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Hackerangriff : Macronleaks

Macron am Sonntag nach der Stimmabgabe Bild: Reuters

Der Hackerangriff auf Emmanuel Macron sollte für Desinformation und Verwirrung sorgen. Aber die Öffentlichkeit ist darauf vorbereitet. Der Schuss geht nach hinten los.

          Es ist so gekommen wie befürchtet. Die Wahl eines neuen französischen Präsidenten wurde kurz vor Öffnung der Wahllokale einer Desinformationskampagne ausgesetzt. Gestohlene Daten aus der Umgebung Emmanuel Macrons wurden weltweit über „soziale“ Medien verbreitet. Ganz gleich, welche Informationen sie enthielten: Aus solchem Diebesgut lässt sich ein Brei anrühren, in dem Lüge und Wahrheit, Tatsachen und Falschmeldungen nicht mehr unterscheidbar sein sollen. Was sich unter „Macronleaks“ seit Samstag in digitalen Netzwerken abspielte, war ein Festival der Verwirrung, dargeboten von Agitatoren, Scharlatanen, Meistern der Verschwörungskunst und den verzweifelten Rittern der Schwarmintelligenz. Und da ist das Werk der Trolle, Bots und Dummköpfe zwischen Wladiwostok und Los Angeles noch nicht einmal mitgezählt.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Die Schuldigen sind schnell gefunden. Der Verdacht liegt nahe, dass die Macron-Verleumder dort zu suchen sind, wo die Le Pens dieser Welt ihre kriminellen und geheimdienstlichen Verbündeten haben. Das sind im Falle des Macron-Hacks aber offenbar nicht mehr nur die Putin-Follower, sondern auch extremistische Jünger des amerikanischen Trump-Lagers, die ihre Dienste als Brandbeschleuniger anbieten. Sie eint ein klares Interesse: Geschwächt werden sollen die Etablierten, die Europäer, die moderaten Demokraten; gestärkt werden sollen die Nationalisten, die Extremisten, die Verwirrer und Verwirrten.

          Aber gelingt das auch? Da die Gerüchteküche, die durch Hacker und Lügenbarone eingerichtet wird, auf eine Öffentlichkeit trifft, die auf üble Gerüche vorbereitet ist, lässt sich der Schaden hoffentlich in Grenzen halten. Das gilt für Frankreich, das gilt erst recht für Deutschland, wo die Polarisierung (noch) nicht so weit fortgeschritten ist wie in anderen westlichen Ländern. Nutznießer von „Merkelleaks“ oder „Schulzleaks“, deren Hintermänner der Verfassungsschutz aufgrund einschlägiger Erfahrungen in Russland sieht, wäre hier zweifellos die AfD. Die lenkt von ihren Verbündeten ab, indem sie die OSZE zur Beobachtung ihrer militanten Gegner aufgefordert hat. Wie wäre es stattdessen mit ein wenig Distanz zu den digitalen und analogen Feinden der Demokratie? Wenn es um die Zersetzung stabiler Institutionen geht, die für freie und gleiche Wahlen zuständig sind, stehen sich linke und rechte Tschekisten auch im Netz-Zeitalter eben in nichts nach.

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