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Mehr Zeit für die Familie : Babybrei aus dem Hause Schwesig

Manuela Schwesig Bild: AFP

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war schon immer eine Chimäre. Das wussten die meisten Familien in Deutschland. Jetzt weiß es auch die deutsche Familienministerin.

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          Wenn es jemanden gibt in Deutschland, der so sehr an die „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ glaubt, dass er daraus Babybrei herstellen könnte, dann ist es Manuela Schwesig. Doch warum ist es ausgerechnet sie, die jetzt davon abkehrt?

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Der Vorschlag, mit verringerter Wochenarbeitszeit dafür zu sorgen, dass Familien mehr Zeit für ihre Kinder haben, sagt nichts anderes, als dass zwei Vollzeitarbeiter diese Zeit eben nicht haben – und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Chimäre ist. Das wussten schon sehr viele Familien in Deutschland. Jetzt weiß es auch die deutsche Familienministerin. Der Unterschied ist, dass Schwesig daraus eine höhere Form der Vereinbarkeit machen wird: die Vereinbarkeit von ein bisschen weniger Beruf und ein bisschen mehr Familie.

          Die höchste Stufe dieser Form der Vereinbarkeit wäre natürlich: so wenig Beruf wie nötig und so viel Familie wie möglich. Hatten wir das nicht schon einmal? Waren das nicht die Zeiten, in denen nur einer arbeitete, der andere zu Hause blieb?

          Zugegeben: Es war der Vater, der arbeitete, die Mutter blieb zu Hause. Um die Konflikte zu lösen, die sich daraus ergaben, dass es auch umgekehrt sein könnte, müssen heute beide arbeiten. Mit Betonung auf müssen, denn um einen gewissen Wohlstand und mittlerweile den Hunger der Arbeitgeber nach Fachkräften zu stillen, ist etwas anderes schon bald nicht mehr möglich. Der Gesetzgeber half noch zusätzlich nach, indem er beispielsweise das Unterhaltsrecht änderte. Alles zusammengenommen ergibt eine Tendenz zur Vollzeit – auch deshalb, weil Teilzeitkräfte die Erfahrung machen, dass sie sich selbst ausbeuten, eigentlich viel mehr arbeiten und die vielen „beruflichen Nachteile“ aller Art in Kauf nehmen.

          Nachdem sich also Gesellschaft und Arbeitsmarkt auf diese neue Welt eingerichtet haben und ohne sie gar nicht mehr auskämen, soll das Heil in weniger Arbeit bei vollem Lohnausgleich liegen. Wer aber soll das alles dieses Mal bezahlen?

          In der „Vision“ der Ministerin spielt das Betreuungsgeld sicherlich eine wichtige Rolle: Man könnte das Geld, das dafür vorgesehen ist, für die Entlohnung der „Familienarbeitszeit“ einsetzen. Dann hätte die SPD (in ihrem Schlepptau auch die Union) eine wunderbare Kapriole geschlagen; sie müsste nur noch erklären, warum die staatliche Kinderbetreuung noch so stark ausgebaut werden muss. Aber dafür gibt es sicher bald schon den passenden Babybrei aus dem Hause Schwesig.

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