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WM-Finale : Wir Weltmeister

Irgendwann - ganz sicher Bild: picture alliance / Laci Perenyi

Deutschland, eine verspielte Nation? Wer hätte das gedacht. Ihre wahren Helden sind nicht die Großen und Starken, sondern die Verlierer und Enttäuschten, die immer wieder aufstehen und einfach nur spielen wollen. Irgendwann werden sie Weltmeister - ganz sicher.

          Die Fußball-Weltmeisterschaften muss es schon deshalb geben, weil es die seltenen Gelegenheiten sind, in denen die Deutschen endlich einmal so sein dürfen, wie sie sein wollen. Am liebsten natürlich als Weltmeister, wie jedes andere Land, das sich in die Endrunde vorgekämpft hat. Aber auch als schwarz-rot-goldene Festnation, deren zur Muffeligkeit neigende Beobachter bass erstaunt zur Kenntnis nehmen müssen, dass ihr Volk aus lauter stolzen Optimisten besteht, wo es sonst doch gern als Volk der Meckerpötte von sich reden macht.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          An dieser Stelle deshalb ein herzliches Dankeschön an Per Mertesacker, der mit seinem Was-wollen-Sie-eigentlich-Interview zum Achtelfinale dafür sorgte, dass nach dem 7:1 gegen Brasilien nicht sogleich danach gefragt wurde, was denn das unnötige Gegentor über die Schwächen der deutschen Mannschaft aussage.

          Ja, was wollen wir eigentlich? So gut wie jede andere Weltrangliste wird den Deutschen nicht als Sommermärchen, sondern allzu oft - wieder nicht Exportweltmeister! - als ein pessimistischer Vorgeschmack auf den Herbst des Abendlandes verkauft. Oder gleich, jedenfalls in der veröffentlichten Meinung, als Negativ-Weltmeisterschaft - eine Katastrophe (Klima, Atomkraft, Pisa) jagt dann die andere (Armut, NSA, ach, diese ganze Politik).

          In den Fußballstadien dagegen ist auch eine schön herausgespielte Katastrophe noch ein Grund zum Feiern - auch wenn dabei die „goldene Generation“ wieder einmal gezeigt hätte, dass nicht alles Gold sein muss, was glänzt.

          Diese Generation hat sich in Brasilien allerdings in eine Situation gespielt, in der sie schon zum Weltmeister gemacht wird, bevor das Turnier zu Ende geht. Das war beim letzten Sommermärchen so ähnlich - in Schland, wir erinnern uns: Weltmeister der Herzen hieß das 2006. Für die intellektuellen Siegertypen muss es damals ein Schock gewesen sein, dass die Nation, die sie immer gerne als tumben Kraftprotz hingestellt hatten, als Sieger vom Platz ging, obwohl sie nicht gewonnen hatte, sondern einfach nur spielen wollte.

          Deutschland, eine verspielte Nation? Wer hätte das gedacht. Ihre wahren Helden sind deshalb auch im Fußball nicht die Großen und Starken, nicht die Meckerpötte und Miesmacher, sondern die Verlierer und Enttäuschten, die immer wieder aufstehen und einfach nur spielen wollen. Irgendwann werden sie Weltmeister - ganz sicher.

          Irgendwann - ganz sicher

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