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Integration : Zwei Wege für den Islam

„Hat alles nichts mit dem Islam zu tun.“ Wirklich? Bild: dpa

Wer den integrierten Muslimen in Deutschland eine Stimme geben will, muss den Islam beim Namen nennen. Ein Kommentar.

          Damit der Islam ein „guter“ Islam ist, wird in Deutschland gerne alles Böse damit erklärt, dass es nichts mit dem Islam zu tun habe. Der „Islamische Staat“? Hat nichts mit dem Islam zu tun. Der Terror der Dschihadisten? Hat nichts mit dem Islam zu tun. Der „Ehrenmord“ am eigenen Kind? Hat nichts mit dem Islam zu tun. Unterdrückung der Frau? Hat nichts mit dem Islam zu tun. Burka? Hat nichts mit dem Islam zu tun. Und überhaupt: der Islamismus? Hat nichts mit dem Islam zu tun.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Müsste es dann nicht auch heißen, dass auch der Salafismus nichts mit dem Islam zu tun habe und auch der Wahhabismus nicht? Spätestens hier wird deutlich, wie absurd es ist, so zu tun, als habe das alles nichts mit Religion, sondern allenfalls mit Tradition zu tun.

          Es war ein Irrtum mit Folgen, so zu argumentieren. Weder schärfte es den politischen Blick für den islamistischen (und islamfeindlichen) Radikalismus, der sich innerhalb kurzer Zeit in der deutschen Gesellschaft verbreiten konnte; noch verlangte es den muslimischen Gemeinden ab, ihr Glaubensbekenntnis und ihre danach orientierte Lebenswelt dahin gehend abzufragen, ob sie sich mit den Grundsätzen des Staates vertragen, in dem sie beheimatet sind. Denn wenn alles, das sich radikal gegen diesen Staat und seine Gesellschaft richtet, nichts mit dem Islam zu tun hat, warum sollten sich Muslime und ihre Moscheegemeinden dann ernsthaft damit beschäftigen?

          Es gibt zwei Wege, um den für westliche Maßstäbe offenen Islam zu fördern. Der eine Weg geht über klare Grenzen. Sigmar Gabriel hat recht, wenn er extremistischen Predigern, die Hassausbrüche provozieren, das Handwerk legen will. Ist es nicht grotesk, dass in Deutschland jede Hakenkreuz-Schmiererei verfolgt wird, Tausende aber ungestraft auf die Straße gehen und „Juden ins Gas“ skandieren durften? Gabriels Vorstoß richtet sich gegen Saudi-Arabien. Dabei wird es aber nicht bleiben können. Der andere Weg zur Integration des Islams muss von den deutschen Muslimen selbst beschritten werden.

          Darauf zielen die Grünen und die Formel vom Islam, der institutionell „eingebürgert“ werden müsse. Das richtet sich nicht nur gegen Saudi-Arabien, sondern auch gegen den türkischen und orthodoxen Einfluss auf deutsche Muslimverbände, denen es bislang nicht gelungen ist, ihr Paralleluniversum zu verlassen. Das ist angesichts der Flüchtlingswelle umso bedauerlicher. Denn es gibt genug Muslime in Deutschland, die längst „eingebürgert“ sind, aber als Gemeinschaft keine Stimme haben.

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