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Steinbrücks Kompetenzteam : Tröpfchenweise

Steter Tropfen höhlt den Stein. Bild: Getty Images

Die SPD sucht im Wahlkampf die Auseinandersetzung über Inhalte. Die CDU dagegen führt mit Angela Merkel einen „Brigitte“-Wahlkampf. Reicht das bis zum 22. September? Eine Analyse.

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          Das „Kompetenzteam“, das der Öffentlichkeit tröpfchenweise verabreicht wird, ist für Peer Steinbrück eines jener Rituale, die er im Innersten wohl für Tüdelkram hält. Gleichwohl dient es ihm nach Wochen einer fast schon penetranten schlechten Presse als willkommene Entlastung. Jetzt wird nicht mehr nur auf die Goldwaage gelegt, was er selbst sagt. Inhalte werden auf viele Schultern verteilt.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Unangenehm kann es für den Kanzlerkandidaten nur werden, wenn es so läuft wie mit dem „Professor aus Heidelberg“. Damals aber war es Gerhard Schröder, der Angela Merkel und Paul Kirchhof einen wahlentscheidenden Fettnapf in den Weg stellte. Heute muss die Regierung gar nichts tun, um eine publizistische Meute aufzuscheuchen, die stets nach einem offenen Wort giert, um es einem Politiker dann schnell im Munde umzudrehen. Peer Steinbrück wird schon deshalb in die Geschichte eingehen.

          Die Kanzlerin entzieht sich einer Auseinandersetzung über Inhalte

          Das berührt den zweiten Grund, warum der Gesprächsstoff, den die Namen des Kompetenzteams liefern, für die SPD so wichtig ist. Sie sucht die Auseinandersetzung über Inhalte, der sich die Partei der Kanzlerin beharrlich entzieht. Alles ist auf die Person Frau Merkels abgestellt, die in einen „Brigitte“-Wahlkampf startet, in dem sie angeblich tut, was sie niemals tun wird, nämlich die Kontrolle über ihre allerpersönlichsten Geheimnisse zu verlieren. Mehr als „Wie ist Angela Merkel wirklich“ kann die CDU damit bislang nicht bieten, abgesehen davon, dass ihre asymmetrische Demobilisierung von allerpersönlichsten Schwächen der CSU durchkreuzt wird.

          Ob das bis zum Wahltag im September reichen wird? Davon dürften nur diejenigen überzeugt sein, die entweder Peer Steinbrück und sein Kompetenzteam unterschätzen oder „Europa“ noch für ein Thema halten, das die Union ebenfalls via Frau Merkel ausschlachten kann. Doch hier setzt ihrem präsidialen Auftreten die „Alternative für Deutschland“ Grenzen.

          Die SPD wird dagegen weiter auf innen- und sozialpolitische Themen setzen, für die auch die ersten drei Namen des Kompetenzteams stehen - wie immer mit deutlichen Signalen an ihre Stammwähler, die bei den vergangenen Wahlen zuhause geblieben sind. Sollte die tröpfchenweise Verabreichung wie Aufputschmittel wirken, könnte sich Klaus Wiesehügels Leitspruch für den Rückzug vom Gewerkschaftsposten noch als rot-grüner Wahlkampfschlager in einem Kopf-an-Kopf-Rennen erweisen: hopp oder top.

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