir da hin? Wenn Männer und Frauen nicht mehr arbeiten wollen, weil sie lieber ihre Kinder erziehen? Was bekanntlich ja keine „richtige“ Arbeit ist, weil Erziehung kein Geld einbringt.

          Doch mit Freiheit kann das Betreuungsgeld schon deshalb nichts zu tun haben, weil es den Freiheitskämpfern der FDP egal ist. Sie handeln nach der Devise: Sollen sich doch CDU und CSU über eine Sache streiten, die erstens zu teuer und zweitens längst gegessen ist.

          Mit der Sache ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gemeint, die noch immer unter dem Banner der Gleichberechtigung daherkommt, aber eigentlich eine leere Hülle geworden ist. Die passt gerade noch zwischen all die anderen ökonomisierten Sparten unseres Lebens und wird von Männern wie Hundt zwischen die Aktenordner „Doppelverdiener“ und „Fachkräftemangel“ gequetscht. Die angeblich glückliche Familie des 21. Jahrhunderts ist schließlich die marktkonforme Familie.

          Doch selbst wenn das Betreuungsgeld eingeführt würde, änderte sich nichts daran, dass die Familie auf den Markt getragen wird - da hat die FDP ganz recht. 150 Euro wären nur ein Tropfen auf den heißen Stein, und es ist zu befürchten, dass der heiße auch noch der falsche Stein ist.

          Denn die Empfänger, die so denken wie CSU und CDU, sind auf das Geld in der Regel nicht angewiesen. Und die Familien, die auf das Geld angewiesen sind, gehören in der Regel zu den Haushalten, die noch viel mehr Geld benötigten, aber aus bildungs- und integrationspolitischen Gründen ihre Kinder besser in die Kindertagesstätte schickten.

          Das ist zwar nur eine kleine Minderheit, aber die Mehrheit richtet sich gerne nach ihr - weil sie entweder, wie gesagt, das Geld gar nicht braucht, oder so denkt wie die FDP und der Rest der marktkonformen Familienpolitiker - oder überhaupt keine Kinder hat. Warum auch?

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