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Brexit : Die dummen Alten?

Jung = weltoffen, Alt = Nationalismus? Bild: AFP

Den Brexit haben die „Alten“ befürwortet, die „Jungen“ abgelehnt. Da ist sicher etwas dran, aber durch die deutsche Brille wird daraus ein Klischee, das mehr über Deutschland sagt als über den Brexit.

          Es ist bemerkenswert, mit welcher Wucht in Deutschland nach dem britischen Referendum die „dummen Alten“ angegangen wurden. In den „sozialen“ Netzwerken war das ein äußerst beliebtes Thema, und auch in den politischen Stellungnahmen spielte es eine prominente Rolle. Die Beobachtung beruht auf einer Statistik, in der die „Jungen“ mit überwältigenden Prozenten für den Verbleib in der EU, die „Alten“ hingegen mit ebenso überwältigenden Prozenten für den Austritt votiert hatten.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Abgesehen davon, dass sich Statistiken durch geschickte Verteilung der Alterskohorten in die gewünschte Richtung „drehen“ lassen, abgesehen auch davon, dass die Wahlbeteiligung der Jungen erschreckend weit unter dem Durchschnitt lag und man deshalb über die Haltung „der“ Jungen nicht allzu voreilig urteilen sollte: Warum diese Wut auf die Senioren, die angeblich ihr national-imperialistisches „Empire“ zurückhaben wollen?

          Der Grund dürfte darin liegen, dass „alt“ hierzulande noch immer für Nationalismus, „jung“ hingegen für Weltoffenheit steht. Zur Wahrheit gehört aber, dass die „Jungen“ nicht nur die hippen Europäer waren, die den Brexit ablehnten, sondern auch die jungen Banker und Bankerinnen, die in London um ihre Zukunft bangen - und gestern noch mit denselben pauschalen Klischeevorstellungen für ihre finanzkapitalistische Raffgier kritisiert wurden, mit der sie heute als europäische Helden gefeiert werden.

          Globalisierungsgewinner und -verlierer werden so gegeneinander ausgespielt und in das Schema „progressiv“ und „reaktionär“ gepresst. Und so sollen die Skeptiker, die EU-Gegner, die Ängstlichen für die europäische Idee zurückgewonnen werden? 

          Zur Wahrheit in Deutschland gehört außerdem, dass viele Junge zwar weltoffen sind, aber auch ein entkrampftes, suchendes Verhältnis zum deutschen Nationalgefühl haben, das viele „Alte“ ihnen nicht vermitteln können oder wollen. Denn die deutschen „Alten“ waren auch mal jung - und konnten damals mit Europa oft nur deshalb etwas anfangen, weil es ihnen ersparte, ihre Nationalität zu akzeptieren. Auch das ist ein Grund für die Polarisierung von heute: Zwischen „Nationalismus“ und „Europa“ gibt es offenbar keine Mitte.

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