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Homo-Ehe : Die Verfechter der klassischen Ehe ziehen sich zurück

Sie jubeln: Mit einem demonstrativen Kuss feiern diese Frauen den Ausgang des Referendums in Irland Bild: dpa

Die Gleichstellung der Lebenspartnerschaften wird schrittweise so weit ausgedehnt, dass am Ende niemand mehr weiß, worin eigentlich noch der rechtliche Unterschied zur Ehe besteht. Im Namen von Gerechtigkeit und Toleranz wird einfach alles für gleich erklärt.

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          Der Ausgang des Referendums in Irland lässt sich als ein Akt des Protests oder auch der Befreiung lesen. Die große Mehrheit für die sogenannte Homo-Ehe zeigt nicht nur, mit welcher Ungeduld viele Iren die Bemühungen verfolgen, die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften durchzusetzen. Der Sieg der gleichgeschlechtlichen Ehe erklärt sich auch damit, dass viele Iren die Bevormundung durch eine katholische Kirche satthaben, die in Irland ihre Macht missbraucht hat und in Fragen der Sexualität angesichts haarsträubender Affären kaum noch glaubwürdige Antworten geben kann. Derart in die Defensive geraten, haben ihre Lehrsätze vielleicht nicht an Wahrheitsgehalt, aber an gesellschaftlicher Wirklichkeitsnähe verloren.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Verstärkt wird diese Verschiebung zu Lasten alter Autoritäten (nicht nur in Irland) noch dadurch, dass die Hüter der Tradition auch ihre Sprache verloren haben. Besonders gut war das über (ausgerechnet) Pfingsten in Deutschland zu beobachten. Kaum war das Ergebnis des Referendums bekannt, lief die Kampagnenmaschine derer an, die selbst den Begriff der „Homo-Ehe“ für diskriminierend halten und nur die „Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare“ gelten lassen. Die Verfechter der klassischen Ehe hingegen haben es offenbar akzeptiert, sich in eine Nische zurückziehen zu müssen, in der nur hinter vorgehaltener Hand über die erstaunlich weitverbreitete Tradition geredet wird, dass Mann und Frau dazu gehören, ein Kind zu zeugen. Geht es nach dem sogenannten Gender-Mainstreaming, also nach der offiziellen Richtschnur von Universitäten, Ministerien und wohl bald der Schulen, ist auch das, die Berufung auf die Natur, schon ein Zeichen latenter Homophobie.

          Auch in Deutschland geht es deshalb in Richtung Irland. Das Bundesverfassungsgericht hat den Weg durch das Paradox vorgezeichnet, der besondere Schutz der Ehe dürfe nicht in deren Bevorzugung gegenüber Lebenspartnerschaften bestehen. Am Mittwoch wird Justizminister Heiko Maas (SPD) einen Gesetzentwurf vorlegen, der diese Bevorzugung weiter abbaut. Die Gleichstellung der Lebenspartnerschaften wird schrittweise so weit ausgedehnt, dass am Ende niemand mehr weiß, worin eigentlich noch der rechtliche Unterschied zur Ehe besteht. Der Akt der „Befreiung“ liegt dann darin, das allzu menschlich Ungleiche im Namen von Gerechtigkeit und Toleranz einfach für gleich zu erklären.

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