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AfD und die Anderen : Auf einem Auge blind

Wenn „Nie wieder rechts“ richtig ist, müsste es dann nicht auch heißen: Nie wieder links? Was bleibt dann aber noch übrig? Bild: dpa

Die Linke begnügt sich beim Kampf gegen die AfD mit dem Schlachtruf: Nie wieder rechts! Rechtsextremismus lässt sich so aber nur mit großflächigen Kollateralschäden bekämpfen.

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          Der Vorsitzende und Kanzlerkandidat der SPD hat den Kirchen dafür gedankt, dass sie sich „in aller Deutlichkeit gegen Ausgrenzung und Hass in jeder Form positioniert“ hätten. Gemeint hat Martin Schulz damit die Beteiligung der Kirchen am Protest rund um den Kölner AfD-Parteitag, insbesondere das Bekenntnis der evangelischen Kirche zum „Kreuz ohne Haken“. Damit sollte wohl gesagt werden: AfDler sind alles potentielle Nazis.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Meinte Schulz also ganz andere Kirchen? Denn das Verhalten katholischer und evangelischer Bischöfe war genau das: ein Aufruf zur pauschalen Ausgrenzung, der obendrein die Gestalten ermutigt hat, die rund um den Parteitag ihren Hass ausleben konnten. Schon während des Stuttgarter Parteitags vor einem Jahr hielt sich das autoritäre Gehabe innerhalb und außerhalb des Gebäudes, in dem der Parteitag stattfand, ungefähr die Waage. Nur dass außerhalb des Gebäudes die antifaschistische Front genau die Gewaltbereitschaft zeigte, die sie den AfD-Anhängern gerne als deren faschistoide Sehnsucht vorhält.

          In Köln sprangen alle möglichen NRW-Wahlkämpfer auf diesen Zug auf. Niemand störte sich daran, dass Journalisten nur unter Polizeischutz in das Hotel kamen, in dem der Parteitag stattfand, von den Delegierten einmal zu schweigen. Das ist die Fortsetzung des peinlichen Schweigens, das sich über jeden Versuch breitet, der AfD den Zugang zu Versammlungslokalen zu versperren, ihre Anhänger einzuschüchtern oder Funktionäre zu bedrohen. Das mulmige Gefühl, nicht mit heiler Haut nach Hause zu kommen, war unter den Leuten, die im Gebäude waren, jedenfalls weiter verbreitet als unter den Helden, die draußen standen und jeden als „Nazi-Arsch“ beschimpften, der sich in Richtung Tagungsort bewegte. Das gilt offenbar als legitimer Ersatz für ein Verbot der Partei, das es - aus gutem Grund, wir leben schließlich nicht in der Türkei - so schnell nicht geben wird.

          Die Reaktion des AfD-Vorstands Hampel („In dem Verein“ – gemeint ist die evangelische Kirche – „sollte keiner von uns mehr Mitglied sein“) nennt Schulz nun „unfassbar und abscheulich“. Unfassbar und abscheulich sind in diesem Zusammenhang die Angriffe auf Flüchtlingsheime, Ausländer, Politiker und Journalisten. Unfassbar und abscheulich lassen sich auch Hetzreden von AfD-Politikern nennen, die glauben, sie seien dem Kyffhäuser entstiegen, und nicht merken, wie ihnen statt eines Barbarossa-Barts ein Schnurrbärtchen wächst. Die Angriffe auf AfD-Politiker bleiben aber nichtsdestotrotz um keinen Deut harmloser als die Angriffe auf Politiker anderer Parteien. Um dagegen „Haltung“ zu zeigen, skandieren Linke und ganz Linke: Nie wieder rechts! Sie merken gar nicht, wie ihr eines Auge dabei blind wird.

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